Folgen der Trockenheit

Mais hat Lücken, Pommes werden kürzer: Die Sorgen der Hammer Landwirte

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Tolle Knolle? Auf Hammer Böden wachsen derzeit eher kleine Exemplare heran. Schuld ist die Trockenheit.
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Unterdurchschnittliche Ernte, leere Maiskolben und Kartoffeln, die am Ende nur für kurze Pommesstifte reichen: In der Landwirtschaft in Hamm läuft es alles andere als gut.

Hamm – „Alles steht und fällt mit dem Wasser. Es hat einfach zu wenig geregnet“, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe, Hans-Heinrich Wortmann. Von Trockenheit könne man schon nicht mehr sprechen. „Es ist schon eher eine Dürre.“

Der Landwirtschaft fehlt Regen: Aus Grünland wird Braunland

Der fehlende Regen bleibt nicht ohne Folgen für die Felder und Weiden in Hamm. Aus dem saftigen Grünland, wo die Pferde von Landwirt Hugo Rittmeier stehen, ist Braunland geworden. „Die Tiere stehen dort eigentlich nur noch für die Bewegung und um Staub zu atmen“, sagt der Heessener Landwirt lachend. Fressen würden die Pferde das vertrocknete Gras – oder was davon übrig ist – nicht.

Die Hälfte des Grünland-Ertrages wegen der Trockneheit verloren

Das Futter baut Rittmeier, der neben Pferden auch Mastschweine und Ferkel zu seinem landwirtschaftlichen Betrieb zählt, auf seinen eigenen Ackerflächen an. Wegen der Dürre habe er die Hälfte seines Grünland-Ertrages in diesem Jahr verloren, ist sich Rittmeier sicher. Schon jetzt muss er deshalb seine Vorräte verfüttern, die eigentlich für den Winter vorgesehen waren. „Mit den Reserven werde ich bis zum nächsten Sommer auskommen“, sagt er. „Mit dem finanziellen Verlust muss ich leben.“ Normalerweise würde Rittmeier einen Teil seiner Ernte weiter verkaufen. Jetzt sehnt er sich den Regen dringend herbei: Sonst gehen die angesäten Raps- und Grünlandfelder nicht auf.

Trotz vertrockneter Pflanzen sind die Kolben gut gefüllt: Landwirt Hugo Rittmeier in seinem Maisfeld in Heessen.

Anders als bei vielen seiner landwirtschaftlichen Kollegen hält sich der Verlust auf dem Maisfeld des Heessener Landwirts noch in Grenzen. Seine Pflanzen stehen gut beschattet und auf einem Tonboden, der mehr Wasser speichern kann als Sandböden. Ton- oder Lehmböden gibt es in Hamm jedoch nicht überall. Im Hammer Osten, wo es vornehmlich leichte Sandböden gibt, sei bislang nur eine unterdurchschnittliche Getreideernte eingefahren worden, sagt Landwirte-Regionalchef Wortmann. Und auch beim Mais gebe es ein Drittel weniger Erträge als sonst.

Bei Landwirt Andreas Eckmann in Sandbochum hat die Maisernte bereits am Freitag begonnen -- gut drei Wochen früher als üblich. Schon jetzt seien die Körner aufgrund der Trockenheit sehr hart, die Pflanzen vertrocknet und braun. Nicht jeder Kolben, der Energielieferant der Futterpflanze, ist lückenlos gefüllt.

Der Boden mit hohem Sandanteil macht Eckmann auch auf seinem Kartoffelfeld zu schaffen. Die Knolle besteht zu 95 Prozent aus Wasser. Mit Unterstützung eines befreundeten Landwirtes und einem Wassertank auf dem Trecker muss er deshalb nachhelfen. Das Wasser stammt aus dem Kanal. Dafür hat Eckmann eine Genehmigung. Fünfmal habe er bereits Wasser auf sein Feld bringen lassen; das sind ungefähr zehn Liter pro Quadratmeter. „Das hilft ein bisschen“, sagt Eckmann. „Aber so ein schöner Landregen wäre vernünftiger.“ Verlust habe er in diesem Jahr trotzdem gemacht. Und: Die Knollen sind deutlich kleiner. „Die Kartoffel ist unser wichtigstes Stück“, sagt er. In seinem Hofladen „Eckmanns Kartoffelkiste“ verkauft er die beliebten Knollen.

Auch bei Regionalchef Wortmann in Kamen-Methler hat die Hitze das Kartoffel-Wachstum gebremst. Auf seinem Feld baut der Landwirt Pommeskartoffeln, sogenannte Veredelungskartoffeln, für die Fast-Food-Kette McDonald’s an. Da die Kartoffeln dieses Jahr im Schnitt kleiner seien, werde auch die durchschnittliche Pommes frites kürzer. Wortmann geht davon aus, dass seine Knollen die für die Verarbeitung erforderlichen 40 Millimeter Länge nicht erreichen werden. Er hofft auf eine Kompromisslösung.

Auch wenn die Knollen im Vergleich zum Vorjahr kleiner sind, kosten sie in Eckmanns Hofladen in diesem Jahr mehr. Grund dafür sind auch die gestiegenen Energie- und Stromkosten. Darüber hinaus seien auch die Preise für Dünger exorbitant in die Höhe geschnellt, sagt Eckmann. Ohne Dünger wachse nun einmal keine Knolle. Eckmann: „Wir Landwirte wollen keine Millionäre werden, aber wir müssen schon zusehen, dass wir wenigstens mit einer schwarzen Null abschließen.“ In Zukunft müsse er mit Blick auf den Klimawandel und den Sandboden sehen, was er auf seinen Feldern überhaupt noch anbauen kann. „Wir müssen das Beste daraus machen.“

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