VonAchim Kienbaumschließen
Vier Tage lang wird in Soest gefeiert: Am Samstag, 24. August, gibt es dazu viel Kultur, Kulinarisches und einen Himmelsstürmer.
Soest – Was der Bauer nicht kennt, das futtert er auch nicht – es sei denn, er hat sich längst ans Kleinstadtleben gewöhnt und gelernt, wie gut Neues schmecken kann. Mit den Jahrhunderten – und damit verbunden auch zunehmend Menschen aus allen Teilen der Welt in ihrer Mitte – sind die Soester offenbar auf den Geschmack gekommen, internationale Küche bereichert längst die westfälischen Speisepläne.
Am dritten Tag des 1400-jährigen Stadtjubiläums vom 22. bis 25. August wird es dazu unter der Devise „Soest schmeckt bunt“ viele Kostproben geben – und jede Menge Musik, Theater und mehr dazu sowieso. Und dann werden sich die Blicke garantiert auch noch nach oben richten.
Genussmeile
Soester sind auch nur Menschen, auch bei ihnen geht die Liebe also durch den Magen – die zu ihrer Heimatstadt eingeschlossen. Gelebt wird diese Liebe sowohl im Alltag als auch zur Feier des Stadtjubiläums in der vitalen Gastronomie in der Altstadt, am Samstag darüber hinaus aber auch von 12 bis 18 Uhr auf der Internationalen Genussmeile. Die wird sich vom Markt bis zur Brüderstraße Ecke Hansastraße erstrecken und betrieben werden von zahlreichen Vereinen aus der Stadt und Privatpersonen sowie Delegationen aus mehreren Soester Partnerstädten.
Theater
Gleich mehrfach wird der Blaue Saal im Rathaus zur Bühne, wenn um 12 und 13 Uhr das Projektteam Kult!NKoffer aus der Partnerstadt Herzberg ein interaktives Theaterstück für Kinder mit dem Titel Pausenstreit aufführt.
Um 16 Uhr erinnert das literarisch-szenische Schauspiel Die Kist´ von der Wolga an den 100. Geburtstag der Gründung der deutschen Autonomie an der Wolga.
Hochseilartistik
Er fühlt sich am wohlsten, wenn er dem Himmel ganz nah ist: Oliver Zimmermann ist Hochseilartist – und in der Soester Altstadt geht es nicht höher hinaus als auf die beiden Kirchtürme von St. Patrokli und St. Petri. Also spannt der weltweit gefragte Himmelsstürmer sein Seil zwischen diesen beiden Türmen, jeweils auf Höhe der Glocken, und läuft drüber – weil er es kann. Und das gleich zweimal, nämlich um 16 und noch einmal um 18 Uhr.
Soest ist international
So überschaubar die Zahl der Menschen Anno 624 war, die dort ihr Zuhause hatten, wo heute Soest ist, so überschaubar war sehr wahrscheinlich auch ihre Herkunft – beides ist heute ganz anders, und das ist auch gut so. Von den knapp 50 000 Soestern und Soesterinnen haben rund ein Drittel einen Migrationshintergrund, in der Stadt leben Menschen mit über 120 verschiedenen Nationalitäten.
Diese Vielfalt bereichert nicht nur viele Bereiche des alltäglichen Lebens, sondern auch das Stadtjubiläum (siehe auch den Infokasten). Der Integrationsrat hat ein umfangreiches Bühnenprogramm organisiert mit Mitwirkenden aus vielen Ländern, die aber zum allergrößten Teil ihren Lebensmittelpunkt in Soest haben.
Das Programm des Integrationsrates
In Soest leben Menschen mit vielen unterschiedlichen Nationalitäten und aus ganz verschiedenen Kulturkreisen. Unter der Regie des Soester Integrationsrates bringen sie sich zum Stadtjubiläum am Samstag, 24. August, von 12 bis 18 Uhr mit Vorführungen auf einer Bühne in der Brüderstraße ein.
Unter anderen wirken mit:
Alice Domke ist eine Sängerin, deren Stil als eine Mischung aus „verträumtem, entspanntem und doch lebhaftem Pop mit tiefgründigen Texten zu eingängigen Melodien“ beschrieben wird.
Bettina Casdorff ist Pianistin, lehrt unter anderem an der Soester Musikschule und konzertiert seit vielen Jahren bundesweit mit vielen verschiedenen Künstlern. In ihrer Heimatstadt Soest leitet sie zudem einen Kinderchor sowie einen Frauenchor und den Jugend-Pop-Chor Petri Puellas mit jungen Frauen, der ebenfalls beim Stadtjubiläum auftreten wird.
The Blue Crushers ist die Band-AG des Convos, die unter der Leitung von Lehrer Stefan Schwarz spielt.
Weit herumgekommen ist der in Ungarn geborene Geiger Kálmán Oláh, der unter anderem bereits Konzertreisen durch Japan und China absolviert hat. Seit 2009 lehrt auch er an der Soester Musikschule.
Kulturbrücken baut schon seit vielen Jahren der Verein Kultur A-Z, der Kultur- und Geschichtsverein der Deutschen aus Russland.
Persische, arabische und afghanische Musik gibt es von Mohammad Rahmanzadeh, einem Sänger und Musiker aus dem Iran.
Christelle Wandji kam als Studentin aus Kamerun nach Soest. Sie singt und wirbt für die Projekte des von ihr mit gegründeten Vereins „Joyce’s Action“.
Mit dabei sind zum Beispiel Jazzsängerin Simone Helle, die in diesem Jahr mit dem Global Music Award ausgezeichnet wurde und das Far Out Trio, drei Musiker aus Soest, die für sich in Anspruch nehmen, mit ihrer Mischung aus „Mainstream und Modern Jazz ein musikalischer Gesundbrunnen“ zu sein.
