VonDaniel Schröderschließen
Im Kreis Soest gab es 2023 erneut einen Straftaten-Rekord. Doch es gibt einen Lichtblick.
Soest – 2023 war wieder ein Negativ-Rekordjahr. 20 695 Straftaten – so viele gab es im Kreis Soest noch nie. Die Stadt Soest nimmt als Tatort eine herausragende Rolle an. Ein erster Blick auf die Zahlen für 2024 geben jedoch Grund für „vorsichtigen Optimismus“.
Vor einem Jahr nannte der Soester Polizei-Chef Thomas Link die Zahlen von 2022 „besorgniserregend“. Das Jahr 2023 setzte noch mal einen drauf – mit 20 695 Straftaten waren es mehr als zehn Prozent mehr als 2022. „Das kann nicht zufriedenstellen. Die Zahlen könnten besser sein“, formulierte es Landrätin Eva Irrgang am Mittwoch „vorsichtig“. Kripo-Chefin Marion Rumprecht sprach angesichts des Straftaten-Zuwachses um 2107 Fälle von einem „Höchststand der absoluten Fallzahlen“.
Straftaten 2023: Besonderer Anstieg in Soest
Besonders in die Höhe schoss die Zahl der Straftaten erneut in der Stadt Soest – vor allem in der Innenstadt: Schon von 2021 auf 2022 war die Zahl von 3531 auf 4772 um mehr als 1200 Fälle gestiegen. 2023 waren es noch einmal 1222 Fälle mehr – mit 5994 Straftaten kratzt das Soester Stadtgebiet an der Zahl von 6000 Fällen. Zum Vergleich: In Lippstadt, das 20 000 Einwohner mehr hat als Soest, lag der Straftaten-Zuwachs „nur“ bei 359. Immerhin: Mit 58,9 Prozent wurden in Soest fünf Prozent mehr Straftaten aufgeklärt als 2022. In Lippstadt stieg die Aufklärungsquote um 2,5 Prozent auf 58,6 Prozent. In 10 der 14 Kreis-Kommunen gab es 2023 mehr Straftaten als im Vorjahr.
Die Städte und Gemeinden, in denen es weniger Fälle gab, bilden die südliche Grenze des Kreisgebietes. „Grün“ sind die Zahlen demnach in Ense (-80), Möhnesee (-6), Warstein (-14) und Rüthen (-17). Die Kriminalitätshäufigkeitszahl – also die Zahl der Straftaten pro 100 000 Einwohner – liegt im Kreis Soest bei 6762 und damit deutlich unter dem Landes-Durchschnitt von 7789. Zum Vergleich: „In Berlin ist die Zahl doppelt so hoch wie in NRW“, unterstrich Marion Rumprecht.
Straftaten in Soest: In den meisten Fällen ging es um Diebstahl
Zurück in den Kreis Soest: In den meisten der 20 695 Fälle wurde die Polizei wegen eines Diebstahls gerufen (34 Prozent). Hauptsächlich ging es dabei um Ladendiebstähle, Diebstähle von Fahrrädern, Diebstähle aus Fahrzeugen und Taschendiebstahl. Bezüglich der Taschendiebstahls-Fälle schüttelte Landrätin Irrgang den Kopf: „Wenn ich sehe, wie Menschen ihre Handtasche frei im Einkaufswagen liegen haben – da denke ich nur: Macht es ihnen doch nicht so leicht.“
Diebstähle gab es vor allem in der Stadt Soest noch einmal deutlich mehr – in der Kreisstadt wurde eine Zunahme um 502 Fälle auf 2271 verzeichnet – vor allem in der Innenstadt. „Das ist natürlich ein Schwerpunkt“, betonte Marion Rumprecht. Im Kreis gab es außerdem 18 Wohnungseinbruchsdiebstähle mehr als im Vorjahr – insgesamt 264. In 126 dieser Fälle blieb es jedoch beim Versuch. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich sank von 25 auf 17 Prozent. Das Problem, so Rumprecht: „Es konnten keine konkreten Tatserien erkannt werden. Daher blieben die Tatverdächtigen häufig unerkannt. Sobald wir Erkenntnisse zu einer konkreten Serie haben, würde sich die Arbeit darauf fokussieren.“
Kreis Soest: Zuwachs in der Straßenkriminalität
Zugenommen hat auch die sogenannte Straßenkriminalität, zu der Raube, Körperverletzungen, sexuelle Übergriffe, Diebstähle und Sachbeschädigungen zählen. 55 Menschen wurden beispielsweise auf offener Straße ausgeraubt.
