Hochwasser an der Möhne: „Reichlich feuchte Weihnachten“

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Heiligabend im Möhnetal: Nach tagelangen Regenfällen stehen die Möhnewiesen in Sichtigvor unter Wasser.
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Wegen Hochwasser an der Möhne waren alle Löschzüge und -gruppen der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Warstein über die Weihnachtsfeiertage im Dauereinsatz. „Es war rund um die Uhr was zu tun“, so Donat Ahle, Leiter der Warsteiner Feuerwehr.

Warstein – Es waren nicht die besinnlichen Weihnachtsfeiertage für die Feuerwehrleute der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Warstein und ihre Kollegen im gesamten Kreisgebiet, die man ihnen gewünscht hätte. „Es waren reichlich feuchte Weihnachten“, berichtete Donat Ahle, Leiter der Warsteiner Feuerwehr, am Nachmittag des 2. Weihnachtsfeiertages. Starke Regenfälle und damit einhergehendes Hochwasser hatte von Freitagabend bis Dienstagnachmittag für zahlreiche Einsätze und durchgearbeitete Nächte in der Stadt Warstein und im gesamten Kreis Soest, hier mit Schwerpunkten im Lippetal und der Stadt Lippstadt, gesorgt. „Es war rund um die Uhr was zu tun“, so Donat Ahle, der selbst zeitweise im Einsatzstab des Kreises Soest aktiv war.

1. Weihnachtstag in Belecke: Hochwasser Unterm Haane.

Besonders betroffen vom Hochwasser in der Stadt Warstein waren in Belecke die Bereiche Unterm Haane und an Stütings Mühle, dazu das Möhnetal von Sichtigvor bis Niederbergheim, erklärte Ahle. Betroffen waren dort unter anderem die Bio-Mühle EIling, bei der ein Silo vollgelaufen war, und das Seniorenzentrum Möhnetal in Sichtigvor, wo sich das Wasser am Samstagabend, 23. Dezember, den Weg in den Keller bahnte. „Wir hatten das den ganzen Tag beobachtet, und dann ging es auf einmal los“, berichtete Kaspar Gröblinghoff, dass das Wasser plötzlich durch die Kellerschächte runter in das Gebäude gelaufen sei. „Dank der Feuerwehr und vieler Freunde haben wir das aber einigermaßen in den Griff gekriegt. Wir musste das zwar drei Nächte lang beobachten und sind immer noch am pumpen, aber so weit ist die Lage stabil“, erklärte Gröblinghoff am Dienstagnachmittag. Der Betrieb im Seniorenzentrum konnte normal weiter laufen, die Weihnachtsfeier für die Bewohner wurde wie geplant durchgeführt

Die Bevölkerung im Möhnetal war bereits am Samstagabend über die WarnApp „Nina“ und den Mobilfunkdienst „Cell Broadcast“ davor gewarnt worden, dass es zu Überschwemmungen kommen kann. „Das wurde bewusst frühzeitig getan, damit die Bürger sich entsprechend vor der Nacht darauf einstellen können, dass möglicherweise Wasser in die Keller laufen könnte“, so Carsten Lehmann, Pressesprecher der Warsteiner Wehr. Diese Gefahr bestand auch am Dienstagnachmittag noch durch nach oben drückendes Grundwasser, obwohl sich die Wetterlage etwas entspannt hatte.

1. Weihnachtstag im Möhnetal: Vom Skywalk aus sieht man die Wassermassen in den Möhnewiesen.

„Die Warn-App der Bundesregierung hat gestern Abend gegen 22 Uhr gut funktioniert – zumindest bei mir und sogar mit Landkarte der überfluteten Bereiche in Sichtigvor und Mülheim“, lobte Albert-Friedrich Grüne, Ortsheimatpfleger des Kirchspiels, an Heiligabend. „Es macht ja auch Sinn, die vorhandene Technik zu nutzen“, meint Donat Ahle.

Zu den neuen Techniken gehören für ihn auch eine neue digitale Dokumentationssoftware, mit der die Einsatzleiter immer auf dem aktuellen Einsatzstand sind, sowie der Einsatz von Drohnen. „Die Drohnenflüge haben uns wirklich sehr gut getan“, so Dohle zur Kontrolle von Gebieten, die man zu Fuß oder per Fahrzeug nicht mehr erreichen kann, aus der Luft. „Da kann man auch die eigenen Kräfte schützen“, ergänzte der Warsteiner Feuerwehrleiter.

Dass die Lage kritisch werden könne, hatte sich bereits am Freitag abgezeichnet. Schon am Abend seien die Hochwasserrückhaltebecken Herrlichkeit und Widey in Warstein, die Überschwemmungen durch Wästerwasser verhindern sollen, „relativ voll“ gewesen, berichtete Donat Ahle. Über Nacht wurden sie aber „in einem solchen Umfang kontrolliert entleert, dass ein Puffer für neue Niederschläge vorhanden ist“, teilte der Kreis Soest mit und lobte die gute Arbeit des Wasserverbands Obere Lippe.

Am Samstagabend gegen 21 Uhr musste die B 516 zwischen Belecke und Mülheim für etwas über eine Stunde voll gesperrt werden. „Nach ersten Erkenntnissen hatten sich dort größere Schlammmassen über die Straße verteilt“, schilderte Carsten Lehmann den Grund. Nach der Reinigung durch den Baubetriebshof war die Straße wieder befahrbar.

Es ist ein Beispiel für die gute Zusammenarbeit zwischen Betriebshof, Ordnungsamt und Feuerwehr. „Wir haben uns frühzeitig abgesprochen“, berichtete Ahle. Diese Zusammenarbeit habe auch kreisweit gut funktioniert. So waren durch das Technische Hilfswerk und die Feuerwehr Werl bereits am Freitagabend 1000 Sandsäcke zum neuen Feuerwehrgerätehaus nach Warstein geliefert worden. Weitere Sandsäcke lagen einsatzbereit beim städtischen Betriebshof.

In Warstein waren die Löschzüge und -gruppen der Freiwilligen Feuerwehr aus allen Ortsteilen beteiligt. Zusätzlich unterstützte der so genannte „Löschzug Überörtlich“, der aus mehreren Fahrzeugen aus den unterschiedlichen Standorten in Warstein gebildet wird, die Feuerwehrkollegen aus Lippstadt bei ihren Einsätzen.

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