VonGeorg Dickopfschließen
Das Jahr 2024 begann nicht gut für die traditionsreiche Firma Ernst Vogelsang in Herscheid, denn am 26. Januar wurde ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet. Rechtsanwalt Florian Voß, der das Unternehmen zusammen mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Prof. Dr. Peter Neu betreute, gab Einblicke zum Stand des Verfahrens.
Herscheid - Dabei lobte Florian Voß zunächst einmal das Team um Geschäftsführer Dirk Vogelsang, da man sehr früh das Insolvenzverfahren eingeleitet habe. „Besser ist es auf jeden Fall, diesen Schritt eher sehr früh als zu spät einzuleiten, wenn es nur noch verbrannte Erde gibt“, gab der Rechtsanwalt zu verstehen. Im besagten Fall habe man für die 40 Mitarbeiter, die dem Unternehmen alle treu geblieben seien, Insolvenzgeld beantragen können, das über eine Bank vorfinanziert wurde und in den Monaten Januar, Februar und März ausgezahlt wurde.
In Schieflage geraten sei das Unternehmen durch die Auswirkungen der Coronakrise und den mit dem Ukraine-Krieg verbundenen Preisanstieg, der für eine Verdoppelung der Stahlpreise sorgte.
Nach den Zusatzkosten für Hygienemaßnahmen und andere Dingen sowie verlangsamten Prozessen habe man auch einen Teil der auflaufenden Mehrkosten erst verspätet und nicht in voller Höhe an die Kunden weitergegeben, was die Eigenkapitaldecke aufgezehrt habe. Zudem hätten viele Kunden derzeit auch Kurzarbeit angemeldet und selbst die Produktion zurückgefahren.
„Wir haben mit vielen Kunden der Firma Vogelsang gesprochen, die größtenteils auch alle aus dem Mittelstand kommen und erfreulicherweise hatten alle ein Interesse daran, die Geschäftsbeziehung aufrechtzuerhalten, da man seit vielen Jahren gut zusammenarbeitet und die Lieferketten aufeinander abgestimmt sind“, so Voß. Und deshalb laufe die Produktion von Stanzbiegeteilen für die Automobilindustrie, die Elektroindustrie und für die Solartechnik unvermindert weiter und auch die Kunden im Bereich der Landmaschinen und Nutzfahrzeuge würden weiter bedient mit Tiefziehteilen, Unterlegscheiben und Stanzteilen.
Derzeit sei man auf der Suche nach einem Investor, der helfen könne, das Unternehmen in Herscheid in die Zukunft zu führen, betonte Voß. „Grundsätzlich ist es das Ziel des Insolvenzverfahrens, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten“, so der Anwalt, der sich abschließend optimistisch zeigte.“
Das Insolvenzverfahren wurde am 1. April am Amtsgericht Hagen eröffnet. Zum Insolvenzverwalter wurde Prof. Dr. Peter Neu ernannt.
Vor sieben Jahren hatte die Firma Vogelsang die bis dato größte Investition in der eigenen Firmengeschichte getätigt.
