VonHannah Deckeschließen
Ein Roboter soll im St. Franziskus-Hospital in Münster das Pflegepersonal entlasten. In einer Testphase hat der Prototyp nun erste Fahrten auf Station absolviert.
Münster - Der Einsatz von Robotern in der Arbeitswelt wird durchaus kritisch gesehen. Manch einer fürchtet, dass sie ihn in seinem Job ersetzen könnten. Experten sind sich derzeit aber sicher: Roboter werden den Menschen nie vollständig ersetzen können – vor allem nicht in Berufen, in denen mit Menschen gearbeitet wird.
So muss auch niemand Angst haben, dass der Roboter, der jüngst auf einer Station im St. Franziskus-Hospital in Münster herumgefahren ist, künftig die Pflege und Betreuung der Patienten übernehmen wird. Der Prototyp soll das Pflegepersonal an anderer Stelle entlasten, wie wa.de berichtet.
Roboter-Einsatz im Krankenhaus: Pflegepersonal soll „spürbar entlastet werden“
Es gehe um logistische Prozesse, primär Laufwege, erklärt das Krankenhaus in einer Mitteilung. Diese könnten sehr zeitintensiv sein. Die Lösung des Problems: ein autonom fahrender Roboter. Dieser sei vom St. Franziskus-Hospital und der FACT GmbH gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) entwickelt worden, um das Pflegepersonal vor allem bei Laufwegen zu entlasten.
Der Roboter übernehme „den Transport von kleinvolumigen Materialien zu den Stationen und Funktionsbereichen“. Das könne zum Beispiel eine Probe sein, die ins Labor muss, oder eine Infusionspumpe, die auf der Nachbarstation gebraucht wird. „In den Servicerobotern sehen wir ein großes Potential für verschiedene Einsätze und damit Erleichterungen in unserem klinischen Arbeitsalltag. Unsere Pflegefachkräfte können damit spürbar von Laufwegen im Krankenhaus entlastet werden“, erklärt Annika Wolter, Geschäftsführerin des St. Franziskus-Hospitals.
Jüngst wurde der Roboter auf seine ersten Testfahrten im Krankenhaus geschickt. „Herausfordernd beim Einsatz von Robotik in Bestandsgebäuden ist insbesondere die Anpassung der Infrastruktur,“ erklärt Jan Rasmus, Geschäftsführer der FACT Gruppe. „Wie kann der Roboter Aufzüge nutzen, Rolltore, Türen oder gepflasterte Wege meistern? Auch gewisse Problemstellungen während der Transportfahrt, wie beispielsweise Hindernisumfahrungen oder Personeninteraktionen, muss der Roboter eigenständig lösen können.“ Dies sei wichtig, da sich die Roboter irgendwann einmal in den normalen täglichen Betrieb auf den Krankenhausfluren einfügen sollen, „wo auch mal Betten oder Geräte stehen können und wo teils reger Personenverkehr herrscht“.
St. Franziskus-Hospital in Münster: Roboter mit KI soll Pflegepersonal unterstützen
Herzstück des Roboters und Mittelpunkt der Forschung sei die „Remote AI-Box“, mit der das Gerät kommuniziere sowie Daten übertrage und empfange. Hier befänden sich zudem auch die technischen Elemente für die „Remote Assistance“: „Wenn der Roboter nicht weiterkommt, kann er eine Meldung senden, und ein Techniker kann sich virtuell hinzuschalten. Über einen hochauflösenden Echtzeitvideostream kann er die Umgebung begutachten, die Steuerung übernehmen und der Maschine bei der Bewältigung des Problems helfen“, erklärt das St. Franziskus-Hospital.
Auch eine Künstliche Intelligenz (KI) sei im Roboter verbaut. Die Sensorbox könne damit ihre Umgebung mittels Bilderkennung analysieren und durch schwierige Situationen navigieren. „Sie erkennt beispielsweise ein auf dem Boden liegendes Taschentuch“, heißt es weiter.
Das gemeinsame Forschungsprojekt wird vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.
Der Fortschritt künstlicher Intelligenz in diesen Zeiten ist unaufhaltsam – mit all seinen Vor- und Nachteilen. So sollen zum einen bald durch KI sehr genaue Wetterprognosen möglich sein. KI-Forschern ist diesbezüglich ein Durchbruch gelungen. Zum anderen schaffen KI-Tools wie ChatGPT auch Probleme: So hat die Uni Prag jetzt die Bachelorarbeit für neue Studenten abgeschafft, weil das Anfertigen von Bachelorarbeiten in Zeiten von KI nur noch wenig sinnvoll.
