Bahnstrecken gesperrt

„Eines der heftigsten Unwetter der letzten Jahrzehnte“ – Bewohner in Häuser eingeschlossen

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Nach der seltenen Schwergewitterlage am Samstag gab es viele Einsätze in NRW. Die Unwetter sorgten für Bahnsperrungen und Überflutungen. Den Kreis Lippe traf es besonders hart.

Hamm - Vollgelaufene Keller, Brände und Bahnsperrungen nach Blitzeinschlägen, abgesagte Veranstaltungen: Heftige Unwetter zogen am Samstagabend, 29. Juni, über Nordrhein-Westfalen hinweg. Die Schwergewitterlage, die nach Angaben der Deutschen Wetterdienstes (DWD) nur „ein- bis zweimal im Jahr“ in Deutschland vorkomme, sorgte für zahlreiche Einsätze in NRW.

„Eines der heftigsten Unwetter der letzten Jahrzehnte“ – Bewohner in Häuser eingeschlossen

Den Kreis Lippe traf es in der Nacht zu Sonntag besonders hart. In Bad Salzuflen waren rund 130 Kräfte über Stunden im Einsatz. Nachdem eine erste Gewitterzelle gegen 1 Uhr vergleichsweise glimpflich vorüberzog, traf gegen 3 Uhr eine weitere Zelle „mit deutlicher Wucht ein“, schildert die Feuerwehr. Es wurde Vollalarm ausgerufen.

Vor allem im Ortsteil Wüsten wurden Straßen überflutet und Gegenstände von den Wassermassen mitgerissen. In einem vollgelaufenen Keller dehnten sich dort gelagerte Holzpellets aus und sorgten für Risse in der Fassade. „Ein Experte des Technischen Hilfswerks musste angefordert werden, um die Statik des Gebäudes prüfen zu können. Um die Mauern zu entlasten, wurde ein Spezialfahrzeug angefordert, um die Pellets aus dem Keller abpumpen“, schildert die Feuerwehr.

„Zum Teil stand das Wasser bis zu 80 Zentimeter hoch. Um eine Gefahr für die Bewohner und Einsatzkräfte auszuschließen, musste in einigen Fällen in den Gebäuden der Strom durch die Stadtwerke abgestellt werden“, heißt es weiter. In zwei Fällen mussten noch Bewohner aus ihren Häusern befreit werden, die durch Wassermassen eingeschlossen waren. Verletzt wurde nach ersten Informationen niemand. Laut Feuerwehr war es eines der heftigsten Unwetter in Wüsten der letzten Jahrzehnte.

Seltene Schwergewitterlage in NRW: Fußballfans in Dortmund evakuiert

Die Unwetterlage war von den Meteorologen lange angekündigt gewesen. Trotzdem hatten die Menschen in NRW bis zuletzt gehofft, dass etwa das EM-Spiel der Deutschen in Dortmund nicht von den Gewittern getroffen werde – ebenso wie die zahlreichen Public Viewings im Land. So verfolgten fast 50.000 Fans allein in den offiziellen Fan Zones in Dortmund das Achtelfinale der DFB-Elf gegen Dänemark.

Doch es kam, wie es kommen musste: Noch in der ersten Halbzeit wurde die Partie unterbrochen. Dunkle Wolken zogen über dem Westfalenstadion auf, der Donner war selbst über den Livestream deutlich zu hören. Gleichzeitig wurden auch die Fan Zones in Dortmund evakuiert und dicht gemacht. Nachdem das Unwetter vorübergezogen, herrschte ausgelassene Stimmung in Dortmund – die Fans ließen sich nicht unterkriegen und feierten auf den Straßen und in den Kneipen der Stadt weiter.

Für die Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, die beim Fanfest in der Fanzone in Dortmund vor einer Leinwand stehen, ist die TV-Übertragung wegen eines Unwetters beendet worden. Ein Blitz ist am dunklen Himmel zu sehen.

Seltene Schwergewitterlage in NRW: Blitzeinschläge und Überflutungen durch Unwetter

Darüber hinaus kam es auch im Rest von NRW zu Einsätzen für die Feuerwehr sowie zu Einschränkungen im Bahnverkehr und auf den Straßen. Ein Überblick:

  • Am Hauptbahnhof Dortmund sowie auf der Bahnstrecke zwischen Dortmund und Hamm sind nach Angaben der Bundespolizei Blitze eingeschlagen. Menschen seien nach ersten Erkenntnissen nicht verletzt worden. Es kam zu einer kurzzeitigen Sperrung der Bahnstrecke, die aber nach einer Prüfung wieder freigegeben wurde. Am Hauptbahnhof kam es demnach nicht zu größeren Schäden.
  • Ebenfalls wegen eines Blitzeinschlags war die Bahnstrecke zwischen Hannover und Minden in der Nacht über Stunden gesperrt gewesen. Am Morgen sagte ein Bahnsprecher, der Abschnitt sei wieder freigegeben worden.
  • In Schloss Holte-Stukenbrock im Kreis Gütersloh liefen mehrere Keller voll, knickte der starke Wind Bäume und Äste um.
  • Auch in Hennef im Rhein-Sieg-Kreis musste die Feuerwehr zu vom Sturm verursachten Hindernissen auf den Straßen ausrücken. Dort gab es auch einen größeren Brand auf einem Firmengelände. Unklar war dabei, ob das Feuer durch einen Blitzeinschlag ausgelöst worden war. Eine Person sei ins Krankenhaus gekommen, teilte ein Feuerwehrsprecher mit.
  • In den ostwestfälischen Kreis Höxter und Minden-Lübbecke gab es vereinzelt Einsätze, weil Regenwasser in Keller eingedrungen war, wie es hieß.
  • In Münster fiel ein Baum auf die Oberleitung der Bahnstrecke Richtung Coesfeld. Außerdem musste das Rockfest Vainstream abgebrochen werden.
  • Auch im Hochsauerlandkreis hatten die Helfer Einsätze wegen eines überfluteten Tunnels und mehrerer umgestürzter Bäume.

 Über die Nacht hinweg zog das Unwetter weiter Richtung Nordosten. Laut DWD sind am Sonntag in der ersten Tageshälfte noch einzelne Gewitter mit Starkregen nicht ausgeschlossen. In der Nacht zum Montag müsse von Westen her erneut mit „auflebender Schauertätigkeit“ gerechnet werden. Kurze Gewitter seien aber nur gering wahrscheinlich.

Rubriklistenbild: © Alexander Wolf/dpa

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