VonFrank Zachariasschließen
Nach der Geldautomaten-Sprengung in Kierspe-Dorf steht nun fest, wie es mit der SB-Filiale der Volksbank weitergehen soll. Der Vorstand blickt auf ereignisreiche Tage zurück.
Kierspe – Er trägt Anzug und Krawatte, klingt aber ein wenig wie ein Boxer: „Hier wurde am Mittwoch eine neue Runde eingeläutet“, sagt Stephan Böhse, Vorstand der Volksbank Kierspe, und gibt sich kämpferisch.
Nach Geldautomaten-Sprengung: „Werden uns nicht unterwerfen“
Zwei Tage nach der Sprengung eines Geldautomaten in Kierspe-Dorf wollen Böhse und sein Vorstandskollege Stephan Baldschun ein deutliches Signal aussenden: „Wir werden uns nicht unterwerfen oder resignieren“, sagen sie. Die SB-Filiale soll wieder aufgebaut werden – mit noch mehr Sicherungsmaßnahmen als zuvor, wie sie betonen.
Es ist nicht nur, aber auch diese Nachricht, mit der Böhse und Baldschun ganz bewusst in die Öffentlichkeit gehen wollen. Doch sie verdeutlichen auch, wie groß der Schaden für die Bank tatsächlich ist. Der belaufe sich derzeit auf eine mittlere sechsstellige Summe, wie sie betonen – ein Fall für die Versicherung.
Mieterin im Obergeschoss mitgenommen vom Ereignis
„Allerdings ist noch unklar, ob der Anbau komplett abgerissen werden muss“, sagt Stephan Böhse, der sich gemeinsam mit Stephan Baldschun aber erleichtert zeigt, dass die Mieterin im Obergeschoss des Gebäudes zumindest körperlich nicht zu Schaden kam. „Aber natürlich nimmt sie das ganz schön mit“, können beide das traumatische Erlebnis nur erahnen, das sich in der Nacht zu Mittwoch um kurz vor 2 Uhr ereignet hatte. Die Explosionen schreckten die gesamte Nachbarschaft auf, ließen Ohrenzeugen „kerzengerade“ im Bett stehen – am Tatort selbst muss der Lärm um ein Vielfaches höher gewesen sein.
In der Entscheidung, die SB-Filiale nachts zu schließen, sehen sich Böhse und Baldschun nun aber umso mehr bestätigt. Die Polizei habe an den Schiebetüren Spuren eines Stemmeisens gefunden, mit dem die Täter sich offenbar Zugang zum Innenraum der Filiale verschaffen wollten. „Diese Sicherheitsmaßnahme hat funktioniert und offenbar die Zeit gekostet, die dafür sorgte, dass die Polizei die Täter noch vor Ort antraf“, sagt Stephan Baldschun.
Was dann folgte, war mit den bereits umgesetzten Sicherheitsmaßnahmen aber nicht zu verhindern: die Sprengung der Fensterfront zur Friedrich-Ebert-Straße. Die zweite Explosion galt dann dem Geldautomaten, der eine mittlere fünfstellige Summe beinhaltete, wie Stephan Böhse verrät. Dank der Polizei konnte dieses Geld aber vollständig in den Besitz der Volksbank zurückkehren.
Nach Bankautomaten-Sprengung: Geld von der Straße aufgesammelt
„Ein Großteil befand sich im Fluchtauto, den Rest haben wir von der Straße aufgesammelt“, erinnert sich Stephan Baldschun, an einen langen Arbeitstag – nicht nur für die Mitarbeiter der Volksbank, sondern auch für viele hilfreiche Handwerker. Schon am Nachmittag um 17 Uhr sei die zerstörte Filiale mit Brettern verschlossen und ausgeräumt worden. „Da sieht man mal, wie leistungsfähig unsere Handwerker auf dem Land sind“, sagt Stephan Böhse, der sich gemeinsam mit Stephan Baldschun nicht nur bei den (Mit-)Arbeitern, sondern auch bei der Kiersper Feuerwehr und ganz besonders bei der Polizei für ihre Arbeit bedankt. „Das war exzellent!“, betont der Volksbank-Vorstand, dem nun noch ein Termin mit dem Landeskriminalamt in der kommenden Woche ins Haus steht. Dann wird es sicher auch um den künftigen Schutz der Automaten in Kierspe und Rönsahl gehen.
Bis der Service im Dorf aber wieder in Betrieb ist, können Kunden bei Bedarf auf den kostenfreien Bargeld-Bring-Service der Volksbank zurückgreifen, wie Böhse und Baldschun betonen.


