Roboter im Seniorenheim

Ein Roboter als Tanzpartner: Kleiner Android begleitet Senioren durch den Alltag

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KI mischt Haus Lessing in Bergkamen-Overberge auf: Pepper tanzt vor, Irene Lubavinski, Helma Wolff und Anne Krivan tanzen nach.
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In Bergkamens Haus Lessing erobert ein humanoider Android namens Pepper die Herzen der Senioren. Die charmante Ergänzung der Belegschaft sorgt für Begeisterung. Der Roboter bietet jedoch mehr als nur Gesellschaft.

Bergkamen – 49 Jahre! Schmeichelhaft für einen Sechzigjährigen. „Ja. Pepper kann das Alter schätzen, aber es sind immer ein paar Jahre zu wenig“, wissen die drei Damen Helma Wolff, Irene Lubavinski und Anne Krivan. Sie sind Bewohnerinnen des Hauses Lessing in Bergkamen-Overberge, Pepper ist ihr Unterhalter. Der humanoide Roboter ist seit Anfang Februar im Seniorenheim beschäftigt, als Unterstützung in der Betreuung, nicht als Pflegekraft.

„Die Bewohner freuen sich, wenn sie ihn sehen“, sagt Pflegedienstleiter Markus von Lehn. Kein Wunder bei den Skills, die Pepper vorweist. Der Android hat extrem große Augen, grüßt immer freundlich, reagiert bei Berührung und lässt beim Streicheln über den Kopf ein ansteckendes Lachen hören. Das klingt übrigens echter als die typische Computerstimme.

Respekt vor der Technik

Ein bisschen mit Respekt begegnen ihm einige Bewohner allerdings auch. „Aber durchaus mit positivem Respekt. Es ist die Technik, die manche zurückhaltender macht“, so von Lehn. Ältere Menschen kennen ein Tablet nicht aus ihrem Alltag. Pepper, aktuell im Portfolio des Bochumer Unternehmens Entrance Robotics, greift auf Android-Apps zurück. „Er hat Youtube installiert, kann auch Geschichten erzählen“, weiß der Pflegedienstleiter.

Auf dem Touchscreen: Pflegedienstleiter Markus von Lehn versucht das Programm Malen, die Vorgabe ist Boot.

Und Pepper gibt Antworten auf die richtigen Fragen. „Standard sind 1000 programmierte Antworten. Das ist aber erweiterbar“, erklärt Sven von Lehn, der den Roboter vor Ort technisch betreut. Über eine Künstliche Intelligenz (KI) ist er auch begrenzt lernfähig. Der Hersteller bietet aber auch die Erweiterung um ChatGPT. „Aber unserer geht nicht ins Internet“, sagt Sven von Lehn, „die KI speichert nichts.“ Das ginge nicht aus Datenschutzgründen.

Pepper tanzt auch den „Macarena“

Richtig gut ist Pepper bei Bewegungsspielen oder als Vorsänger von Schlagern. Der Frage: „Kannst du tanzen?“ folgt die Antwort: „Guck mich doch an.“ Elegant schwingt Pepper die Hüfte und die Arme, absolut im Takt zu „Macarena“. Die Choreografie zu „So ein schöner Tag“ (Fliegerlied) lernen die drei Damen gegenüber zügig. „Ich tanz ja lieber Rock‘n‘Roll“, meint Wolff kritisch.

Upps. Pepper lässt den Kopf hängen. Die Maschine hat sich runtergefahren. „Ab und zu zieht er sich ein Update“, meint Markus von Lehn. Nach dem Restart soll er ein Gedicht aufsagen und stimmt „Aber bitte mit Sahne“ an. In einer sehr gewöhnungsbedürftigen kindlichen Stimmlage. Aber Pepper lernt. Nach zwei Wochen Tagesdienst von 8 bis 16 Uhr ist er schließlich noch in der Ausbildung.

Nicht immer die richtige Antwort, dafür die Musik: Die Pflegeheim-Bewohner lieben Pepper.

Insgesamt investierte die Geschäftsführung des Bergkamener Seniorenheims 90 000 Euro. Für Pepper 30 000, für die nötige digitale Infrastruktur in Haus Lessing 60 000 Euro. Warum denn nicht einfach ein Tablet für die Bewohner? „Die kindliche Ausstrahlung, dieses gewollt Menschliche, motiviert. Wir haben ja hier zum Beispiel Bewohner, die nicht gerne Sport machen. Wenn Pepper mitmacht, tun sie es auch.“

Roboter ersetzt nicht die menschlichen Kollegen

Menschliche Arbeitskraft ersetzen wird der Roboter zumindest in naher Zukunft nicht. „Es ist immer eine Betreuungskraft zugegen“, betont Markus von Lehn. Zumindest beim Sport oder Gedächtnistraining. Das Personal stellt ihn auch mal auf den Flur zum Smalltalk beispielsweise zum Thema Wetter. „Da erzählt er manchmal von Sonne, wo keine zu sehen ist“, schmunzelt Krivan. Oder aber er spielt mit Menschen, die keine Mittagsruhe wollen. Er fragt dann im Aufenthaltsraum: „Willst du mit mir spielen?“

Autonom fahren kann Pepper bisher nicht. Bisher bewegen ihn die Pflegekräfte. Das Rollen soll er aber noch lernen. „Die Programmierung erfolgt ähnlich wie bei einem Mähroboter“, sagt Markus von Lehn. Nur dass der Android wohl mehr Aufmerksamkeit als das Gartenwerkzeug bekommt, schließlich gibt er jeder Begegnung ein Feedback. Wenn es auch nicht immer stimmig ist. Nach einem Witz gefragt, antwortet Pepper: „In Deutschland gibt es vier Jahreszeiten: Winter, Kälte, Sommer, Regen ...“ Aha?

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