Gesund sein soll ja auch tanzen, auf der Bühne in der Brüderstraße wird es das in sehr unterschiedlichen Spielarten geben: Firlitanz aus Soest hat sich mittelalterlichen Gruppentänzen verschrieben, Tharana Narthanalayam, ebenfalls aus Soest, zeigt tamilische Kulturtänze und der TSC Castell aus Lippstadt zeigt meisterhafte Hip-Hop-Choreographien, die schon viele strenge Juroren im Land überzeugt haben.
Satte 12 Stunden lang wird es beim Stadtjubiläum am Samstag, 24. August, mit der Ruhe am Strand – pardon: auf der Beach Area des Parkplatzes am Großen Teich – nicht weit her sein: DJs werden wie einen Tag zuvor einige Kollegen, die Besucher beschallen. Und das ist nur ein kleiner Teil des gesamten musikalischen Angebots auf mehreren Bühnen am dritten Tag des 1400-Jährigen.
Parkplatz Großer Teich
Miya Whitehouse, Soundscape Designerin und Absolventin der Tomorrowland Academy, übernimmt bis 14.30 Uhr das Aufwärmen der Gäste am Großen Teich. Sie übergibt an Herr Puppe, der eine Stunde lang auflegen wird, und dessen großes Herz für „verträumte, treibende Beats und melodiösen Techno“ schlägt.
Vorwiegend zwischen Italien und Deutschland pendelt Nick Gentile aka Deepinto bei seinen Events in Clubs, Bars und Festivals. In Soest wird er von 15.30 bis 16.30 Uhr mit seiner Mischung aus „Deep Afro Beats, Percussion und Latin House“ zu hören sein.
Ein echtes Heimspiel hat anschließend eine Stunde lang Denz: Der gebürtige Soester hat in der Region unter anderem im MAD Club aufgelegt.
Von 17.30 bis 18.45 Uhr entführt mit Tripsitter der Co-Headliner des Tages in den Underground. Unter anderem als Veranstalter des Mollywood Festivals, aber auch als Produzent und DJ arbeitet er unermüdlich dafür, Menschen mit seiner Musik einfach nur glücklich zu machen – die Soester werden es ihm nicht allzu schwer machen. Mit Mush-T übernimmt anschließend bis 20 Uhr ein weiterer Co-Headliner die Turntable. Hannes und Nils sind ein Duo aus Soest, dessen Style von Disco-, Funk-, Tech- und Bass House geprägt wird.
Zwei Stunden mit Krumm & Schief, dem Headliner des Tages, läuten den Abend und schließlich die Nacht ein.
Sie definieren sich selbst „über das Analoge“, lieben das Gefühl von Vinyl in den Händen und vereinen ihren Mix mit eigenen Tracks mit House, Deep und Melodic House.
Chillig wird es im Anschluss, wenn sich Krumm & Schief mit Mush-T zusammen tun für das entspannte Finale bis Mitternacht.
Vreithof
Wie auf der anderen Seite des Rathauses auf dem Petrikirchhof läuft auch auf der Vreithofbühne Live-Musik. Dabei geben sich drei Bands die Mikros in die Hand.
Der Name ist Programm bei den Funky Friends, zu denen sich sechs junge Musiker aus Soest vor sechs Jahren zusammen gefunden haben. Sie interpretieren von 17 bis 18 Uhr Klassiker des Funk, Jazz und Soul mit viel Energie, einem knackigen Bläsersatz, souligem Gesang und temperamentvoller Virtuosität.
Pop, Funk und Soul sind auch für Quincy Calling musikalische Kernkompetenzen. Die Formation bringt von 19 bis 21 Uhr ebenfalls eine Bläsersection mit und vereint mit hoher technischer Perfektion und Professionalität was über Jahrzehnte Ohren umschmeichelte und dann direkt in die Beine ging.
In gänzlich anderen musikalischen Gefilden ist Alex im Westerland von 22 bis 24 Uhr unterwegs – der Name lässt es erahnen: Das Quartett gehört zu der eher seltenen Spezies von Bands, die die größten Hits der Toten Hosen drauf haben und trotzdem nicht vor denen der Ärzte zurückschrecken.
Petrikirchhof
Zwei Bands teilen sich von 19 bis 24 Uhr den Abend auf der Petrikirchhof-Bühne: Die ersten drei Stunden übernimmt die Legendary Ghetto Dance Band, echte Überzeugungstäter auf dem weiten Feld des Coverns von populärer Musik – und rheinische Frohnaturen außerdem. Kein Wunder also, dass sie unermüdliche Kämpfer sind für das, was sie als Grundrecht sehen: Das Recht auf Party!
Auch bei Goldplay ist unschwer zu erraten, wer da Pate fürs Programm steht – und tatsächlich: Stimme und Performance von Frontman Dirk kommt Chris Martin von Coldplay ganz schön nah und auch sonst tut das Quartett alles für seinen guten Ruf als „Europas gefragteste Coldplay-Tribute-Show“.
Brüderstraße
Wo tagsüber das Programm des Integrationsrates über die Bühne gegangen ist, treten ab 19.30 Uhr zwei Bands auf, die für gute Laune und Party stehen. Harmony Vibes sind ein noch sehr frisches Quintett, das bei aller stilistischen Vielfalt seinen Schwerpunkt im Pop-Rock hat. Ab 21 Uhr übernimmt die ebenfalls fünfköpfige G.G.O. Partyband aus Hamm, die Klassiker des Rock mit Versionen deutscher Partyhits verbinden.


