- VonGisbert Sanderschließen
Elektro-Tretroller, sogenannte E-Scooter, werden in Hamm immer beliebter. Das liegt nicht nur daran, dass mittlerweile 600 statt 50 über die Straßen rollen, sondern auch daran, dass sie unkompliziert ermöglichen, relativ kurze Distanzen schnell hinter sich zu bringen. Möglicherweise soll das Angebot witer ausgebaut wertden.
Hamm – E-Scooter gehören mittlerweile zum gewohnten Erscheinungsbild in Hamm. Waren von den flotten Flitzern vor einem Jahr gerade einmal 50 Exemplare der Firma Lime Bike Germany GmbH im Rahmen eines Testbetriebs in der Innenstadt unterwegs, sind es mittlerweile 300 auch in den Stadtbezirken – plus weitere 300 der Firma Tier Mobility SE.
E-Scooter sind Bestandteil des städtischen Mobilitätskonzepts, mit dem umweltfreundliche Verkehrsmittel gefördert werden sollen. „E-Scooter können einen Beitrag zur Vermeidung von Autofahrten und zur Verbesserung von Wegeketten mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln leisten“, sagt Stadtsprecher Tom Herberg. Darum ist der Bestand im Sommer vergangenen Jahres entsprechend vergrößert worden – auch auf die Gefahr hin, dass Bürgern vor allem die „wild“ an allen möglichen und unmöglichen Orten abgestellten E-Scooter ein Dorn im Auge sind. Dabei scheint das Vorurteil, dass das tatsächlich so ist, verbreiteter zu sein, als die Realität zeigt: Gerade einmal durchschnittlich zwei entsprechende Beschwerden pro Monat gehen nach Herbergs Auskunft beim städtischen Mängelmelder ein. Und Vandalismus ist nach Auskunft beider Anbieter äußerst selten.
Rund 100 zentrale Standorte in Hamm
An rund 100 Standorten sind die E-Scooter inzwischen verfügbar; abgestellt werden können sie in Gebieten, die von den Anbietern definiert sind. Werden sie außerhalb dieser Gebiete abgestellt, läuft die Leihgebühr, die über eine digitale App erhoben wird, weiter. Sowohl der aktuelle Bestand von 600 Fahrzeugen als auch die Zahl der Standorte könnte weiter wachsen: „Die Stadt möchte gemeinsam mit den Anbietern das Angebot erweitern, zum Beispiel an den Bahnhöfen in Bockum-Hövel und Heessen sowie in den Stadtbezirken“, teilt Herberg mit. Pro E-Scooter erhebt die Stadt im Übrigen eine Gebühr von 30 Euro pro Jahr vom Anbieter.
Mit dem Standort Hamm sind beide Betreiber zufrieden: Rund 37 000 Ausleihen hatte Tier seit dessen Start am 12. August 2022 – im Sommer ist die Frequenz nach Auskunft von Tier-Pressesprecher Patrick Grundmann natürlich höher als im Winter. Rund 1,7 Kilometer würden pro Fahrt zurückgelegt, insgesamt seien es bisher 63 700 Kilometer.
Altersdurchschnitt liegt bei 31 Jahren
Eine Zahl zu den Ausleihen möchte Lime-Pressesprecherin Sarah Schweiger nicht nennen, allerdings seien Mieter von Scootern ihrer Firma in den vergangenen sechs Monaten 87 906 Kilometer gefahren bei ebenfalls durchschnittlich 1,7 Kilometern pro Fahrt. Rechnet man diese Fahrleistung um, kommt man auf gut 51 000 Ausleihen. Die Elektro-Tretroller werden werktags besonders zwischen 7 und 9 Uhr sowie zwischen 16 und 19 Uhr genutzt. Übereinstimmend schließen Grundmann und Schweiger daraus, dass vor allem Pendler dieses Angebot „für die erste und die letzte Meile“ gerne nutzen. Besonders häufig würden die E-Scooter freitags, aber auch samstags geliehen.
Während Lime den Altersdurchschnitt seiner Nutzer mit 31 Jahren angibt, wollte Tier es genauer wissen und hat seine Kunden befragt. Demnach sind 38 Prozent zwischen 25 und 34 Jahren alt, 27 Prozent zwischen 18 und 24 Jahren, 20 Prozent zwischen 35 und 44 Jahren sowie 16 Prozent älter als 45 Jahre.
Besonders Pendler gehören zu den Kunden
Grundsätzlich gelte aber: „Unser Service richtet sich an alle, die sich unkompliziert und emissionsfrei durch die Stadt bewegen möchten. Der Pendler am Morgen und am Abend genauso wie der Besucher, der die Stadt auf nachhaltige Art und Weise erkunden möchte“, sagt Grundmann.
„Mikromobilität ist definitiv im Mobilitätsmix der Stadt Hamm angekommen und etabliert sich hier mehr und mehr – nur so gelingt uns die Mobilitätswende“, sagt Lime-Sprecherin Schweiger: „Mikromobilität ist für die nachhaltige erste und letzte Meile in Hamm nicht mehr wegzudenken und wird von den Menschen gut und gerne angenommen.“ So sieht das auch Tier-Sprecher Grundmann: „Von Anfang an sind das Interesse und die Nachfrage für klimaneutrale Mikromobilität in der Stadt ungebrochen.“
Im ständigen Austausch mit der Stadt
Beide betonen zudem die gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung – wobei Sarah Schweiger noch einen Ausblick wagt: „Wir sind im ständigen Austausch mit der Stadt – auch um zu diskutieren, wo es sinnvoll ist, unser Servicegebiet zu erweitern, um eine gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr zu gewährleisten.“