Pionier in Deutschland: Flughafen in NRW führt neue Technologie ein
VonHannah Löseke
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Das Schleppen von Gepäck ist mühsam und kann zu Rückenproblemen führen. Ein Flughafen in NRW hat eine Lösung – und setzt als erster in Deutschland auf eine fortschrittliche Technologie.
Ahden – Koffer voller Reisegepäck und Urlaubserinnerungen können ganz schön schwer sein. Zwar dürfen sie nicht mehr als 32 Kilogramm wiegen – aber auch das kann in der Menge ziemlich auf den Rücken gehen. Vor allem, weil jedes Gepäckstück bis zu sechs Mal manuell bewegt wird. Der Flughafen Paderborn/Lippstadt will jetzt ganz neue Wege gehen, um Mitarbeiter zu entlasten: Als erster Airport in Deutschland setzt er auf eine neue Technologie beim Be- und Entladen von Flugzeugen.
Hilfe beim Koffer-Tetris: Flughafen in NRW setzt als erster neue Technologie ein
Mit einem Rücken-Exoskelett, also mit einem tragbaren Roboter, der die menschlichen Bewegungen unterstützt, sollen Mitarbeiter in Ahden nun im Flugzeugbauch Gepäckstücke effizient stapeln und verladen, teilt der Flughafen mit. Der Bereich sei beengt, deshalb seien die Bedingungen dort schwierig. „Hier unterstützt das Exoskelett gezielt Rücken und Gelenke, indem es Belastungsspitzen reduziert und die natürliche Körperhaltung fördert“, heißt es in der Mitteilung.
In einer Pilotphase im Oktober und November 2024 haben die Mitarbeiter des Flughafens das Exoskelett bereits sechs Wochen lang getestet. „Einige fanden das ganz toll“, erklärt Flughafensprecher Matthias Hack auf Nachfrage von wa.de, und würden es gerne nutzen. Andere wiederum hielten es für „nicht zwingend notwendig“. Nun hat der Flughafen erstmal ein Exoskelett angeschafft – als erster in ganz Deutschland – und will nun gucken, wie er weiter damit umgeht. „Die Mitarbeiter sollen das selber entscheiden.“ Weitere könnten folgen.
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Markus Dransmann, Betriebsleiter der Westphalian Ground Services am Flughafen Paderborn/Lippstadt, hat die Technologie auch schon ausprobiert. Die Entlastung habe er sofort gemerkt, berichtet er laut Mitteilung: „Das Exoskelett unterstützt meinen Rücken enorm beim Heben – besonders, wenn ich im Flugzeugbauch Koffer-Tetris spiele.“ Es sei angenehm und erstaunlich leicht.
Neue Technologie reduziert Rückenschmerzen mit körpereigener Energie
Schon vorher habe es Technologien zur Automatisierung gegeben, zum Beispiel Gepäcktransport-Bänder. In den Laderäumen der Flugzeuge gebe es allerdings keine vollautomatische Lösung, da seien Arbeitskräfte weiterhin unersetzlich. Das Exoskelett entlaste nun gezielt Muskeln und Gelenke, reduziere Rückenschmerzen und beuge gesundheitlichen Schäden vor.
Das funktioniert so: Man legt sich das etwa drei Kilogramm schwere Exoskelett an – das dauert laut Pressemitteilung weniger als 20 Sekunden – und dann nutzt es die Kräfte im Körper, leitet sie um, speichert sie zwischen und gibt sie gezielt wieder frei. Weil es körpereigene Energie nutzt, braucht es auch keine Batterien. „Biomechanisches Prinzip“ heißt das.
In der Pilotphase wurden mit Sensormessungen Daten erhoben und vier Teilnehmer zu ihren Eindrücken befragt. Das Ergebnis: Die Mitarbeiter konnten ihre Bandscheiben-Kompression in der Lendenwirbelsäule aus dem überwiegend kritischen Bereich (87 Prozent rot, 12 Prozent gelb) in eine mehrheitlich moderate Belastungszone (22 Prozent rot, 71 Prozent gelb) überführen. Die Maximalbelastung sei nachweislich um 12 Prozent gesunken.
„Unser Ziel ist es, unsere Mitarbeiter bestmöglich zu unterstützen und ihre Gesundheit nachhaltig zu schützen“, wird Roland Hüser, Geschäftsführer des Flughafens, zitiert. „Exoskelette können schwere körperliche Arbeiten erheblich erleichtern und damit ein Schritt hin zu besseren Arbeitsbedingungen sein.“