VonChristian Clewingschließen
Auf Initiative der Deutschen Energieagentur und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz fand jetzt die „Woche der Wärmepumpe“ statt. Erstaunlich: Bereits seit 1986 nutzt man bei den Stadtwerken diese Technologie, damals noch eine Seltenheit.
Warstein - Das Sachgebiet Klima, Mobilität und Energie der Stadt Warstein stellt anlässlich der Aktionswoche mehrere Wärmepumpenprojekte im Warsteiner Stadtgebiet vor.
Stadtwerke
Bei den Stadtwerken Warstein sind im Heizungssystem zwei Wärmepumpen im Einsatz – eine ist fast 40 Jahre alt, die zweite immerhin 17 Jahre. „Die Beheizung der Gebäude wurde bereits bei der Planung in den 80er Jahren mitgedacht“, vermutet Stadtwerkeleiter Sascha Gödecke und ergänzt: „Wärmepumpen zu nutzen war damals eher selten.“ Die erste Wärmepumpe wurde bereits im Jahr 1986 installiert, die zweite Wärmepumpe kam im Jahr 2007 hinzu. Hintergrund ist, dass an der Hillenbergquelle Grundwasser gefördert und ins Trinkwassernetz eingespeist wird. Das Wasser aus der Tiefe hat eine konstante Temperatur von etwa 14 Grad Celsius. Im Keller des Bürogebäudes wird diese Wärme mit Hilfe von Wärmepumpen genutzt. Über Kältemittelkreisläufe wird Energie entzogen und in einem höheren Temperaturniveau auf das Heizsystem abgeben.
„Mittlerweile sind Wärmepumpen im Neubau die Standard-Lösung zum Heizen. Bei Bestandsgebäuden besteht hingegen noch Skepsis. Die Stadtwerke zeigen, dass Wärmepumpen auch in einem fast 40 Jahre alten Gebäude funktionieren“, erklärt Benedikt Prange vom Sachgebiet Klima, Energie, Mobilität der Stadt Warstein.
KIB-Neubau
Im neuen Klima- und Integrationsbad (KIB) in Belecke werden künftig zwei Wärmepumpen betrieben. Das Lehrschwimmbecken an der Sekundarschule der Stadt Warstein wird aktuell barrierefrei und multifunktional aus- und umgebaut sowie energetisch saniert.
Dipl. Ing. Jawad Kayed, Projektleiter des Umbaus, betont: „Das energetische Konzept für das KIB umfasst den Einsatz von Luft/Wasser-Wärmepumpen und Photovoltaik. Zudem wurde eine Verknüpfung zum Gaskessel der Schule hergestellt, um eine effiziente Energieversorgung zu gewährleisten.“ Anfang November wird das neue Heizsystem installiert: Mit einer beeindruckenden Gesamtleistung von 75 kW bei minus 7 Grad Celsius Außentemperatur sorgen die Wärmepumpen für Fußboden- und Wandflächenheizung, Wassertemperierung des Schwimmbeckens, Heizregister in Lüftungsgeräten sowie Trinkwarmwasserbereitung. Dank Heißgasauskopplung und zwei Wärmekopplungskreisläufen können gleichzeitig Niedertemperaturen (ca. 45 Grad Celsius) und Hochtemperaturen (ca. 65 Grad Celsius) erzeugt werden.
