VonMichael Knippenkötterschließen
„15 Euro Mindestlohn – ich kotze gleich“, schreibt der Hammer Gastronom Karsten Plaß auf seiner Facebook-Seite. Warum ihm und vielen anderen Unternehmern ein derartiger Beschluss die Existenz kosten könnte.
Hamm – CDU und SPD haben der Frage um eine Anhebung des Mindestlohns auf 15 Euro pro Stunde noch gar keinen parteipolitischen Tiefgang verliehen, da kocht das Thema bereits branchenübergreifend hoch – auch in Hamm. Gastronom Karsten Plaß, Betreiber der Musikkneipe „Pirates“ auf der Meile sowie dem Beachclub „Anker & Herz“ an der Hafenstraße, hat auf seinen Social-Media-Kanälen eine ausführliche Erklärung abgegeben, wieso der Vorstoß der Sozialdemokraten insbesondere seine Art von gastronomischem Angebot in einer generell strukturschwächeren Region bedrohen würde. Plakativ und somit aufmerksamkeitsstark bebildert hat er seine Aussagen mit dem Button „15 Euro Mindestlohn – ich kotze gleich“.
Mindestlohn erst Anfang 2025 gestiegen
Was ihm übel aufstößt, ist der angedachte deutliche Sprung des Stundenlohns für Minijobber. Aktuell steht Aushilfskräften ein gesetzlich festgelegter Mindestlohn von 12,82 pro Stunde zu. Vergangenes Jahr lag dieser noch bei 12,41 Euro, der Einstieg 2015 betrug 8,50 Euro. Geht es nach den Plänen, die derzeit in Berlin kursieren, käme Plaß zufolge auf Unternehmer ein Kostenanstieg von mehr als 20 Euro zu, rechne man die erforderlichen Sozialabgaben mit ein, die einem Minijobber zustehen.
„Wir gönnen unseren engagierten Mitarbeitern ihren Lohn! Für gute Leistung würde ich persönlich gerne mehr zahlen! Aber die massive Belastung frisst jeden Spielraum auf. Es ist einfach kein Puffer mehr da“, schreibt Plaß.
Den Kostensprung an die Kundschaft weiterzugeben, hält der Gastronom nicht für realistisch. Er begründet dies mit der Klientel seines Publikums sowie der Kaufkraft innerhalb der Region. Plaß: „Unsere Gäste sind junge Leute, oft selbst mit schmalem Geldbeutel. Sollen wir ernsthaft eine Flasche Bier für 4,50 Euro verkaufen? Ein Preis, der in keinem Verhältnis mehr steht – für das Geld von nur drei Flaschen bei uns bekommen sie im Supermarkt fast eine ganze Kiste Bier!“ Aktuell kostet das günstigste Bier im Pirates auf der Südstraße 3,20 Euro.
Personal abbauen und den Betrieb einstellen?
Als letzte Lösung müsse der Gastronom seiner Meinung nach Stunden einsparen, Personal abbauen oder gar den Betrieb schließen. Das könne nicht im Sinne der Politiker in Berlin sein, an die er seinen Appell richtet, das Vorhaben nochmals zu überdenken und Unterschiede herauszuarbeiten, statt einen 15-Euro-Mindestlohn für alle Branchen für ganz Deutschland einzuführen. Aktuell würden die Minijobber durch Trinkgeld ordentliches Geld verdienen, durch zu hohe Lohnkosten könne der Betrieb aber kaputtgehen. Und ein Entgegenkommen für Gastronomen, beispielsweise durch die Senkung der Mehrwertsteuern auf Speisen, hätte insbesondere für das Pirates keinen Effekt: Hier werde der Umsatz hauptsächlich durch Getränke generiert.
Der Beitrag von Plaß wird bereits intensiv diskutiert. Dabei ist auch klar: Bislang ist die Anhebung auf 15 Euro für Minijobber noch längst nicht beschlossen. Laut Gesetz ist bei der Höhe der Vorschlag der sogenannten Mindestlohnkommission maßgeblich. Diese will ihren Beschluss bis Ende Juni 2025 fassen.
Eine andere Gastronomie in Hamm steht kurz vor der Eröffnung. Schon am 1. Mai sollen Gäste hier mit orientalischer Küche versorgt werden.

![[Foto: © Andreas Rother] --> Hamm: Karsten Plaß, Wirt Pirates Südstraße Meile Gastro Gastronomie Kneipe [Foto: © Andreas Rother] --> Hamm: Karsten Plaß, Wirt Pirates Südstraße Meile Gastro Gastronomie Kneipe](http://www.ippen.media/bilder/2025/04/16/93686964/37812714-foto-andreas-rother-gt-hamm-karsten-plass-wirt-pirates-suedstrasse-meile-gastro-gastronomie-kneipe-2u9LrGUuTga7.jpg)