VonDaniel Schröderschließen
Es ist eine wahrlich perfide Masche, die Betrügerinnen in Soest abzogen und einen fünfstelligen Betrag erbeuteten. Die Polizei hofft, dass jemand die Frauen gesehen hat.
Soest - Eine 54-jährige Frau aus Lippstadt wurde in Soest zum Opfer einer perfiden Betrugsmasche. Offenbar nutzten die Betrügerinnen den Aberglauben der Frau aus und ergaunerten dadurch tausende Euro.
Die 54-Jährige befand sich am Freitag gerade auf dem Parkplatz Kohlbrink in der Soester Altstadt und verstaute ihre Einkäufe, als sie von einer Frau auf Russisch angesprochen wurde. Die Unbekannte fragte zunächst nach einer Einkaufsmöglichkeit und verwickelte ihr Opfer, das vom Betrug nichts ahnte, in ein persönliches Gespräch.
Betrug in Soest: Betrügerin behauptet, der Fluch sei bereits auf die Familie übergegangen
Dabei behauptete die Unbekannte, dass sie einen Fluch spüre, der angeblich auf der 54-Jährigen laste und nur sie diesen Fluch mit einem Ritual entfernen könne. „Die Betrügerin setzte die 54-Jährige unter Druck, indem sie behauptete, dass der Fluch bereits über ihr Bargeld weiter an Familienangehörige übergegangen sei“, schildert Polizeisprecherin Diana Kettelhake in einer Mitteilung.
Plötzlich kam eine zweite russisch-sprechende Frau hinzu - die gutgläubige Lippstädterin ließ sich dazu hinreißen, mit ihr in einen Supermarkt in der Nähe zu gehen, um Zutaten für das Ritual zu kaufen, mit dem der „Fluch“ besiegt werden sollte. Die Frauen kauften Eier und Servietten. Polizeisprecherin Diana Kettelhake schildert, was dann geschah: „Die 54-Jährige musste zunächst ein Ei berühren, was dann von einer der Betrügerinnen zerschlagen und in eine Plastiktüte gesteckt wurde.“
Betrug in Soest: Betrügerinnen verbreiten Alarm-Stimmung
Angeblich sei das, was aus dem Ei kam, schwarz gewesen. Die Betrügerinnen verbreiteten sofort Alarm-Stimmung: Um den „Fluch“ weiter zu bekämpfen, wurde die Lippstädterin angewiesen, in Begleitung einer der Frauen ihr gesamtes Bargeld aus ihrer Wohnung in Lippstadt zu holen. Die Polizeisprecherin spricht von einem „stattlichen Bargeldbetrag“. Und tatsächlich: Gegenüber unserer Redaktion konkretisiert sie, dass es sich um eine fünfstellige Summe handelte.
Nach der Rückkehr auf den Parkplatz wurde das Geld in Geschirrtücher gewickelt, das Päckchen mit einem schwarzen Faden zusammengebunden. Kettelhake: „Beide Betrügerinnen taten, als würden sie den Fluch von der Frau nehmen und gaben ihr das eingewickelte Geldpäckchen zurück.“ Anschließend machten sich die beiden Frauen schnell aus dem Staub.
Betrug in Soest: Plötzlich gibt es für die Frau das böse Erwachen
Erst später gab es für die 54-Jährige das böse Erwachen: Sie stellte fest, dass sich in ihrem Päckchen nur noch Zeitungspapier befand. Das Geld: weg! Gegenüber der Lippstädter Polizei konnte die Betrogene die beiden Verdächtigen beschreiben: Die erste Frau sei circa 30 bis 40 Jahre alt und etwa 1,60 Meter groß gewesen. Sie habe sportliche Statur, blondierte längere Haare mit Zopf gehabt und trug eine weiße Bluse, eine schwarze Hose und einen schwarzen Blazer. Die zweite Frau war ebenfalls zwischen 30 und 40 Jahre alt und etwa 1,70 Meter groß gewesen. Auch sie hatte eine schlanke Statur sowie blondierte, schulterlange, wellige Haare.
Diana Kettelhake erklärt, warum die Betrugsmasche wohl Erfolg hatte, obwohl die Geschichte noch so unglaublich klingt: „Bei dieser Masche erschleichen sich Betrügerinnen emotionalen Zugang zu ihren Opfern. Per direkter muttersprachlicher Ansprache werden emotionale Situationen aufgebaut und anschließend schamlos zum Betrug genutzt.“ Es liegt nahe, dass die Betrügerinnen sich ihr Opfer ganz gezielt ausgesucht haben. So war es bereits bei einem Fall aus Dezember 2021, der enorme Ähnlichkeit mit dem aktuellen Betrug aufweist. Kettelhake bestätigt gegenüber unserer Redaktion: „Die Masche ist uns bekannt.“ Auch andernorts habe diese Form des Betruges bereits Erfolg gehabt.
Betrug in Soest: Die Kripo hat einen dringenden Rat
Diana Kettelhake unterstreicht: „Die Kriminalpolizei rät dringend zur Vorsicht, wenn Fremde sich zu sehr kümmern.“ Die Polizei hofft darauf, dass Zeugen die beiden Betrügerinnen gesehen haben. „Zeugen, die Hinweise zu den tatverdächtigen Frauen geben können, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 02921/91000, bei der Polizei zu melden.“
