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Stunikenmarkt Hamm: Kirmes zurück mit Glanz, Sorgen und höheren Preisen

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Der Stunikenmarkt rückt erstmals seit 2019 wieder in die Innenstadt von Hamm. Nach außen wird es der gewohnte Trubel sein, doch hinter den Kulissen ist einiges anders als früher. Vor allem die Sorgen sind groß.

Hamm/NRW – Riesenrad, Ghost-Rider, Frisbee, Wellenflug, Musikexpress, Auto-Scooter...: Wenn am Freitag, 16. September, in Hamm der 31. Stunikenmarkt auf und rund um den Marktplatz beginnt, wird nach außen alles so aussehen wie vor Corona. 90 große und kleine Betriebe werden dort stehen, es wird stimmungsvoll leuchten und laut sein.

Die belastenden Corona-Sorgen der vergangenen zwei Jahre sind weitgehend passé. Die neuen Probleme liegen den Verantwortlichen aber kaum weniger schwer auf der Seele.

Stunikenmarkt Hamm: Probleme bei Preisen und Personal

Diese Kernprobleme heißen Preise und Personal. In Sachen Preise gibt es zwei Seiten einer einzelnen Medaille. Auf der einen steht die allgemeine Energiekostenentwicklung, wie sie nahezu jeder Hammer in diesen Tagen als Immens-Inflation brennend spürt. Dazu kommen starke Materialkostenaufschläge, nicht zuletzt wegen extrem verteuerter Containerimporte aus China. „Eine Anhebung der Preise ist daher unvermeidlich“, erklärt Uwe Röhrig die zweite Seite der Medaille. Der 64-Jährige ist Vorsitzender des Schaustellervereins „Hand in Hand Hamm e.V.“ und seit vielen Jahren „Mister Stunikenmarkt“.

31. Stunikenmarkt in Stichpunkten:

Von wann bis wann? Vom 16. bis 20. September 2022

Wo? auf dem Marktplatz und dem Santa-Monica-Platz

Wann geöffnet? Freitag 16-23.30 Uhr, Samstag 14-23.30 Uhr, Sonntag, Montag und Dienstag 14-22 Uhr

Specials? 30 Minuten freie Fahrt zur Eröffnung am Freitag, „Superhelden“-Besuch am Sonntag (anlässlich Weltkindertag), vergünstigter Familientag und abendliches Feuerwerk am Dienstag

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Stunikenmarkt in Hamm: Einiges wird teurer

Die Kirmes mag zwar noch nicht flächendeckend teurer werden, doch in Einzelbereichen wird es so sein. So hat Röhrig den Preis für 10 Lose an seinem Stand von 3,50 auf 4 Euro angehoben, gleiches gilt für das Kultkarussell Musikexpress. Für eine Fahrt mit dem 45-Meter-Riesenrad werden in diesem Jahr 6 Euro fällig (ermäßigt 4 Euro) – „etwa zehn Prozent mehr als beim letzten Mal“, so Röhrig, der durchaus ein empathisches Gespür für die Sorgen der Menschen hat: „Man stellt sich da schon die Frage, wo das noch hinführen wird – die Preise können ja nicht endlos steigen.“

Zwei glitzernde Highlights auf einem Bild: Der Autoscooter ist jedes Jahr gesetzt, das große Riesenrad kommt diesmal zurück.

Der Kirmes-Profi ist zwar in Hamm heimisch, er ist im Lauf des Jahres aber auch auf vielen anderen deutschen Rummeln vertreten. Und hat in diesem Jahr die überraschende Erfahrung gemacht, dass die Leute in der „endlich wieder quasi normalen Saison kommen und auch bereit sind, mehr Geld auszugeben“. Vor allem bei Traditionsveranstaltungen wie in Crange und auf den Düsseldorfer Rheinwiesen sei das so gewesen. Das „zumindest für uns“ gute Wetter habe sicher auch einen Beitrag geleistet, sagt Röhrig: „Wir hatten bisher eine gute Saison.“

Stunikenmarkt in Hamm: Energiesparen ausgereizt

Die allgemeinen Anstrengungen zum Energiesparen haben die Kirmesleute übrigens längst weitgehend ausgereizt. Beispiel eins: Er und viele Kollegen hätten die eigene Außenbeleuchtung „schon vor Corona“ auf LED-Technik umgerüstet; das reduziere die Kosten tatsächlich enorm. Beispiel zwei: Die Energie, die die vielen großen Wohnwagen verschlingen – laut Röhrig immerhin rund 30 Prozent der Gesamtkostenpakets – werde weitgehend dadurch kompensiert, dass die eigenen Häuser und Wohnungen während der Saison in Sachen Verbrauch quasi heruntergefahren seien. Beispiel drei: Die Imbissbetriebe verschlingen kein teures Russland-Gas, sondern das günstigere Propangas. Röhrig: „Nur bei den Karussell-Antrieben können wir natürlich nicht sparen.“

Bleibt das Stichwort Personal - wie in allen Dienstleistungsbereichen ein großer Sorgenfaktor. Weil viele, vor allem jüngere Mitarbeiter in der Corona-Zeit in vermeintlich sicherere Jobs abwanderten, sei man auch als Kirmesbetrieb zunehmend auf Aushilfen angewiesen, so Röhrig. Doch auch das gestalte sich oft schwierig: „Am Wochenende wollen viele nicht arbeiten, sondern selbst Spaß haben.“

Stunikenmarkt in Hamm: keine Ausfälle erwartet

Er sehe in seiner Branche durchaus personalmangelbedingte, manchmal auch spontane Ausfälle, erzählt der 64-Jährige von seinen jüngsten Reisen. Die Anbieter wirkten dem entgegen, indem sie Aufträge streckten oder auf einzelne Standorte bewusst verzichteten.

Zum Glück betrifft dieses Dilemma Hamm (noch) nicht. „Stand heute gibt es zumindest bei den Großgeschäften des Stunikenmarkts keine Ausfälle“, so Röhrig. Wohl aber im Bereich der Gastronomie und der Spiel-Geschäfte. Die habe man zum Glück jedoch kompensieren können.

Rubriklistenbild: © Robert Szkudlarek (Archiv)

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