- VonJörg Beuningschließen
Der Haushaltsentwurf der Stadt Hamm sieht dem Jahr 2027 kein Geld für den Umbau des alten Sportplatzes Papenloh zum Bürgerpark vor. Die SPD will ihr großes Wahlkampfthema aber nicht einfach begraben, sondern zieht einen Plan B aus der Schublade.
Hamm – Es war ein großes Wahlkampf-Thema der SPD: die Nachnutzung des Sportplatzes Papenloh als Bürgerpark. Nun ist dieses Prestige-Projekt – auf den ersten Blick zumindest – vorerst gestorben. Beim Blick auf den Haushaltplanentwurf für die Jahre 2024/25 taucht kein Cent für den Umbau auf. Die ersten Euro werden für die Jahre 2027 und 2028 in Aussicht gestellt. Ist der Traum von der Freizeit- und Begegnungsstätte für Jung und Alt vorerst geplatzt? Die Jugendlichen, die engagiert um den Bau einer Radstrecke gekämpft haben, werden somit längst erwachsen sein, bevor ihr Wunsch in Erfüllung geht.
Bürgerpark
In einer Stellungnahme auf eine Anfrage der Grünen zu diesem Thema sieht die Stadtverwaltung eine Realisierung nur dann, wenn Fördermittel von Land oder Bund generiert werden können. Ob es dafür im Moment überhaupt Töpfe oder Programme gibt, bleibt offen.
Ganz überraschend kommt die vorläufige Streichung natürlich nicht. Im vorgelegten Haushaltsentwurf musste gespart werden, der Bürgerpark gehört derzeit wohl nicht zu den dringend notwendigen Ausgaben. Derzeit nutzt der SV Westfalia den Sportplatz noch als Trainingsstätte. Eine Idee für die Nachnutzung des alten Sportheims (wenn es überhaupt erhalten werden kann) gibt es auch noch nicht.
Die SPD will ihr Wahlkampfthema aber nicht so einfach aufgeben. „Unsere Idee: Wir haben für die Jahre 2024 und 2025 insgesamt 200 000 Euro im Bezirksbudget zur Verfügung“, zählt der SPD-Fraktionsvorsitzende Harald Lemm vor. Davon möchte die SPD ein Großteil (oder alles) einsetzen, „damit das Projekt weiter am Leben bleibt“, erklärt Lemm. Die SPD möchte die Planungen weiter vorantreiben und vielleicht erste Bereiche des Parks umsetzen, wenn es sich finanzieren lässt. Dazu benötigt die SPD natürlich die Zustimmung der übrigen BV-Mitglieder. Eine Abstimmung wird es in der Sitzung am 22. Februar geben.
Rhynernhalle
Der Bürgerpark ist nicht das einzige Opfer der schwierigen finanziellen Lage der Stadt Hamm. Die Rhynernhalle zum Beispiel, die marode Mehrzweckhalle im Zentrum des Ortes Rhynern, taucht vorerst gar nicht mehr auf, auch in den Folgejahren bis 2028 nicht mehr. „Aber sie ist noch auf der Agenda“, klärt Lemm auf. Sie findet in der Liste der neuen Invest-GmbH zumindest Erwähnung. Da aber noch keine Kostenschätzung für die Rhynernhalle erfolgt ist, sei diese Maßnahme noch nicht enthalten. Aber weiterhin im Blick.
Südfeldweg
Der Ausbau des alten Südfeldwegs, der ab Sommer Zubringer zum neuen Haltepunkt mit angeblich 1 000 Fahrgästen pro Tag sein wird, findet im Haushaltsentwurf keine Erwähnung.
Heinrich Saarbeck, Fraktionsvorsitzender der CDU, kann insbesondere beim Thema Südfeldweg nur mit dem Kopf schütteln. Ohnehin sind die geringeren Investitionskosten eine Vorlage für ihn als Oppositionsführer im Bezirk. „Man merkt, dass Rhynern nicht der Lieblingsbezirk des Oberbürgermeisters ist“, wettert Saarbeck. „Der Stadtbezirk kommt am schlechtesten weg, er ist das Stiefkind der Stadt“, so Saarbeck „maßlos enttäuscht“.
Weitere Projekte
Ganz ohne Investition bleibt der Stadtbezirk dann nun auch wieder nicht. 200 000 Euro sollen in die Modernisierung von Spielplätzen fließen. Ein großer Batzen davon wird für den Spielplatz „Streitland“ in Rhynern verwendet. Der Umbau des alten Kleinbahnhofs zur Bezirksbücherei wird weiter auf den Weg gebracht. Rund 1,5 Millionen Euro sollen dafür bis 2025 zur Verfügung stehen. Und die dringend erforderliche Erneuerung des Kunstrasenbelags im HSC-Sportgelände in Westtünnen ist mit 390 000 Euro vorgesehen.
„Die Summen für die Fertigstellung des Haltepunktes sind seit Jahren geplant und eingestellt. Das Gleiche gilt für den Kunstrasenplatz in Westtünnen“, will Saarbeck diese Maßnahmen nur am Rande zur Kenntnis nehmen. Ihm fehlen vor allem die seiner Meinung nach dringenden Straßensanierungen. Ob die Rampe am Willi-Bonnemeier-Weg in Planung sei, könne er ebenfalls nicht erkennen.
Christel Weiß von den Grünen hielt sich mit ersten Kommentaren zum frischen Entwurf noch zurück. Positiv sei der Neubau der Bezirksbücherei. Alles Weitere sei der leeren Stadtkasse geschuldet. Ihrer Meinung nach seien Maßnahmen gegen den Klimawandel derzeit ohnehin am wichtigsten. FDP-Vertreter Udo Reins möchte den Entwurf erst in Ruhe durcharbeiten, ehe er sich gegebenenfalls öffentlich äußert. Parallel laufen interfraktionelle Sitzungen.
