Kraftwerk in Uentrop

Trianel: In Hamm wird weiter aus Gas Strom - Umrüstung für Wasserstoff geplant

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Die beiden Abgaskamine des Kraftwerks in Uentrop ragen 60 Meter in die Höhe.
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  • Jörn Funke
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Während alle Welt Gas sparen soll, wird der begehrte Stoff in Uentrop einfach verheizt. Das dortige Gas- und Dampfturbinenkraftwerk läuft trotz Gaskrise – und zwar, um das Stromnetz zu stabilisieren, wie der Betreiber Trianel versichert. Im Herbst solle die Anlage dann fit für den Betrieb mit Wasserstoff gemacht werden.

Hamm – Die Stromproduktion mit Gas zu stoppen, hatte Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) unlängst gefordert. In der Anlage im Uentroper Gewerbegebiet wird seit 15 Jahren Strom aus Gas gewonnen. Aktuell läuft das Kraftwerk regelmäßig, aber nicht täglich.

Trotz Auslastung von unter 30 Prozent wohl rentabel

Die Anlage decke Spitzenlasten ab, sagt Trianel-Sprecherin Ingela Marré. Sie werde hochgefahren, wenn Wind und Sonne zu wenig Strom liefern. „Wir hatten im ersten Halbjahr 1 100 Betriebsstunden“, sagt die Sprecherin. 8.000 sind binnen eines ganzen Jahres möglich. Bleibt es bis Ende 2022 beim bisherigen Betriebsumfang, käme das Kraftwerk auf eine Auslastung von 27,5 Prozent und wäre damit wohl rentabel.

Der Stadtwerke-Verbund Trianel will trotz Krise am Uentroper Kraftwerk festhalten. Die kriegsbedingten Verwerfungen an den Energiemärkten sehe man als vorübergehend an, sagt Marré. Im Falle eines Gas-Embargos könne der Betrieb zwar eingeschränkt werden, das werde allerdings zeitlich begrenzt sein.

Abhängigkeit von russischem Gas 2024 reduziert? Trianel setzt auf Wasserstoff

Mittelfristig werde die Stromversorgung weiterhin auf Gaskraftwerke angewiesen sein, so die Sprecherin. Ihre Bedeutung werde durch den Atom- und Kohleausstieg noch zunehmen. Die Abhängigkeit von russischem Gas werde Mitte 2024 deutlich reduziert sein, sagte sie unter Berufung auf das Bundeswirtschaftsministerium.

Zudem ist da noch der neue Energieträger Wasserstoff. Uentrop soll ein Zentrum dieser Technologie werden. Bis 2024 wollen Trianel und die Hammer Stadtwerke auf dem Kraftwerksgelände eine Anlage zur Erzeugung von Wasserstoff errichten. Aktuell laufe dafür noch eine Machbarkeitsstudie, sagte Marrés Kollegin Dr. Nadja Thomas.

Dafür werde das Gaskraftwerk in absehbarer Zeit fit für den Wasserstoffbetrieb gemacht. Im Herbst stehe dort nämlich eine große Revision an. Die Generatoren würden ausgetauscht und die neue Anlage sei dann auch in der Lage, Wasserstoff zu verbrennen.

Gewinnausschüttung für die Hammer Stadtwerke

Dass die Betreiber das Uentroper Kraftwerk für zukunftsfähig halten, zeigen auch Veränderungen in der Gesellschafterstruktur. Zwei niederländische Gesellschafter sind dort jüngst ausgestiegen, weil sie sich energiepolitisch neu orientieren wollen. Ihre Anteile an der Trianel Gaskraftwerk Hamm GmbH & Co. KG von zusammen 3,4 Prozent hat Trianel als Hauptgesellschafter übernommen, und an Trianel halten wiederum die Hammer Stadtwerke einen 1,12-Prozent-Anteil.

Trianel erwarte wie in den vergangenen Jahren weitere substanzielle Gewinnausschüttungen aus dem Betrieb des Kraftwerks, sagte Sprecherin Marré. Von denen könnten dann auch die Gesellschafter der Trianel GmbH über Gewinnausschüttungen profitieren. Auch den Hammer Stadtwerken winkt so Geld aus der Gasverstromung.

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