Weitere Risse bestätigt

Problemwölfin Gloria soll abgeschossen werden – Land plant nächste Schritte

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Neue Risse von Tieren in NRW konnten zweifelsfrei der als „Gloria“ bekannten Wölfin in Schermbeck nachgewiesen werden. Jetzt soll ihr Abschuss eingeleitet werden.

Wesel – Schon wieder hat die Wölfin „Gloria“ in der Nähe von Schermbeck (Kreis Wesel in NRW) mehrere Tiere gerissen. Das bestätigte das NRW-Umweltministerium am Mittwoch (15. November). Demnach konnten insgesamt sechs solcher Vorfälle zwischen dem 27. September und 24. Oktober 2023 zweifelsfrei Gloria (offiziell: GW954f) zugeordnet werden.

Da Gloria dabei auch wiederholt hohe Zäune überwinden konnte, soll sie nun zum Abschuss freigegeben werden. Ein entsprechendes Verfahren wurde vom Land Nordrhein-Westfalen inzwischen eingeleitet. „Damit hat der Wolf zum wiederholten Mal in kurzen Abständen als wirksam erachtete Herdenschutzmaßnahmen überwunden“, sagte ein Sprecher des NRW-Umweltministeriums am Mittwoch der dpa.

Land NRW leitet Abschuss von Wölfin „Gloria“ ein

Gloria ist besonders Schäfern und Anwohnern in der Region schon länger ein Dorn im Auge. Sie beklagen teilweise seit Jahren, dass die Wölfe in Schermbeck bereits zahlreiche Tiere, darunter vor allem Schafe, gerissen hätten und auch Schutzzäune überwinden würden. Eine Entnahme, also der Abschuss, wurde schon mehrfach gefordert, bislang aber abgewiesen.

Das Land NRW hat aber nun ein Verfahren zum Abschuss von Gloria eingeleitet. Es seien weitere erhebliche wirtschaftliche Schäden zu erwarten, hieß es aus dem Umweltministerium. Und: „Deshalb erarbeitet die Landesregierung zusammen mit dem zuständigen Kreis die Grundlagen für die Prüfung einer Entnahme des Wolfes.“

Die Wölfin Gloria lebt bereits seit mehreren Jahren im NRW-Wolfsschutzgebiet Schermbeck (Symbolbild).

Wölfin Gloria zuletzt in neuem Jagdgebiet nachgewiesen

Damit hat der Wolf zum wiederholten Mal in kurzen Abständen als wirksam erachtete Herdenschutzmaßnahmen überwunden.

Sprecher des NRW-Umweltministeriums

Bei den jüngsten Rissen wurde Gloria auch in einem neuen Jagdgebiet nachgewiesen. „Alle Fälle ereigneten sich nördlich der Lippe im Bereich des Dämmerwalds und sind somit die ersten sicher belegten Nachweise dieses Tieres in dem Gebiet“, erklärt das Umweltministerium.

Gloria lebt nachweislich seit 2018 mit einem Wolfsrudel im ausgerufenen NRW-Wolfsschutzgebiet Schermbeck. Genetische Nachweise der häufig als „Problemwölfin“ bezeichneten Gloria gab es zuvor nur südlich des Wesel-Datteln-Kanals und nördlich der Autobahn A2. Auch insgesamt wurden 2023 immer mehr Wölfe in NRW nachgewiesen.

Kritik an Abschuss-Plänen kommt vom Nabu

Allerdings stoßen die Pläne des Landes nicht nur auf Zustimmung. So hat der Nabu (Naturschutzbund) aus Bottrop, Wesel und Borken die Entscheidung deutlich kritisiert. „Es gibt in NRW nur ein rein nordrhein-westfälisches Rudel, nämlich das mit dem Streifgebiet rund um Schermbeck. Wird nun daraus die einzige reproduzierende Fähe getötet, ist die Gefahr groß, dass sich dieses Rudel auflöst und erlischt. Das wäre für eine streng geschützte Tierart ein schwerer Verlust für die lokale Population in NRW“, heißt es vom Nabu Bottrop.

Der Nabu Borken befürchtet bei einem Abschuss von Gloria sogar noch mehr Übergriffe auf Nutztieren aus der restlichen Wolfsfamilie, weil ohne Gloria eine „erfahrene Ernährerin“ fehlen würde. Zudem kritisieren gleich mehrere Nabu-Vertreter den aus ihrer Sicht weiterhin oftmals nicht ausreichenden Herdenschutz.

„Eines sollte der Öffentlichkeit dazu klar werden: Mit ihrer Verweigerung schaden säumige Tierhalter nicht nur ihren Tieren und sich selbst, sie schaden auch den vorbildlichen Tierhaltern, die mit viel Mühe die Empfehlungen zum sachgerechten Herdenschutz umsetzen“, hieß es vom Nabu Wesel. (bs mit dpa) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Lino Mirgeler/dpa

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