Klar zum Abflug

Pionier: Wie ein Pilot aus Hamm Flugzeuge klimafreundlicher machen will

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Der Traum vom (nahezu geräuschlosen) Fliegen: Die „Electric Warrior“ wird 650 km/h schnell sein und Platz für 19 Passagiere bieten.
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Elektroantriebe sind künftig nicht mehr wegzudenken. Was auf den Straßen schon fast Normalität ist, möchte der Hammer Dirk Bruse in der Luftfahrt etablieren.

Hamm/Rietberg – Was beim Auto funktioniert, wird auch in der Luftfahrt nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die Zukunft ist auch dort elektrisch. Der aus Hamm stammende Pilot und Flugzeugingenieur Dirk Bruse will einer der Pioniere auf diesem milliardenschweren Feld sein und sich zu einer Art Elon Musk der Lüfte aufschwingen.

„Rainbow Aerospace“ hat Bruse seine frisch gegründete Firma mit Sitz in Rietberg genannt, „Electric Warrior“ wird das Flugzeug heißen, mit dem der 56-Jährige idealerweise ab 2024 klimaneutral und ziemlich lautlos den Luftraum erobern will. Der Name des Prototypen ist (wie der der Firma) an die „Rainbow Warrior“ angelehnt – jenes heldenhafte Greenpeace-Schiff, das 1985 von französischen Agenten in Neuseeland versenkt wurde.

E-Antriebe sind in der Fliegerei bislang noch wenig verbreitet und tauchen allenfalls bei Ein- oder Zweisitzern auf. Die Betonung liegt hier auf dem „noch“, denn Experten gehen davon aus, dass in 20 bis 30 Jahren das klassische Kerosin keine Rolle mehr spielen und von elektrischen Antrieben, Brennstoffzellen und Wasserstoff verdrängt sein wird.

Ein neues Zeitalter in der Luftfahrt

In der kommerziellen Luftfahrt ist deshalb ein Wettlauf gegen die Zeit im Gange. Mit Hochdruck wird an E-Flugzeugen konstruiert, die im Inland Fracht und Passagiere transportieren können. Bruses „Electric Warrior“ soll immerhin ein Tempo von 650 km/h erreichen und 2,5 Tonnen Last transportieren können. „Eine Stunde Flugzeit ist schon jetzt drin“, sagt der promovierte Flugzeugingenieur. Bis zu 19 Passagiere sollen im Rumpf der Maschine Platz finden können.

Dirk Bruse aus Hamm will hoch hinaus - mit Elektroantrieb im Flugzeug.

Während die Konkurrenz auf eine komplett neue Generation von Flugzeugtypen setzt, gehen Bruse und sein Team einen anderen Weg. Sie bauen auf ein bereits am Markt existierendes konventionelles Modell und tauschen lediglich die Antriebssysteme aus. Um welches Modell es sich handelt, ist geheim, denn die Konkurrenz soll nicht auf den fahrenden Zug aufspringen. „Wir werden sehr wahrscheinlich die Ersten sein, die in diesem Sektor elektrisch fliegen können“, sagt Bruse.

Dass Bruse ein Revolutionär ist, bewies er bereits 2021: Mit Beteiligung aus Hamm entstand damals ein neuer Corona-Virenkiller namens IAF 3. Bruse gehört zu den Mitentwicklern.

Testflüge gab es schon

Der Plan der Leute von „Rainbow Aerospace“ ist dabei längst mehr als nur ein Gedankenspiel. Das Flugzeug der Wahl ist gefunden und war für die Erprobung bereits mehr als 600 Stunden in der Luft. Noch war der Antrieb dabei konventionell, in der nächsten Stufe sollen nun die Elektromotoren und Akkus nachgerüstet werden. Klappt es mit der Suche nach Investoren, soll die „Electric Warrior“ ab 2024 vom Band gehen können. 100 Maschinen sollen gebaut werden, in einer weiteren Stufe soll ein noch größeres Flugzeug entwickelt werden.

Aufnahme bei einem Testflug: Der Propeller soll schon bald elektrisch angetrieben werden.

Fliegen tut die „Electric Warrior“ schon jetzt – in einer Computer-Animation, die für die Investoren entworfen wurde. Zum Start rollt der Jet dabei, ohne dass sich die Propeller drehen. „Und das wird auch in der Realität so sein“, sagt Bruse. Das Bug-Rad wird nämlich von einem kleinen Motor angetrieben, die beiden Propeller werden erst zum Start angeworfen. „Ich habe es nie begriffen, warum Flugzeuge bis heute nicht zum Start geschleppt werden oder so einen Antrieb erhalten“, sagt Bruse. Ein Flugzeug per Triebwerk am Boden zu bewegen, sei extrem energieaufwändig. „Dafür werden weltweit Jahr für Jahr Millionen Liter Kerosin vergeudet“, sagt Bruse. Für die „Electric Warrior“ bringt das Bruse-System einige Minuten mehr Akku- und damit Flugzeit – entscheidende Faktoren auf dem umkämpften Zukunftsmarkt.

Es gibt einen Wandel in der Luftfahrt. Nach über 50 Jahren ist nun Schluss: Mit der Auslieferung der letzten Boeing 747 ist das Produktionsende des Flugzeug-Klassikers besiegelt. Der Jumbo prägte die Geschichte der Luftfahrt wie wenige andere Modelle.

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