Einige Lieferengpässe bleiben

Warten aufs E-Bike: Im Hammer Fahrradhandel läuft noch nicht alles wieder rund

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Die sportive Variante, das E-Bike als Trekking- oder Mountainbike, ist aktuell besonders beliebt.
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Nach den Corona-Krisenjahren sind die Lieferschwierigkeiten in der Fahrradbranche nur zum Teil überwunden, wie die Hammer Händler feststellen. Wer ein E-Bike haben möchte, muss teils lange darauf warten.

Hamm – Die große Krise des Fahrradhandels scheint überwunden. Die Radsaison ist in vollem Gange. Doch auch weiterhin leidet der Handel unter Lieferschwierigkeiten. E-Bike-Käufer warten bis zu anderthalb Jahre auf ihr Fahrrad. Trekking-Räder und Mountainbikes erfreuen sich in diesem Jahr weiter großer Beliebtheit. Wie ist die aktuelle Lage in Hamm? Wir haben uns umgehört.

„In den Medien hört man immer wieder, dass die Lager voll sind. Das stimmt so aber nicht“, erklärt Fahrradhändler Dirk Kemper-Niehues, der seinen Laden im Klosterdrubbel in der Innenstadt betreibt. Derzeit werde der Markt zwar mit Waren geschwemmt, die bereits vor rund zwei Jahren bestellt wurden, das mache jedoch vor allem die Zahl der lieferbaren „Bio-Bikes“ (Räder, die durch Muskelkraft angetrieben werden) aus.

„Natürlich haben wir einiges auf Lager. Teilweise so viel, dass wir Händler Probleme mit der Kapazität bekommen.“ Bei Elektrofahrrändern sei das derzeit noch schwieriger. „E-Bikes machen inzwischen rund 80 Prozent unseres Verkaufs aus und nicht jedes Wunsch-Modell ist in jeder Farbe lieferbar. Trotzdem ist die Nachfrage riesig“, erklärt er. Bei schönem Wetter stünden die Kunden Schlange.

Fahrradhandel in Hamm: Trends

Deshalb fahren Kemper-Niehues und seine Kollegen regelmäßig auf Messen, um die Trends auszuloten. „In diesem Jahr sind die sportiveren Trekking- und Mountainbikes besonders beliebt“, sagt er. Um seinen Kunden weiterhin die besten Marken präsentieren zu können, greift Zweirad Niehues auf mehrere Hersteller zurück. Dies sei vor allem während der Corona-Pandemie von Vorteil gewesen.

„Wir hatten immer Räder da und haben auch viel verkauft. Die schlimmsten Einbußen gab es in den vergangenen Jahren, als alles zu war“, blickt er zurück. „Langsam normalisiert es sich wieder. E-Bikes in allen Preiskategorien verkaufen wir jeden Tag.“ Wer Glück habe und sich ein lieferbares Standardmodell aussuche, müsse vielleicht nur zwei Wochen auf sein neues Fahrrad warten.

Fahrradhandel in Hamm: Noch Probleme

„Wir haben einen Großteil unserer Bestellungen erhalten, sogar mehr als gedacht“, sagt auch Bernd Hallmann vom Bike-Center Hallmann an der Wilhelmstraße. Inzwischen seien die Modelle von 2022 eingetroffen und auch die 2023er Modelle kämen langsam nach. Bei kurzfristigen Bestellungen gebe es jedoch immer noch Probleme. „Die Großhändler sind an einer Kapazitätsgrenze und können Bestellungen nicht so schnell abarbeiten. Da wird es bei speziellen Wunsch-Modellen oder -farben schwierig“, erklärt er. Auch einige Ersatzteil-Segmente seien immer noch von Lieferengpässen betroffen.

Hallmann sieht den Trend bereits seit geraumer Zeit bei den sportiven Varianten. „Vor drei oder vier Jahren haben wir in erster Linie Citybikes mit E-Antrieb verkauft. Die Kunden werden immer jünger und greifen eher zu Trekking-Rädern.“

Fahrradhandel in Hamm: Veränderte Nachfrage

„Die Situation hat sich etwas gebessert, aber nicht so, wie es wünschenswert wäre“, bedauert Fahrradhändler Klaus-Martin Schricke. E-Bikes mit Nabenschaltung hätten derzeit noch immer eine monatelange Wartezeit. „Ich kann erst frühestens Ende des Jahres oder nächstes Jahr mit der Lieferung rechnen.“

Schricke, der keinem Einkaufsverbund angehört, arbeitet mit drei Markenherstellern zusammen. Auch sein Verkauf besteht inzwischen zu rund 70 Prozent aus E-Bikes. „Das hat sich in den letzten Jahren stark verändert, die Nachfrage ist höher. Allerdings liegt die Ausrichtung unseres Sortiments nicht auf sportlichen Modellen, deshalb merken wir von den Trends noch nicht so viel.“ Bei Bio-Bikes habe er derzeit ebenfalls einen Lieferengpass. „Das ist wirklich schwierig. Viele der Hersteller sind inzwischen fast nur noch auf E-Bikes fokussiert“, sagt er. Auch Fahrrad Schricke erfuhr in der Corona-Zeit eine starke Nachfrage nach E-Bikes.

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