Bunte Ballone über Warsteins Innenstadt mit Alter Kirche und St. Pankratius: Aus der Luft und vom Boden bot sich am Montagmorgen ein fantastischer Ausblick.
Über 90 Ballone sind am Montagmorgen bei der Warsteiner Internationalen Montgolfiade gestartet. Gut 40 davon nahmen am Long-Distance-Race teil.
Warstein – „Das ist das Highlight der Montgolfiade: Eine Morgenfahrt über Warstein.“ Frederic Sass guckt ganz beseelt aus dem Ballonkorb heraus und bestaunt seine Heimatstadt von oben. Eigentlich hat er alle Hände voll zu tun: Er hat Windrichtung, Geschwindigkeit und Radar im Blick, hat immer wieder eine Hand am Brenner, um heiße Luft in die Hülle zu lassen und guckt auf die vielen, vielen Ballons um ihn herum. Aber um diesen wunderbaren Ausblick zu genießen, nimmt er sich Zeit.
Seit acht Jahren ist der 31-Jährige Pilot im Team von Happy Ballooning. Heute ist seine Ballonfahrt nicht ganz so entspannt wie sonst, denn er ist in Wettbewerbsstimmung: Beim Albert-Cramer-Long-Distance-Race geht‘s darum, in zwei Stunden möglichst weit zu kommen. Gemessen werden aber nur Start- und Zielpunkt – Knicke und Kurven zählen nicht. Über 90 Ballone sind am Morgen gestartet, gut 40 nehmen am Wettbewerb teil.
Augen bei der Konkurrenz
„Wichtig ist, konstant die höchste Geschwindigkeit und in die passende Richtung zu fahren“, erklärt Frederic Sass. Damit das klappt, hat er die Augen auch bei der Konkurrenz: „Wir lassen ein paar vor und sortieren uns dann ein“, erklärte er schon beim Start. „Dann können wir gucken, was die anderen machen.“ In den unterschiedlichen Luftschichten sind Windrichtung und Geschwindigkeit anders. „Damit probiert man zu spielen.“
106 Ballone am Himmel: Der erste Start bei der Warsteiner Internationalen Montgolfiade 2025
Und so führt es ihn und Hendrik Hilwerling von Warstein über Belecke bis nach Uelde und Anröchte. „Man merkt den Haarstrang“, sagt er, als er ihn passiert. „Hier ist es am zugigsten. Hinter der Autobahn flacht es ab.“ Mit durchschnittlich zehn Knoten, also fast 20 km/h, düsen die beiden mit dem Ballon immer weiter Richtung Lippstadt. „Oben hätte man nicht mehr gehabt“, stellt Frederic Sass fest.
Hendrik Hilwerling guckt ihm dabei gespannt über die Schulter, um zu lernen. Der 32-Jährige ist nämlich selbst in den Endzügen seines Pilotenscheins. Letztes Jahr im Juli hat er angefangen, Ende dieses Jahres möchte er fertig sein. Weil Sass kein Ausbilder ist, ist es zwar keine richtige Ausbildungsfahrt, „aber durchs Angucken lerne ich ja auch viele Sachen“, sagt Hendrik Hilwerling.
Euro-Fighter sorgen für Ende
Als die zwei Stunden der Wertungszeit sich dem Ende neigen und der Heißluftballon über Mastholte schwebt, ist für Frederic Sass aber noch nicht Schluss: Die Gasflaschen sind noch nicht aufgebraucht, bis der Regen kommt, dauert es noch ein Weilchen, also fährt er weiter.
Erst über Westenholz stellt er mit Blick in den Himmel über sich grinsend fest: „Das ist mir jetzt nicht mehr ganz so geheuer mit Euro-Fightern in der Luft.“ Er setzt zur Landung an, sinkt sanft aufs Feld – und seine Verfolger stehen schon bereit, um Ballonhülle und -korb einzupacken. Warum das Long-Distance-Race so schön ist? „Weil es nochmal den zusätzlichen Reiz des Wettbewerbs gibt.“