Serie: Traditionsgaststätten in Schalksmühle

Traditionsgaststätten Glörtal und Dahl: Ausflüger kamen in Bussen 

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Im Haus Glörtal lässt es sich drinnen und sommertags draußen gut speisen.
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Ländlich, gutbürgerlich und sehr familiär ging es über viele Jahrzehnte im „Haus Im Dahl“, das vor Jahren seine Pforten schloss und nun – von Efeu umrankt – einen tiefen Dornröschenschlaf schläft, zu. Lange Jahre standen Gerd und Brigitte Kutsch in dem Traditionsgasthaus für gepflegte Gastlichkeit und kulinarische Gaumenfreuden ein.

Lüdenscheid - Wie eine alte Speisekarte zeigt, wartete das Haus unter anderem gern mit Wildgerichten auf. Erbauer des Hauses, in dem das „Haus Im Dahl“ seinen Sitz hatte, war Wilhelm Dember, dessen Name im Zusammenhang mit der Gründung des TuS Stöcken-Dahlerbrück zu finden ist. 1909 errichtete er das stattliche Anwesen auf der Anhöhe von Dahlerbrück.

Zehn Jahre betrieb er dort selbst einen gastronomischen Betrieb. „1919 übernahm Gustav Thienemann das Haus und führte es als Gast- und Landwirtschaft unter dem Namen ‚Thienemann im Dahl‘ fort und baute 1927 einen Saal an“, erinnert sich Hans Spenner, 2. Vorsitzender des Vereins für Geschichte und Heimatpflege, der über die beiden Gaststätten des 8. Teils der Serie über die Schalksmühler Gastronomie – das „Haus im Dahl“ und das „Haus Glörtal“ - erneut viele Fakten, Zahlen und Daten sowie historisches Bildmaterial im Vereinsarchiv gefunden hat.

Der Einbau einer Heizungsanlage und der damals noch luxuriöse Einbau einer Kühlanlage erfolgten zur gleichen Zeit. Durch die Heirat mit Thienemanns Tochter Anni ging das „Haus Im Dahl“ an Karl Kutsch über, der 1948 die Leitung des Gasthofs übernahm. Den landwirtschaftlichen Betrieb stellte er 1950 ein. Der Anbau eines Nebengebäudes, das fortan die Küche beherbergte, folgte in den 1960er Jahren.

„Es war seinerzeit ein weit bekanntes Tanzlokal

Hans Spenner

„Es war seinerzeit ein weit bekanntes Tanzlokal“, weiß Hans Spenner. 1967 übernahmen Karl Kutschs Sohn Gerhard und seine Ehefrau Brigitte den elterlichen Betrieb und setzten den Ausbau und die Neugestaltung der Räume fort. Zahllose Feiern – unter anderem 1980 den Neujahrsempfang der Gemeinde Schalksmühle – richtete das beliebte Gasthaus, das bis zu 100 Gästen Platz bot, aus. Zahlreiche Vereine nutzten die Räumlichkeiten für ihre Zusammenkünfte. Aus Altersgründen schloss das Haus vor Jahren seine Pforten.

In den 1930er Jahren kamen die Ausflügler mit Bussen aus dem Ruhrgebiet.

Als gemütliches Lokal mit Ausblick auf die Glörtalsperre und ihre waldreiche Umgebung erfreute sich das zwischen 1902 und 1905 errichtete „Haus Glörtal“, das wenige Jahre nach dem Bau der Sperre errichtet wurde, von Anbeginn an großer Beliebtheit. Als die Talsperre am 11. Juni 1906 feierlich eingeweiht wurde, war auch das Gasthaus auf der Anhöhe vollendet, wie eine alte Aufnahme der Feierlichkeiten zeigt. Fahnen und Wimpelketten säumten damals den Uferweg.

Die Serie

Wirtshäuser, Gaststätten und Hotels gab es einst viele in Schalksmühle. Wie es früher als Gast in diesen Betrieben war und was aus ihnen geworden ist, haben wir in Zusammenarbeit mit Hans Spenner vom Geschichts- und Heimatverein Schalksmühle zusammengetragen. Heute geht es zum Haus im Dahl und zum Haus Glörtal.

Groß war die Zahl der Schaulustigen, die sich zur Feier des Tages auf der Staumauer versammelten. Herausgeputzt mit großen Hüten, die vor der Sonne schützten, und hochgeschlossenen Sommerkleidern, wagte sich die Damenwelt ins Ruderboot. Obgleich die Sperre im Laufe der Zeit unterschiedliche Aufgaben erfüllte – angefangen bei der Versorgung der Industrie mit Kühl- und Triebwasser für die Wasserräder in den ersten Jahren bis hin als Notreservoir für Trinkwasser in späterer Zeit – blieb sie in den mehr als einhundert Jahren ihres Bestehens stets ein Anziehungspunkt für Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung. Ob zum Schlittschuhlaufen im Winter oder zum Baden wie historische Fotos zeigen: Wald und Wasser lockten die Menschen ins Grüne – und bescherten dem „Haus Glörtal“ zahlreiche Gäste. „Die Besucher kamen mit Bussen besonders aus dem Ruhrgebiet, und man erfreute sich an der herrlichen Umgebung und am Bootsfahren“, berichtet Hans Spenner. Nach mehreren Pächterwechseln und Leerständen führt inzwischen Jochen Bernsdorf mit seinem Team das traditionsreiche Haus. Bernsdorfs Versprechen: bodenständige Gastlichkeit.

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