Abschied: Martin Löckmann hatte am Donnerstag seinen letzten Arbeitstag bei der Wirtschaftsförderung Hamm und als Geschäftsführer der Entwicklungsagentur CreativRevier Heinrich Robert.
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Martin Löckmann hat das CreativRevier auf einem Ex-Pütt in Hamm entscheidend vorangetrieben. Im Interview blick er kritisch zurück („Der erste Lockdown hat wehgetan“), aber auch optimistisch nach vorn.
Hamm - Er war eine treibende Kraft bei der Entwicklung des CreativReviers Heinrich Robert: Jetzt ist Martin Löckmann (68) offiziell Ruheständler. Mit dem nun ehemaligen Geschäftsführer der Entwicklungsagentur CreativRevier Heinrich Robert (ECHR) sprach WA.de über die „Geburtsstunde“ des CreativReviers und dessen weitere Entwicklung.
Sie gelten als einer der Väter des CreativReviers. Was war die Initialzündung zu sagen, dass das auch etwas für Hamm sein könnte?
Durch das Projekt „Lokale Ökonomie“ und das Wirtschaftsbüro Hamm-Westen an der Wilhelmstraße waren wir als Wirtschaftsförderung aufgefordert, etwas für den Stadtteil zu tun und Unternehmen zu betreuen. Und dann kam bei uns und einer vom Stadtplanungsamt koordinierten Arbeitsgruppe die Frage auf: „Wie kann das Gelände des Bergwerks Ost entwickelt werden?“ Es gab viele Überlegungen für die Nachnutzung der Zeche. Gedacht worden ist zum Beispiel an einen Energiepark mit Fotovoltaikanlagen. Eine weitere Idee war auch eine sogenannte Kurzumtriebsplantage zur Gewinnung von Biogas.
Irgendwann haben wir uns das CreativQuartier Fürst Leopold in Dorsten angeschaut. Für mich war schnell klar, dass das eine riesige Chance für den gesamten Hammer Westen und vor allem für Pelkum und Herringen sein kann. Dadurch könnte die Zäsur zwischen den beiden Stadtbezirken aufgehoben werden. Das Ganze habe ich zusammen mit meiner Kollegin Ruth Weber stark vorangetrieben. 2017 gab es die Aussicht auf Fördermittel in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro zur Gründung einer Entwicklungsagentur. Marc Herter hatte die Möglichkeit aufgetan. Ende 2018 war das Geld dann bewilligt.
Bei einem so großen Projekt läuft nichts ohne Investor. Wie ist Jürgen Tempelmann, der 2019 einen Großteil des Areal und die historischen Gebäude übernommen hat, ins Boot gekommen?
Eine wichtige Vorlage haben die damaligen Bezirksvorsteher gegeben. Besonders Udo Schulte hat Marc Herter immer wieder darauf gedrängt, dass man so etwas wie Heinrich Robert nicht abreißen dürfe. Wenigstens die Lohnhalle und das Verwaltungsgebäude sollten erhalten werden. Ohne ein überzeugendes Gesamtkonzept wäre das aber nicht sinnvoll gewesen. Der besondere Charme und die einzigartige Atmosphäre wären für immer verloren gegangen. An anderen ehemaligen Bergbaustandorten, die zu viel von der historischen Gebäudesubstanz aufgegeben haben, kann man das gut nachvollziehen.
Marc Herter hat dann sein Netzwerk genutzt und sich an Karola Geiß-Netthöfel, Regionaldirektorin des Regionalverbandes Ruhr, gewandt. Die hat ihn auf das CreativQuartier Fürst Leopold aufmerksam gemacht. Das haben wir uns dann angeschaut und waren immer wieder dort. Ich selbst war auch privat in Dorsten. Daraus ist dann das notwendige Vertrauen entstanden, das man als Basis für solch ein komplexes Projekt braucht. Nachdem sich Jürgen Tempelmann dazu entschieden hatte, in Hamm tätig zu werden, hatten wir nicht nur einen Ideengeber sondern einen Macher und Investor. Einen Unternehmer, der ins Risiko geht.
