- VonPia Sofie Bartmannschließen
Der Allwetterzoo Münster feiert einen weiteren Erfolg seines Artenschutzzentrums zum Erhalt einer bedrohten Vogelart. Ein Riesenibis wurde gesund gepflegt.
Münster/Kambodscha – Mit seinem langen Schnabel und den kräftigen Beinen ist er eine imposante Erscheinung: Der Riesenibis ist der größte seiner Art. Doch die eindrucksvollen Vögel sind vom Aussterben bedroht. Mit der Rettung eines jungen Riesenibis gelang dem kambodschanischen Artenschutzzentrum des Allwetterzoos Münster (ACCB) nun ein besonderer Erfolg. Er war an Vogelmalaria erkrankt.
Wie der Allwetterzoo aus Münster (NRW) auf seiner Internetseite mitteilt, zeigte der augenscheinlich gesunde Ibis bereits kurz nach seiner Ankunft im Artenschutzzentrum verschiedene Krankheitssymptome. Nach einer gründlichen Untersuchung habe das Team des Zentrums festgestellt, dass der Jungvogel an Vogelmalaria litt. Auch Parasiten wurden in seinem Blut nachgewiesen. Eine Entzündung sorgte zusätzlich für das Absterben einer Kralle am Fuß des Vogels.
„Rettung von riesiger Bedeutung“: Bedrohter Ibis war an Vogelmalaria erkrankt
In einer Notoperation wurde dem Ibis schließlich die abgestorbene Kralle entfernt. Inzwischen gibt es gute Nachrichten: Der Riesenibis hat sich von seiner schweren Erkrankung erholt und konnte zu zwei Artgenossen in eine Voliere auf dem Gelände des Artenschutzzentrums umziehen.
Die Rettung dieses Vogels, an der neben dem Artenschutzzentrum auch die Wildlife Conservation Society (WCS) und das kambodschanische Umweltministerium in der Provinz Preah Vihear beteiligt waren, ist laut Allwetterzoo von riesiger Bedeutung für den Erhalt der Art. Denn die Jagd auf große Wasservögel und der Rückgang seines natürlichen Lebensraums durch Waldrodungen haben den Riesenibis inzwischen fast ausgerottet. Heute leben noch rund 250 Exemplare im Süden von Laos und im Yok-Don-Nationalpark in Südvietnam.
Riesenibis: Lange Zeit ein Mythos
Dass der Riesenibis überhaupt noch existiert, grenzt an ein Wunder, denn lange Zeit galt er als ausgestorben. Über 50 Jahre nach der letzten Sichtung, erfasste eine Wildkamera in den Wäldern Kambodschas im Jahr 2000 ein Exemplar, das in der Nähe der menschlichen Zivilisation nistete.
Der Riesenibis lebt in Tiefwäldern und ernährt sich von Regenwürmern, Aalen und Fröschen, die er in fernab gelegenen Tümpeln findet. Da über das Leben der scheuen Vögel kaum etwas bekannt ist, studiert das Team des Artenschutzzentrums das Sozial-, Balz- und Brutverhalten der drei Tiere vor Ort genauestens. Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen sollen so gezielt vorangetrieben werden. In Zukunft könnte der junge Ibis eine entscheidende Rolle in der Nachzucht der bedrohten Vögel spielen. Nach erfolgreicher Aufzucht soll ihr Nachwuchs in die Wildnis entlassen werden.
Ibis in Kambodscha: Einer der letzten Riesen
Mit einer Größe von rund 102 bis 106 Zentimetern ist der Riesenibis um einiges größer als andere Ibisarten. Ihr Gefieder ist zumeist braun, der kahle Kopf zeigt eine graue Färbung, während die Beine der Tiere rot sind. Der Schnabel ist grün. Die Federn im Nacken des Ibis sind schwarz. Auch seine Augen schimmern dunkelrot. Sein eigentümlicher Ruf „ä-lörk, ä-lörk“ ist oft bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang zu hören.
Das ACCB und die WCS arbeiten eng mit der kambodschanischen Regierung zusammen, um den kambodschanischen Nationalvogel und seinen verbliebenen Lebensraum zu erhalten. Laut Roter Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) gibt es noch 74 weitere Ibisarten im Lebensraum des Riesenibis, die vom Aussterben bedroht sind.
Erst in dieser Woche hatte der Allwetterzoo Münster bekannt gegeben, dass es seinem Artenschutzzentrum in Kambodscha gelungen war, einen vom Aussterben bedrohten Geier wieder auszuwildern. Nur wenige Tage nach der freudigen Überraschung verkündet der Allwetterzoo Münster traurige Nachrichten: Die beiden neugeborenen Tigerbabys sind tot.