VonAlexander Schäferschließen
Die Hans-Böckler-Stiftung hat sich die Wahlerfolge der AfD angeschaut und untersucht, mit welchen Themen die Rechtsaußen punkten. Drei Themen stechen heraus.
Hamm - Bei der Bundestagswahl holte die AfD 20,8 Prozent der Zweitstimmen – exakt doppelt so viel wie bei der vorletzten Wahl. Bei den Kommunalwahlen in NRW am Sonntag, 14. September, könnte die Rechtsaußen-Partei ihr landesweites Ergebnis von 2020 von 5 auf 15 Prozent verdreifachen. Wie erklärt sich dieser Zuspruch für eine Partei, die NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) als „Nazi-Partei“ bezeichnet und über deren Verbot diskutiert wird?
„Es gibt bestimmte Rahmenbedingungen, die der AfD Auftrieb geben“, sagte Prof. Dr. Bettina Kohlrausch unserer Zeitung. Sie ist die wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung und hat im November 2023 eine Studie veröffentlicht, die den Anstieg der AfD-Wahlbereitschaft beleuchtete.
Expertin: AfD nutzt Transformationsängste für sich
Schlechte Arbeitsbedingungen, Ablehnung von Migration und Misstrauen gegenüber staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen sind demnach bei AfD-Wählern ausgeprägt. Man wisse zum Beispiel, dass die AfD Transformationsängste sehr erfolgreich für sich mobilisiert. „Gerade im Ruhrgebiet steckt den Menschen die Erfahrung des Ausstiegs aus der Kohle noch in den Knochen.
Gleichzeitig sehen wir etwa am Beispiel der Stahlindustrie, wie sehr die Region auch von aktuellen Umbrüchen betroffen ist“, so Kohlrausch. Einen Beitrag zum AfD-Erfolg leistet aus Sicht der wissenschaftlichen Direktorin auch die politische Konkurrenz.
„Dort, wo auch demokratische Parteien stark auf das Thema Migration als Problem setzen und sich in Forderungen und der Tonalität der AfD annähern, stärkt das in der Regel die AfD.“ Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung stellte bei der Bundestagswahl ein „Vordringen“ der AfD „in neue Schichten außerhalb ihrer rechtsradikalen Kernwählerschaft“ fest.
Der AfD sei es gelungen, in erheblichem Ausmaß „ehemalige Wählende der politischen Mitte“ anzusprechen. So wählten rund 60 Prozent 2021 noch CDU/CSU, SPD oder FDP, wobei die FDP an der Spitze steht: Knapp 22 Prozent derer, die sich 2025 neu für die AfD entschieden haben, hatten zuvor FDP gewählt. Auch von Nichtwählern konnte die AfD hinzugewinnen: 15 Prozent der neuen AfD-Wähler sind 2021 nicht zur Wahl gegangen.
Migration ist für AfD-Anhänger Thema Nummer eins
Punkten konnte die AfD zuletzt stärker bei Frauen als zuvor. Unter denjenigen, die erst bei der jüngsten Bundestagswahl zur AfD gewechselt sind, lässt sich erstmalig kein Männerüberschuss mehr aufzeigen. Verglichen mit der Stammwählerschaft – männlich, mittelalt, niedriger bis mittlerer Schulabschluss, häufig aus Ostdeutschland – sind verstärkt auch Westdeutsche und Menschen in der Altersgruppe von 56 bis 65 Jahren hinzugekommen.
Die Migration bleibt laut Böckler-Stiftung das Thema Nummer eins für AfD-Anhänger. Einer Befragung zufolge wollen 95 Prozent der AfD-Wählenden die Einwanderung stärker begrenzen. „Remigration“ wird von rund 70 Prozent gutgeheißen.
Besonders im Ruhrgebiet könnte die AfD bei der Kommunalwahl 2025 stark zulegen. Gerade in SPD-Hochburgen droht ein Machtwechsel. Ein Experte warnt aber vor voreiligen Schlüssen.
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