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Weltmarktführer aus NRW wird gerettet: „Spektakuläre Insolvenz“ nach fast 100 Jahren

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Nach fast 100 Jahren ist ein Familienbetrieb aus NRW pleite. Der Weltmarktführer in seinem Metier geht in die Insolvenz – und kann gerettet werden.

Bielefeld - Das Traditionsunternehmen Umeta aus Bielefeld geriet Ende 2023 in Schieflage. Einmal mehr meldete ein Familienbetrieb aus Nordrhein-Westfalen Insolvenz an – und das kurz vor einem wichtigen Jubiläum. Jetzt vermeldet der zuständige Insolvenzverwalter ein seltenes Happy End in diesen Tagen: Der Weltmarktführer für Schmiernippel konnte nach einer „spektakulären Insolvenz“ gerettet werden. Ein noch junges, familiengeführtes Unternehmen aus Lippstadt übernimmt den Betrieb.

Nach fast 100 Jahren war Umeta Ende letzten Jahres pleite gegangen, Löhne und Gehälter konnten im November nicht mehr bezahlt werden. Als Grund nannte der Insolvenzverwalter Dr. Yorck Tilman Streitbörger seinerzeit die stark rückläufigen Auftragseingänge bei dem Traditionsunternehmen. Die Firma stellt unter anderem Schmiernippel für Maschinen und Anlagen her und ist nach eigenen Angaben in diesem Bereich Weltmarktführer.

„Spektakuläre Insolvenz“ nach fast 100 Jahren – Weltmarktführer aus NRW wird gerettet

„Der Geschäftsführer Frank Maser hat wirklich alles versucht, um die Insolvenz abzuwenden“, erklärte Streitbörger im Gespräch mit wa.de. Vergeblich. „Letztlich fehlte einfach das Geld.“ Ein Insolvenzverfahren wurde eröffnet, die Produktion ging zunächst weiter. Streitbörger zeigte sich über die Zukunft des Betriebs sehr zuversichtlich.

Und er sollte Recht behalten. Laut Streitbörger gelang es, „die Geschäfte im laufenden Insolvenzverfahren über mehr als sechs Monate hinweg erfolgreich fortzuführen“. Am 28. Juni 2024 wurde dann ein Happy End für Umeta verkündet: Die Wiggentech GmbH aus Lippstadt übernimmt den fast 100 Jahre alten Traditionsbetrieb. „Durch die übertragende Sanierung bleiben 79 der ursprünglich 87 Arbeitsplätze bei der Umeta erhalten. Für ausgeschiedene Mitarbeiter ist mit einer Auffanggesellschaft gesorgt“, so Streitbörger.

Umeta hat seinen Sitz in Bielefeld-Ummeln.

„Mit offenen Armen empfangen“: Firma aus Lippstadt übernimmt Weltmarktführer

Umeta hat also eine Zukunft – wenn auch nicht weiter unter der Führung der Gründerfamilie. Denn der Inhaber und Geschäftsführer der Wiggentech GmbH, Dr. Michael Wiggen, hat die Geschäftsführung der Umeta überneommen. „Das gesamte Team hat uns mit offenen Armen empfangen. Wir freuen uns schon darauf, in zwei Jahren gemeinsam das 100-jährige Umeta-Jubiläum zu feiern“, wird Dr. Wiggen in der Mitteilung zitiert.

Der neue Inhaber von Umeta in Bielefeld: Dr. Michael Wiggen.

Der scheidene Geschäftsführer Frank Maser, Enkel des Unternehmensgründers, bleibt jedoch im weitesten Sinne in der „Umeta-Familie“. Er wird laut Streitbörger als externer Vertragspartner den Vertrieb von Umeta-Produkten in Nordamerika übernehmen. Die Umeta of America, Inc. war von der Insolvenz der deutschen Muttergesellschaft nicht betroffen.

Wiggentech GmbH

Die Wiggentech GmbH wurde erst im Jahr 2021 in Lippstadt gegründet. Die Schwerpunkte des inhabergeführten Familienbetriebs „liegen in der Entwicklung, Herstellung, Beschichtung sowie dem Handel und Verkauf von Verbindungselementen für Kunden aus den Bereichen Industrie und Automotive“, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens.

Auch ein Familienbetrieb aus Halle ist insolvent – nach fast 150 Jahren. Die bittere Nachricht kommt nur wenige Jahre nach einer Expansion.

Rubriklistenbild: © Streitbörger – Insolvenzverwaltung | Sanierung

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