VonDaniel Schröderschließen
In rund einem Monat startet die 685. Allerheiligenkirmes in Soest. Mit dabei ist auch ein „alter Bekannter“, über den sich viele Kirmesfans freuen dürften.
Soest – Die Allerheiligenkirmes startet am 8. November – dem spätmöglichsten Termin. Eröffnet wird sie um 14 Uhr am „Bayern Tower“ auf dem Bahnhofs-Vorplatz. Die Geduld der Kirmesfans wird in diesem Jahr besonders auf die Probe gestellt: Da Allerheiligen in diesem Jahr auf einen Mittwoch fällt und die Kirmes am Feiertag nicht starten kann, muss noch eine Woche länger gewartet werden. Grund ist die eiserne Regel, dass die Allerheiligenkirmes immer am ersten Mittwoch nach Allerheiligen – niemals aber vor oder auf diesem Feiertag – beginnt. Sieben Neuheiten präsentierte Marktmeister Klaus Matteikat am Freitag.
In einem besonderen Fall dürfte der späte Start der Allerheiligenkirmes bei vielen Kirmes-Verrückten sogar für wahren Jubel sorgen. „Da die Allerheiligenkirmes in diesem Jahr so spät beginnt, der Bremer Freimarkt aber wie üblich endet, kann der ‚Happy Sailor‘ diesmal wahrscheinlich wieder rechtzeitig in Soest ‚vor Anker gehen‘“, erklärte Klaus Matteikat.
2021 und 2022 hatte der „Happy Sailor“ seine Teilnahme absagen müssen, weil das Personal fehlte. 2020 gab es Corona-bedingt keine Kirmes, 2019 war der „Happy Sailor“ zuletzt in Soest zu Gast. In diesem Jahr steht der 30. Besuch an. Durch den späten Kirmesstart haben die weiterhin wenigen Mitarbeiter mehr Zeit zum Aufbau am Brüdertor.
Allerheiligenkirmes 2023: Die Neuheiten
Zuerst nannte Klaus Matteikat den „Bayern Tower“. Mit ihm wird auf dem Bahnhofs-Vorplatz für fünf Tage der „größte Maibaum der Welt“ in Soest stehen. Der Riesen-Kettenflieger ist 90 Meter hoch und barrierefrei. Außerdem neu dabei und ebenfalls auf dem Bahnhofs-Vorplatz: Die 45 Meter hohe XXL-Schaukel „Excalibur“. Eine weitere Neuheit, die ihren Platz an der Wiesenstraße hat: „Spinning Mouse“. Ihre Gondeln drehen sich während der rasanten Berg- und Tal-Fahrt. Das Fahrgeschäft dürfte auch für Fotografen einen besonderen Reiz ausmachen, denn: Die 420 Meter langen Schienen werden per LED beleuchtet.
An der Dominikanerstraße soll das sechs Meter hohe Kinder-Riesenrad „Toy Wheel“ errichtet werden. „Das Toy Wheel steht stellvertretend für insgesamt 15 Attraktionen speziell für die Kleinsten“, erklärt Birgitt Moessing von der Wirtschaft und Marketing Soest GmbH (WMS).
„Schwung in die Kiste“ kommt am Brüdertor mit „Rock & Roll“ – dabei handelt es sich um ein 23 Meter hohes „Hochrundfahrgeschäft mit Überschlag“. Fünf Tage lang „Happy Hour“ gibt es im gleichnamigen Fun-House an der Marktstraße. Im „Dance Jumper“, der siebten Neuheit, „bekommt Hüpfen eine neue Dimension“, kündigt die WMS an. Hier drehen sich nämlich auch noch die einzelnen Gondeln, während sie schwungvoll auf und ab hüpfen.
Allerheiligenkirmes 2023: Alte Bekannte
Neben Neuheiten und Superlativen haben auch „alte Bekannte“ auf der 50 000 Quadratmeter großen Veranstaltungsfläche einen Platz ergattert. Sie dürften bei älteren Kirmes-Besuchern Erinnerungen wecken: So kehrt nach etlichen Jahren „Flipper“ nach Soest zurück. Ebenfalls auf der Retro-Welle surft das „Laser PIX“, das 2019 schon einmal zu Gast auf der Soester Allerheiligenkirmes war und direkt zu einem der Publikums-Lieblinge avancierte. Um eine moderne Version des „Fliegenden Teppichs“ handelt es sich bei „1001 Nacht“. Mit einer Flughöhe von 27 Metern gilt dieser als der größter und höchster seiner Art in Europa.
