In weniger als zwei Monaten wird in Werne gewählt. Wir haben unsere Leser nach ihrer Wahlentscheidung gefragt – und welche Themen ihnen am wichtigsten sind.
Werne - Wer wird das Spitzenamt im Rathaus von Werne übernehmen? Welche Partei schneidet wie stark bei der Kommunalwahl ab? Die Antwort auf diese Fragen geben die Wählerinnen und Wähler am 14. September. Einen ersten Eindruck über die künftigen Kräfteverhältnisse soll unsere Wahlumfrage geben. Über 330 Wernerinnen und Werner haben binnen einer Woche abgestimmt. Diese Umfrage ist nicht repräsentativ und erhebt keinen Anspruch auf eine haargenaue Prognose des Wahlergebnisses. Es handelt sich vielmehr um ein aktuelles Stimmungsbild.
Gute Chancen für FDP-Kandidat Dammermann
Im Fokus der kommenden Kommunalwahl in Werne steht die Frage nach dem Bürgermeisteramt. Die Umfrage zeichnet ein überraschendes Bild, das sich deutlich von typischen Muster kommunaler Wahlergebnisse abhebt. Christoph Dammermann (FDP) führt das Feld der Bürgermeisterkandidaten mit 32 Prozent der Stimmen an – mit geringem Abstand vor Lars Hübchen (SPD), der 30,2 Prozent erreicht. Damit ergibt sich ein Zweikampf um die Rathausspitze zwischen den Vertretern von FDP und SPD. Das starke Abschneiden Dammermanns ist wohl auf die Nichtnominierung eines Bürgermeisterkandidaten seitens der CDU zurückzuführen. Interne Streitigkeiten sorgten vor einigen Wochen für Chaos in der Partei.
Die unter kommunalen Bedingungen oftmals starke Position parteiloser Kandidaten findet sich in dieser Momentaufnahme nicht bestätigt: Volker Abdinghoff kommt auf lediglich 3,6 Prozent, Marc Sven Ueter erreicht 6,3 Prozent. Benedikt Stripens (Grüne), der zum sechsten Mal antritt, erhält mit 15,6 Prozent einen Achtungserfolg, liegt jedoch deutlich hinter den beiden führenden Kandidaten. Angesichts dieser Ergebnisse und der Anzahl der Kandidaten erscheint es wahrscheinlich, dass eine absolute Mehrheit im ersten Wahlgang nicht erreicht wird und eine Stichwahl am 28. September notwendig werden könnte.
Parteienpräferenzen: CDU vorne, SPD und FDP folgen
Im Bereich der Parteienpräferenz für den Stadtrat präsentiert die Umfrage ein differenziertes Bild. Die CDU steht mit 30,5 Prozent an der Spitze und bestätigt damit ihre Stellung als stärkste Kraft in Werne. Die SPD folgt mit 24,6 Prozent auf Platz zwei, liegt jedoch bereits spürbar hinter der Union. Die FDP liegt mit 11,7 Prozent ihren Status auf dem dritten Platz, gefolgt von den Grünen, die auf 10,2 Prozent kommt. Bemerkenswert ist, dass die FDP damit auch auf Parteiebene einen vergleichsweise hohen Wert erzielt, der im Vergleich zu Ergebnissen etwa bei der Bundestagswahl deutlich höher ausfällt.
Die UWW (Unabhängige Wählergemeinschaft Werne) kommt auf 4,5 Prozent, Die Linke erreicht 6,3 Prozent. Der Anteil derjenigen, die „keine der genannten“ Parteien wählen würden, liegt bei 12,3 Prozent und verdeutlicht die bestehende politische Offenheit bzw. Unzufriedenheit eines Teils der Wählerschaft mit dem aktuellen Parteiangebot.
Die wichtigsten Themenfelder für die Kommunalwahl spiegeln die grundlegenden Interessen der lokalen Bevölkerung wider. An erster Stelle stehen Bildung, Schulen und Kinderbetreuung mit 38 Prozent. Zentrale Bedeutung kommt außerdem dem Wohnungsbau und bezahlbarem Wohnraum zu, das von 31,7 Prozent der Teilnehmenden ausgewählt wurde. Auch die kommunale Haushaltslage (30,5 Prozent), Sicherheit und Kriminalitätsbekämpfung (29,3 Prozent) sowie die Wirtschaftsförderung und die Schaffung von Arbeitsplätzen (24,9 Prozent) sind für einen großen Anteil der Befragten wahlentscheidend. Klima- und Umweltschutz (15,9 Prozent), Digitalisierung (13,8 Prozent) und Bürgerbeteiligung (12,9 Prozent) finden ebenfalls Beachtung, allerdings auf nachgeordnetem Niveau. Themen wie Gesundheitsversorgung (9,9 Prozent), Integration (4,8 Prozent) oder die Sauberkeit im öffentlichen Raum (8,4 Prozent) spielen für die Mehrheit eine untergeordnete Rolle.
Tendenz zu Skepsis und Stillstand
Die Frage, ob bei der vergangenen Wahl die gleiche Partei gewählt wurde, gibt Aufschluss über Stabilität und Wechselhaftigkeit der politischen Präferenzen. 54,2 Prozent der Befragten geben an, auch bei der letzten Wahl bereits ihre jetzige Partei gewählt zu haben. Rund 35,6 Prozent haben damals eine andere Partei bevorzugt, 5,4 Prozent haben nicht gewählt, 5,1 Prozent können sich nicht erinnern. Damit lässt sich ein gewisses Maß an Beständigkeit, aber auch an Wechselbereitschaft erkennen. Rund ein Drittel unserer Leserinnen und Leser haben demnach ihre politische Richtung verändert oder waren mobilisierbar.
Bezüglich der Entwicklung Wernes in den vergangenen fünf Jahren überwiegen skeptische Einschätzungen: Nur 3 Prozent der Befragten nehmen eine wesentliche Verbesserung wahr, 20,2 Prozent empfinden eine eher bessere Entwicklung. Den größten Anteil machen jene aus, die keinen Wandel bemerken (35,4 Prozent). 31,4 Prozent sehen Werne jedoch „eher schlechter geworden“ und 10,3 Prozent sogar „viel schlechter geworden“. Die Daten deuten insgesamt auf eine zurückhaltende bis kritische Bewertung der Stadtentwicklung hin, vor allem mit Blick auf wahrgenommene Missstände oder ausbleibende Verbesserungen im Lebensumfeld.
Rubriklistenbild: © Montage: Obhues