Stefan Redder, 1. Beigeordneter und Stadtkämmerer, kommentiert: „Mit seinem modernen Design und seiner nachhaltigen Bauweise wird das Klima- und Integrationsbad nicht nur ein Ort der Erholung und Entspannung, sondern auch ein Symbol für die Bedeutung von Umweltschutz und Integration in unserer Gesellschaft.“
Privathaushalt
Franz Rebein aus Belecke bringt seine Berufserfahrung ein und rüstet sein Bestandsgebäude aus 1986 von einer Gasheizung auf Erneuerbare Energien um. Er arbeitete über 40 Jahren bei Honeywell im Geschäftsbereich Gebäudeautomatisierung. Auch im Ruhestand beschäftigt er sich noch mit Softwarewartung und Energieberatung für gewerbliche Kunden. Bei seinem 1986 errichteten Gebäude am Rabenknapp in Belecke hat Franz Rebein sein Wissen genutzt und sein Gebäude 2010 beginnend vollständig auf Erneuerbare Energien umgestellt. Die in diesem Jahr installierte Wärmepumpe wird durch Solarthermie unterstützt, durch Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher versorgt und bei Bedarf durch zwei Speicheröfen entlastet.
„Im Vorfeld musste ich umfänglich planen, damit die Anlagen und der 1000-Liter-Schichtenspeicher sowie die Heizkörper und die Fußbodenheizung für die neue Nutzung korrekt ausgelegt sind. Auch die Schnittstellen für ein Energie-Managementsystem waren von entscheidender Bedeutung. Neben dem Heizen kann ich nun mein Gebäude über eine weitere Wärmepumpe auch kühlen. Erdgas wird nur noch bei Versorgungsengpässen im öffentlichen Elektronetz genutzt. Den Jahresenergiebedarf für mein Haus und die Elektrofahrzeuge werden durch meine PV-Anlagen zu 100 Prozent abgedeckt, von November bis Februar kaufe ich wie zu erwarten den Strom zu, den ich den Rest des Jahres einspeise. Die Heizkosten konnten etwa halbiert werden, mehr als 1500 Liter Diesel pro Jahr werden durch die Elektrofahrzeuge nicht mehr benötigt. Für die Wärmepumpe als Hybridsystem wurden nach Abzug der BAFA-Förderung nur ca. 12000 Euro investiert, was durch ca. 80 Prozent Eigenleistung bei der Errichtung möglich wurde“, so Franz Rebein.
Benedikt Prange vom Sachgebiet Klima, Energie, Mobilität der Stadt Warstein freut sich, dass Franz Rebein sich für den Klimaschutz und die Energiewende einsetzt und diese Themen weitergeben möchte. „Wir helfen gerne, Fachleute und Gebäudeeigentümer und -eigentümerinnen zueinander zu bringen. Schreiben Sie dazu eine E-Mail an klimamanagement@warstein.de.“
Westerbergschule
In die Westerbergschule in Belecke wurde im Frühjahr ein neues, modernes Luft-Wasser-Wärmepumpe-Heizungssystem installiert. „Mit dieser Investition leistet die Stadt Warstein einen weiteren wichtigen Beitrag zum Klimaschutz“, heißt es in einer Presseinfo der Verwaltung.
Das bisherige Heizungssystem der Grundschule basierte auf drei atmosphärischen Gaskesseln, die demontiert und durch drei neue Gas-Brennwertgaskessel als Kaskade ersetzt wurden. Auch die Regelungstechnik wurde erneuert. Die Wärmepumpe hat eine Wärmeleistung von etwa 50 Kilowatt und ist somit in der Lage, die Schule bis zu einer Außentemperatur von 5 Grad Celsius allein zu beheizen. Bei niedrigeren Temperaturen werden die Gaskessel hinzugeschaltet.
Diese Investition der Stadt Warstein für den Klimaschutz beläuft sich auf rund 150000 Euro. Die Planungen erfolgten in enger Abstimmung mit dem Ausschuss für Bauen und Digitales, planerisch unterstützt hat das Ing. Büro Kombiplan, das Warsteiner Unternehmen Beilmann hat diese Baumaßnahme realisiert. „Die Stadt Warstein investiert mit dem neuen Heizungssystem in zweierlei Hinsicht in die Zukunft der Schülerinnen und Schüler: Sie erhalten gut beheizte Schulräume, gleichzeitig wird das Klima durch den Einsatz einer Wärmepumpe geschont.“
Rubriklistenbild: © Benedikt Prange




