- VonFrank Osiewaczschließen
Ja, insgesamt ging die Zahl der Verkehrsunfälle in Hamm im Jahr 2022 zum Glück zurück. Doch es gibt Auffälligkeiten und Veränderungen.
Hamm – Vier Menschen haben 2022 in Hamm in Folge von Verkehrsunfällen ihr Leben verloren. „Das ist von großer Dramatik. Hier müssen wir alles tun, damit diese Zahl künftig auf Null zurückgeht“, sagte Polizeipräsident Thomas Kubera bei der Präsentation der Verkehrsunfallbilanz 2022. Die Zahl der Verkehrsunfälle in Hamm ist betrachtet über die vergangenen sechs Jahre im Trend insgesamt rückläufig. Sorge bereiten steigende Unfallbeteiligungen von Pedelec- und Scooter-Fahrern.
„Größte Priorität genießt der Schutz von Kindern, sowohl in der Prävention als auch in der Ahndung von Verstößen“, so Kubera. Statistisch gesehen ereignet sich in Hamm insgesamt alle 15 Minuten ein Regelverstoß im Straßenverkehr. 2022 hat die Polizei in Hamm verteilt über die Stadtteile sieben Unfallbrennpunkte ausgemacht. Die weiteren Eckdaten der Statistik:
Verunglückte 2022
Leichtverletzte (ambulante Behandlung): 604 (2017: 625; 2019: 646); Schwerverletzte (stationäre Behandlung): 140 (2017: 149; 2018: 174); Todesfälle: 4 (2021: 4); junge Erwachsene (18 bis 24 Jahre): 111 (2017: 136; 2019: 133); verunglückte Kinder (0 bis 14 Jahre): 77 (2017: 74; 2019: 84); die Zahl schwer verletzter Kinder blieb mit 11 im Vergleich zu den Vorjahren konstant; verunglückte Kinder, die aktiv am Straßenverkehr teilgenommen haben: 48 (davon 28 Radfahrer). Die Vorjahreszahlen entsprechen in etwa diesen Werten; Senioren (ab 65 Jahre): 83 (2017: 85; 2018: 108); das ist der niedrigste Wert in sechs Jahren; es verunglückten mehr Senioren mit dem Rad oder Pedelec als mit dem Auto.
Verkehrsunfälle
Unfälle 2022 insgesamt: 5 796 (2017: 6 210; 2019: 6 654); Unfälle unter Alkohol- oder Drogeneinfluss: 78 (Alkohol), 5 (Drogen); beide sind im Trend rückläufig.
Pedelecs und Scooter
Die Zahl der Unfälle mit Pedelecs nimmt seit 2017 kontinuierlich zu, die mit klassischen Fahrrädern im Trend ab: Unfälle mit Pedelecs 2022: 68 (2017: 16; 2019: 40); die Ursache liegt in der zunehmenden Verbreitung von Pedelecs. Unfälle mit Scootern: 17 (2020: 3; 2021: 9; vorher keine Unfälle erfasst); die Polizei geht bei Unfällen mit Scootern von einer erheblichen Dunkelziffer aus. These: „Die Vorsichtigkeit im Umgang mit dem Verkehrsmittel nimmt ab.“
Unfallbrennpunkte
Orte mit mindestens drei Unfällen pro Jahr, mit Verletzten oder erheblichem Sachschaden: Richard-Wagner-Straße/Fritz-Reuter-Straße (Hamm-Süden); Wittekindstraße/Am Lausbach (Bockum-Hövel); Alter Uentroper Weg/Ostwennemarstraße (Werries); Südring/Westhofenstraße/Sedanstraße (Mitte); Kamener Straße/Weetfelder Straße (Wiescherhöfen); Opsener Straße/Goebel-von-Drechen-Straße (Drechen); St.-Georgs-Platz/Ludwig-Teleky-Straße (Hamm-Osten). In der Regel handelt es sich Vorfahrtsmissachtungen. An der Einmündung Kamener Straße/Weetfelder Straße ist die Ampelanlage nach Absprache mit der Stadt nun wieder dauerhaft geschaltet.
Regelverletzungen
Verstöße insgesamt, die polizeilich geahndet wurden: 35 135. Das entspricht einem Regelverstoß alle 15 Minuten. Geschwindigkeit: 20 304 (Höchstwert der vergangenen sechs Jahre); Alkohol/Drogen: 388 (zweithöchster Wert); 223 Verstöße wegen Drogenkonsums (zweithöchster Wert), 165 Alkohol; Handy: 2 529 (im Schnitt); sonstige Verstöße (zum Beispiel Vorfahrtsmissachtung, Abbiegen, Sicherheitsgurte): 12 029 (zweitniedrigster Wert).
Illegale Autorennen
2022: 25 (im Trend steigend; 2019: 11; 2021: 21); darunter 11 klassische Rennen und 14 Fluchten vor der Polizei; dabei sieben Unfälle und ein Leichtverletzter; in NRW starben bei illegalen Rennen 2022 zwölf Menschen.
Unfallfluchten
2022: 1 308 (2018: 1 359; 2019: 1 446); im Trend rückläufig; von den 1 308 Fällen wurden 503 aufgeklärt (38,5 Prozent; Vorjahr: 43 Prozent); Polizeipräsident Kubera: „Das Entfernen vom Unfallort ist ausgesprochen ärgerlich und sozial schädlich.“ Unfallfluchten mit Verletzten: 51 (32 davon aufgeklärt; 63 Prozent); im Trend stagnierend bis minimal rückläufig (2018: 57; 2019: 61).
Prävention
Altersgruppe Kinder: Radfahrausbildung 4. Klasse (1 394 Teilnehmende); Fußgängerführerschein „Kinder in der Stadt“ (743); Tempo-30-Aktionen vor 18 Grundschulen; Radfahrschulung in 5. Klassen (700 Teilnehmende).