Anwohner fühlen sich nicht mehr wohl

Schmuddelecke: Ehemaliges ATU-Gelände ist Sex-Treff für Freier und Prostituierte

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Schmuddelecke: Das verlassene ATU-Gelände wird abends von den Freiern des Straßenstrichs gegenüber genutzt, die auch noch ihren Müll dort hinterlassen.
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Taschentücher, benutzte Kondome und deren aufgerissene Verpackungen, dazu weiterer Unrat: An den Rändern des ehemaligen ATU-Geländes sieht es seit einiger Zeit richtig eklig aus.

Hamm - Die Freier vom gegenüberliegenden Straßenstrich machen sich nicht mehr die Mühe, mit den Prostituierten wegzufahren, sondern verrichten ihr „Geschäft“ im Auto. „Der Ort wird außerdem auch als Toilette benutzt. Wir fühlen uns nicht mehr wohl“, sagt Helga K. stellvertretend für die Anwohner und findet die Entwicklung, deren Ausmaß erst beim Betreten des Geländes so richtig deutlich wird, schrecklich.

Auch andere zwielichtige Gestalten gesichtet

Das knapp 5.000 Quadratmeter große Grundstück an der Heessener Straße beherbergte einst eine Spedition, eine Waschanlage und eine Filiale von ATU. Als Letzter gab der Autoteile- und Reparatur-Service den Standort zum Oktober 2020 auf. Die Kontaktbeschränkungen im Corona-Lockdown und eine Absperrung an der Einfahrt verhinderten zunächst, dass die Sexarbeit direkt gegenüber verrichtet wurde, doch spätestens seit vergangenem Sommer bemerken die Anwohner der dahinter gelegenen Straßen An der Mattenbecke und Bramwiese den regen Verkehr.

Kondome und deren Verpackungen liegen auf dem Gelände verteilt.

Schon das ist nicht schön, wenn man nur durch einen Holzzaun davon getrennt lebt, zusätzlich wird der Müll einfach aus den Autos geworfen. „Wir können ja nicht hingehen und die Leute bitten, das sauber zu halten“, sagt die Anwohnerin, die zudem von störendem Gehupe bis tief in die Nacht berichtet. Außerdem würden im Schatten der verlassenen Gebäude weitere Gestalten im Dunkeln ihrem vermutlich zwielichtigen Treiben nachgehen.

„Wir leiden unter diesen Zuständen“

„Wir als Nachbarn wollen das nicht mehr hinnehmen. Wir leiden unter diesen Zuständen“, sagt Helga K. und hat sich neben dem WA auch an Bezirksbürgermeisterin Erzina Brennecke gewandt, die tätig werden will. So soll Kontakt zum neuen Besitzer der Fläche hergestellt werden, damit der seinen Pflichten in puncto Sauberkeit nachkommt.

Im Juli 2020 hatte ein belgischer Investor das Grundstück gekauft. Die Anwohnerin wünscht sich neben einem Großreinemachen, das vor dem Verkauf im Frühjahr des vergangenen Jahres bereits einmal durchgeführt worden war, eine neue Absperrung, die den Zugang zu dem Gelände für Autos verhindert.

Stadt sieht keinen Handlungsbedarf - und hofft auf Nachnutzung

Der Stadt Hamm sind derzeit keine Beschwerden über den Zustand an der Heessener Straße bekannt, teilt Sprecher Lukas Huster auf Nachfrage mit. „Trotzdem haben wir uns das Gelände angeschaut, können aber keine Notwendigkeit zu handeln erkennen.“ Das Gelände sei zwar nicht sauber, aber auch nicht so stark verschmutzt, dass eine Gefährdung zum Beispiel für die Umwelt zu erwarten sei.

Vermüllt: Diese Tonne ist schon lange nicht mehr geleert worden.

„Es handelt sich um geringe Mengen von Hausmüll oder Ähnlichem, nicht um gefährdende Stoffe“, erklärt Huster. Außerdem sei das Gebäude gegen unbefugtes Eindringen gesichert. Da es sich bei dem Gelände um Privatbesitz handelt, zähle es auch nicht zum Bestandteil von Patrouillen des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD).

Hoffnung setzt aber auch die Stadt in eine baldige Entwicklung des Grundstücks. „Der neue Eigentümer hat einen Antrag auf Nutzungsänderung gestellt, der aktuell in Bearbeitung und Prüfung ist. Dahingehend sind wir zuversichtlich, dass sich der Zustand des Geländes in absehbarer Zeit bessern wird“, so Huster.

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