Auf dem Petrikirchhof sorgt das 50 Meter hohe „Jupiter“-Riesenrad diesmal für luftige Ausblicke. Außerdem dabei: Geisterbahn, „Airborne“, „Fortress Tower“, „Robotix“, „Jetlag“, „Musik Express“, „Babyflug“, „Nessy“, „Break Dance No.1“, „Looping the Loop“, „Big Monster“, „Big Wave“, „Super Hupferl“, „Wellenflieger“, das „Antike Pferdekarussell“ und die Autoscooter „Number 1“ und „Highway No. 1“.
Insgesamt werden wieder rund 360 Schausteller, Händler, Aussteller und Gastronomen die Allerheiligenkirmes zu dem machen, was sie ist. Marktmeister Matteikat hatte die „Qual der Wahl“ – 680 Bewerbungen für die Kirmes waren auf seinem Tisch gelandet. Das ist zwar ein bisschen mehr als noch im vergangenen Jahr, als es 350 waren, doch keineswegs vergleichbar mit alten Zeiten, in denen „bis zu 2000“ Beschicker nach Soest kommen wollten.
Allerheiligenkirmes 2023: Personalmangel bei den Schaustellern
Der Personalmangel macht den Schaustellern das Leben schwer. Bislang seien noch keine Schausteller-Absagen ins Büro geflattert, erklärte Klaus Matteikat. „Ich bin allerdings zuversichtlich, dass wir im Fall der Fälle nachplatzieren können.“
Allerheiligenkirmes 2023: Stadt Soest erwartet großen Andrang
Die diesjährigen Erfahrungen von anderen Kirmessen im Land zeige der Stadt, dass sie mit einem großen Besucherandrang rechnen muss: „Die Besucherströme auf allen Plätzen sind in diesem Jahr größer gewesen als im Vorjahr“, erklärte Ordnungsamts-Chef Detlef Märte. „Wir erwarten nochmal mehr Besucher als im vergangenen Jahr.“ 2022 waren rund 1,2 Millionen Menschen zur Kirmes geströmt, zeitweise musste die Innenstadt für den Verkehr abgeriegelt werden. „Wir sind wieder darauf vorbereitet, die Stadt-Tore dichtzumachen“, betonte Märte. Klaus Matteikat riet: „Wer nicht ins dichte Gedränge kommen und die Kirmes lieber in entspannterer Atmosphäre genießen möchte, sollte schon am Nachmittag und samstags ab Mittag kommen.“
Allerheiligenkirmes 2023: Busse in die Stadt
Außerdem rät die Stadt, mit dem öffentlichen Nahverkehr zu kommen: Von Freitagabend (10. November) bis Sonntag (12. November) wird für Besucher wieder ein Bus-Pendelverkehr angeboten. Außerdem sind 140 Sonderzüge im Einsatz. Die Erfahrung zeige, dass „weniger als 50 Prozent der Kirmesbesucher mit dem Auto“ kommen würden.
Kirmes am Wochenende




Allerheiligenkirmes 2023: Mehr Toiletten
Die Toilettensituation auf der Allerheiligenkirmes sei verbessert worden. Am Bahnhof soll es eine zusätzliche Behinderten-Toilette geben, an der Stöckergasse einen weiteren Toilettenstandort. „Mit Blick auf andere Veranstaltungen in Deutschland sind wir da schon ganz weit vorne. Wir haben natürlich Verständnis für die Probleme der Anlieger, wenn Menschen vor ihren Häusern Dinge tun, die man nicht tun sollte“, erklärte Detlef Märte.
Allerheiligenkirmes 2023: Kirmes-Pin und Co.
Der Kirmes-Pin und weiteres Merchandise soll am 23. Oktober in den Vorverkauf gehen. „Wir wurden schon angesprochen, weil Kirmes-Fans wissen wollten, an welchem Tag sie Urlaub nehmen müssen.“ Die Plakate gibt es ab sofort für einen Euro in der Tourist-Information. Das Kirmes-Plakat zeigt in diesem Jahr das Jägerken und einen braunen Bullen, die sich freundlich zuzwinkern. Die WMS erklärt dazu: „Dabei lässt das Motiv einiges an Interpretations-Spielraum. Drückt das Horn-Vieh da sein sanftes braunes ‚Bullenauge‘ zu? Oder erinnert es an die landwirtschaftlichen Traditionen auf dem Pferdemarkt? Bis 2005 gab es auf dem Pferdemarkt das „Bullenschätzen“, das 2006 vom „Pferdeschätzen“ abgelöst wurde.