2012 wurde die Idee fürs CreativRevier geboren, 2018 wurde es dann konkret. Die beantragten Fördermittel wurden bewilligt. Mit Ausnahme der Vidacta Schulen gab es aber noch keine größere Ansiedlung. Bedauern Sie, dass es Ihnen in Ihrer Zeit als Geschäftsführer verwehrt geblieben ist, in einem Café auf Heinrich Robert eine Tasse Kaffee zu trinken?
Natürlich ist es schade, dass wir noch nicht weiter sind. Aber das hat ganz maßgeblich mit Corona zu tun. Das Interesse an diesem Standort ist aber nie ganz abgerissen und nimmt langsam wieder zu. Nur zum Vergleich: Wie lange hat die Entwicklung auf Radbod gedauert? 30 Jahre! Oder der Gewerbepark Öko-Zentrum? 20 bis 30 Jahre! Die Schließung von Heinrich Robert liegt erst zwölf Jahre zurück.
Haben Sie sich in den vergangenen Jahren auch mal so richtig geärgert, wenn das CreativRevier zur Sprache kam?
Ja, vor allem wenn Aussagen wie „Ach, Herr Löckmann: Das geht woanders, aber nicht in Hamm!“ kamen. Aber ich habe dann dagegengehalten. Ich bin 25 Jahre mit dem Zug nach Hamm gefahren und habe hier beim Verlassen des Bahnhofs zuerst Horten und später Yimpas, Rudis Resterampe, gesehen. Dann war die Stadt Hamm so mutig und hat ein öffentliches Projekt daraus gemacht: das Heinrich-von-Kleist-Forum.
Es gibt aber auch viele weitere Beispiele wie das Technische Rathaus, die Musikschule, das Maximare, die HSHL, die SRH, das Innovationszentrum oder unsere Gewerbegebiete. Alles exzellente Beispiele für das, was in Hamm möglich ist. Und diese Entwicklung wird sich mit den vielen Projekten, die die Stadt mit der neuen Wirtschaftsförderung „Impuls. Die Hammer Wirtschaftsagentur“ im Köcher hat, weiter fortschreiben lassen.
Auch auf Heinrich Robert waren wir bis zur Corona-Krise auf einem sehr guten Weg. Der erste Lockdown hat richtig wehgetan. Wir hatten uns über den Jahreswechsel 2019/20 die Liste der Interessenten angeschaut. Ich musste mich kneifen, um zu glauben, dass es so viele waren. Doch viele sind weggebrochen. Ohne Corona wären wir zwei Jahre weiter, hätten sich schon Firmen hier angesiedelt. Wir hätten dadurch viel dynamischer nach außen wirken und etwas vorzeigen können. Dass die Vidacta Schulen da sind, ist ein Segen.
Durch den Krieg in der Ukraine wird die Situation nicht einfacher. Die Preise steigen, spätestens im Winter werden die Verbraucher darunter leiden. Viele Unternehmer, auch Jürgen Tempelmann, werden sich genau überlegen, ob sie die Risiken neuer Investitionen eingehen können. Aber trotz alledem überwiegt die Zuversicht. Die Entwicklung auf dem Bergwerk ist nicht mehr aufzuhalten. Der Aufbruch ist da.
Inwieweit werden Sie Ihr „Kind“ aus dem nicht allzu weit entfernten Bielefeld im Auge behalten?
Jürgen Tempelmann und ich sind Freunde geworden. Wir werden uns sicher auch weiterhin besprechen. Aber nun ist es wichtig, einen Schnitt zu machen. Meine Kollegin Ruth Weber als Prokuristin und Heinz-Martin Muhle als Geschäftsführer der ECHR und Leiter des Stadtplanungsamts werden die Geschäfte weiterführen. Um das Projekt müssen wir uns also keine Sorgen machen. Für die fruchtbare Zusammenarbeit bin ich sehr dankbar und zolle den beiden meinen größten Respekt. Mein Dank gilt auch allen, die an dem Projekt beteiligt sind: den Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung, in der Wirtschaftsförderung, in der ECHR und auch in den involvierten Planungsbüros.
Und was hat der Privatmann Löckmann künftig alles vor?
Erst einmal geht es in den Urlaub. Ich interessiere mich für Musik und treibe viel Sport – Klettern, Rennrad fahren, Nordic Walking und Fitnesstraining. Sollte mich das nicht mehr ausfüllen, werde ich mir was einfallen lassen.