Im Bereich „Raub auf Straßen, Wegen und Plätzen“ hat sich die Zahl im Soester Stadtgebiet verdreifacht – von sechs in 2022 auf 18 in 2023. Kreisweit gab es außerdem mit 664 Fällen rund 100 gefährliche Körperverletzungen mehr als im Vorjahr.
Straftaten im Kreis Soest: Zahl der Sexualdelikte ist gesunken
Gesunken ist hingegen die Zahl der Betrugsdelikte um 135 Fälle auf 2167 – die Aufklärungsquote ist gleichzeitig von 45 auf 58 Prozent gestiegen. Marginal gesunken ist 2023 die Zahl der Sexualdelikte: So gab es insgesamt 358 Fälle – 2022 waren es 396. 2023 waren es jedoch 30 Straftaten mehr, die sich gegen die sexuelle Selbstbestimmung richteten (194). Stark gesunken ist die Zahl der Fälle, in denen es um Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung von Kinderpornografie ging. 232 Fälle in 2022 stehen 164 in 2023 gegenüber.
Straftaten 2023 im Kreis Soest: Die Tatverdächtigen
Drei Viertel der Tatverdächtigen waren laut Polizeiangaben Männer. 67 Prozent der Tatverdächtigen waren zudem Deutsche, 33 Prozent „Nichtdeutsche“.
Die Bekämpfung der Kriminalität
Die Polizei will den steigenden Zahlen vor allem mit Prävention begegnen. Präventiv und repressiv wirken zudem die vielen Schwerpunkteinsätze, die die Soester Polizei zusammen mit anderen Behörden in Soest und Lippstadt in kurzen, regelmäßigen Abständen durchführt. In der Stadt Soest sticht vor allem die Arbeit der Sonder-Ermittlungskommission „Prio“ hervor. Die fünf Beamten dieser „EK“ kümmern sich ausschließlich um Fälle, die im Zusammenhang mit der Zentralen Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge (ZUE) stehen. Dieser intensive Fokus „zeigt Wirkung“, resümierte Marion Rumprecht. Aus der ZUE wisse die Polizei von einer „kleinen Gruppe von Intensivtätern“. Die Stärke dieser Gruppe schwanke zwischen 20 und 40 Personen, „die für die Steigerung der Fälle in diesem Ausmaß verantwortlich sind“. Das Ziel der „EK Prio“: „Die Intensivtäter davon abhalten, die Taten zu begehen.“ Die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht und Ausländerbehörde sei „super erfolgreich“, so Rumprecht.
Sie betonte: „Der Schlüssel ist, die Intensivtäter von der Straße zu holen und die weitere Steigerung der Fallzahlen zu stoppen. Das ist uns – Stand jetzt – gelungen.“ Eva Irrgang verdeutlichte: „Wir lassen im Soester Bereich nicht nach. Wir werden die Situation weiterhin dauerhaft begleiten.“
Ein ermutigender Ausblick
Kripo-Chefin Rumprecht wagte einen „ganz vorsichtigen und leicht optimistischen Blick in die Zukunft, ohne Garantie“: Dafür warf die Soester Polizei einen Blick auf die Kriminalitätszahlen für die Monate Januar und Februar des laufenden Jahres. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind die Fallzahlen erstmals gesunken.
Waren es nach den ersten beiden Monaten im Jahr 2023 bereits 3926 Fälle, stehen für 2024 3704 in der Statistik – eine Abnahme um 222 Fälle. Und das bei einer erneuten Steigerung der Aufklärungsquote auf 60,6 Prozent. Rumprecht: „Das sind Zahlen, die optimistisch stimmen.“
