- VonPia Sofie Bartmannschließen
Nach über einem Jahrhundert muss „Merten & Storck“, das älteste Industrieunternehmen in Drensteinfurt, schließen. Mit der Marke „Kochstar“ feierte der Betrieb weltweite Erfolge.
Drensteinfurt – Immer mehr Traditionsgeschäfte müssen aufgeben. Gestiegene Preise und Personalkosten, Lieferschwierigkeiten und der Einbruch von Einnahmen treiben viele Betriebe in den Ruin. Nun trifft es auch in Drensteinfurt eine echte Konstante. Nach 121 Jahren ist für „Kochstar“ alles vorbei. Ende September schließt das älteste Industrieunternehmen der Stadt seine Türen.
Traditionsunternehmen schließt nach 121 Jahren – Produkte sind weltweit bekannt
„Die Umformtechnik Merten & Storck GmbH beabsichtigt, die Produktion von Emaille-Produkten am Standort Drensteinfurt zum 30. September 2025 einzustellen und den Standort vollständig zu schließen. Diese Entscheidung ist eine Reaktion auf jahrelang rückläufige Verkaufszahlen und ein anhaltend schwieriges Marktumfeld“, teilte das Unternehmen „The Cookware Company“, zu dem Merten & Storck seit 2019 gehört, auf WA-Anfrage mit. Bereits in den vergangenen drei Jahren hätte dies zu einem deutlichen Rückgang der Produktion in Drensteinfurt sowie einem Verlustgeschäft des Betriebs geführt. Daher sehe das Management keine Alternative zur Einstellung der Produktion in Drensteinfurt.
„Dieser Schritt fällt uns schwer. Wir sind uns der Bedeutung des Standorts Drensteinfurt und des Beitrags unserer Mitarbeiter bewusst“, erklärt Jan Helskens, Vorstandsvorsitzender bei „The Cookware Company“. „Dennoch ist eine Fortführung der Produktion in Drensteinfurt unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen nicht mehr tragfähig.“
43 Mitarbeiter sind von der geplanten Schließung betroffen, sie wurden bereits im Juni über die Pläne informiert. „Im nächsten Schritt sollen Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern aufgenommen werden, um die Pläne sozialverträglich umzusetzen“, heißt es.
Geschichte des Unternehmens: Merten & Storck in Drensteinfurt
Das Emaillierwerk mit Sitz am Ladestrang wurde im Jahr 1904 von Franz Merten und Paul Storck gegründet. Damals stand vor allem emailliertes Kochgeschirr im Mittelpunkt der Produktion. 1934 folgte der Aufbau einer eigenen Stanzabteilung, um eine gewisse Unabhängigkeit von Zulieferern zu erhalten. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs stellte das Unternehmen seine Produktion vorläufig um und lieferte Munitionskisten für die Wehrmacht. Bei einem Bombenangriff wurden die Produktionshallen jedoch weitgehend zerstört.
Mit der Wiederaufnahme der Produktion ab 1945 stellte Merten &Storck Kohlenschaufeln und Kaffeeflaschen her. Erst mit dem Wirtschaftsaufschwung in den 50er Jahren legte das Unternehmen den Fokus wieder auf die Herstellung von Töpfen und Pfannen. Im Jahr 1970 wurde die Marke „Kochstar“ offiziell eingeführt. Die Vorstellung des ersten elektronischen Einkochers und Glühweintopfes folgte 1973. Sie war international ein Erfolg und machte „Kochstar“ zu einem der führenden Hersteller für Einkochtechnik. Noch heute werden Töpfe der Marke auf zahlreichen Weihnachtsmärkten verwendet.
1980 stockte das Unternehmen seine Produktion durch die Anschaffung einer vollautomatischen Zwei-Farben-Email-Auftragsmaschine mit integriertem Unterflur-Umkehrofen auf. Das ist eine Maschine, die automatisch zwei Farben Emaille auf Töpfe oder Pfannen aufträgt und sie anschließend in einem eingebauten Ofen gleichmäßig erhitzt, damit die Beschichtung fest wird.
Produktionsgelände: Zukunft des Standorts unklar
Mit der Jahrtausendwende kam das Unternehmen erstmals in wirtschaftliche Turbulenzen. 2001 erweiterte Merten & Storck ihre Produktion auf die Herstellung von Bauteilen für die deutsche Automobilindustrie. 2007 übernahm die Omeras GmbH den Betrieb, bevor das Unternehmen 2019 in den Besitz der belgischen „The Cookware Company“ überging, mit dem Ziel, die Zusammenarbeit mit Vertriebspartnern weltweit auszubauen.
Trotz der Pläne zur Weiterentwicklung habe das Unternehmen laut Prokurist Angold Eichler bereits seit einigen Jahren mit Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt. So hätten ausbleibende Lieferungen während der Corona-Pandemie, die Abhängigkeit von Importen – beispielsweise bei Glasdeckeln aus China – und die aufgrund des Kriegs in der Ukraine horrende gestiegenen Preise für Rohstoffe wie Stahl die Herstellung erschwert. Wie das Areal nach der Schließung weiter genutzt werden soll, ist derzeit noch offen. Das Gelände befindet sich im Besitz von Klaus Storck, Nachfahre des Firmenmitbegründers.
In einer der ehemaligen Lagerhallen von „Merten & Storck“ entsteht derzeit eine neue Rossmann-Filiale. Auch „Andrés Auszeit“ am Marktplatz in Drensteinfurt ist ab sofort geschlossen. Die Betreibergesellschaft meldet Insolvenz an. Noch ist unklar, wie es weitergeht.