VonPeter Körtlingschließen
Heimat auf der Haut: WA-Reporter Peter Körtling hat sich ein Hamm-Tattoo stechen lassen. Davon erzählt er hier. Warum? Weil wir glauben, dass auch ganz viele andere Hammer Tattoos „ihrer“ Stadt haben und sie gern mal vielen Leuten zeigen würden - öffentlich oder anonym. Wie das funktioniert, steht im Artikel!
Hamm - „Es ist die Stunde der Wahrheit: Mittwoch, 16 Uhr, mein Termin im Tattoo-Studio ‚Strassenfarbe‘, an der Wilhelmstraße 55. Ich heiße Peter Körtling, bin 47 Jahre alt und habe vor kurzem als Journalist an gleicher Stelle vom ‚Heimat‘-Aktionstag des Tattoo-Künstlers Anton Amann und seines Mitstreiters Toby berichtet.
An diesen Aktionstagen bereitet Anton viele verschiedene Entwürfe zu einem Thema vor und bietet diese zum Aktionspreis an. Zum Thema Heimat gab es vom ‚590‘-Schriftzug - angelehnt an die Hammer Postleitzahlen - über Schriftzüge wie Ruhrpott-Mädel oder -Junge, bis hin zum Dönermann am Spieß, oder einer Currywurst-Schale eine schier unerschöpfliche Auswahl.
Wo sind die Hamm-Tattoos...?
Sie haben ein Tattoo mit einem Motiv mit eindeutigem Bezug zu Hamm? Und möchten es zeigen? Dann machen Sie doch ein Foto davon und mailen es uns unter Nennung Ihres Vornamens und Ihres Alters an umfrage@wa.de, Betreff „Mein Hamm Tattoo“. (Hier geht zum Facebookpost; sie benötigen dafür einen Account.)
Das geht auch, wenn Sie selbst nicht zu erkennen sein möchten: Beschränken Sie das Foto dann einfach auf das Motiv und schreiben Sie gegebenenfalls dazu, dass Sie anonym bleiben wollen.
Wenn Sie möchten, ergänzen Sie Ihre Nachricht gern um eine kurze Begründung für eben diese Tattoo-Wahl sowie wann und wo es gestochen wurde.
Wir sammeln Ihre Zuschriften und werden sie schon bald gebündelt auf wa.de sowie ausgewählt in der Zeitung veröffentlichen. (han)
Eine Vorlage stach mir gleich ins Auge: eine EKG-Herzschlaglinie, auf deren gerader Länge ein perfekter Umriss des Hammer Glaselefanten zu sehen ist. Das gefiel mir: Zu einen schätze ich die sanften Riesen insgesamt, des Weiteren ist eine gewisse Ähnlichkeit nicht zu verleugnen, und schließlich habe ich im Maxipark, dem Standort des Glaselefanten, schon viele schöne Stunden verbracht. Ich liebäugelte aber solange, bis die Termine des Aktionstags komplett vergeben waren.
Tätowierer Toby studierte in Hamburg Grafikdesign
Darum also die Rückkehr wenige Tage später, und bald wurde es ernst: Mein Tätowierer ist Toby, ein sympathischer 30-Jähriger, der bereits seit drei Jahren bei „Strassenfarbe“ im Team ist. Zunächst stellt er fest, dass die Vorlage aufgrund meiner Ähnlichkeit zum Motiv noch etwas vergrößert werden muss. Das hat er mit wenigen Handgriffen am Computer erledigt, denn er hat – wie ich etwas später von ihm erfahre – in Hamburg Grafikdesign studiert.
Als Ort der Tätowierung habe ich mir die linke Brust ausgesucht: Zum einen passt die Herzseite doch hervorragend zum Motiv, zum anderen ist diese Stelle auch sehr alltagstauglich. Kurz die Brust rasiert, desinfiziert und mit dem Matrizen-Papier die Vorlage gesetzt, dann ein letzter Blick in den Spiegel: So soll es aussehen. Eine frische Nadel aufgesetzt, Farbe abgefüllt und es geht los.
Gespannt warte ich auf den ersten Ansatz, doch ich spüre kaum etwas und es geht los. Gelegentlich sprechen wir, aber ich will ihn nicht zu sehr ablenken. Mit einer Stirnlampe steht Toby vor mir, offensichtlich voll konzentriert, ich habe ein gutes Gefühl. Ich muss auch mal zur Seite schauen, damit der Künstler sich richtig ausbreiten kann, doch dann ist das Spiel gelaufen. Kurz gereinigt, desinfiziert, und der Blick in den Spiegel gibt mir das Kunstwerk preis.
Pflegetipps für ein einmaliges Stück Heimatliebe
Ich bin vollauf zufrieden und trage nun ein einmaliges Stück Heimatliebe mit mir herum. Zum Schluss werden mir noch Pflegetipps mit auf den Weg gegeben und etwas gescherzt. Der Blick auf manche im Laden abgebildeten Motive ringt mir Anerkennung für die Künstler ab, wobei ich auch nicht jedes an mir sehen wollte. Auf die Frage nach seinem schrägsten Motiv berichtet Toby von einem Pferd, dass jemand unmöglich gezeichnet hatte. Da es aber von seiner Freundin war, wollte der Kunde es eins zu eins so haben.
Der Blick auf ein Handyfoto des Motivs sorgt ebenso für Erstaunen wie für schallendes Gelächter. Das musste schon Liebe sein - aber ‚mein‘ Glaselefant ist mir deutlich lieber. So gehe ich nun nach Hause und bin mir über eines sicher: An diese Reportage werde ich definitiv noch lange denken.“
Rubriklistenbild: © Reiner Mroß



