Der Krieg in der Ukraine hält weiter an, aber auch die Mahnwache der „Seebrücke“ vor der alten Post. An der jüngsten Versammlung am Sonntag, 22. Oktober, nahm auch Bürgermeister Carsten Grawunder teil - aus einem besonderen Grund.
Drensteinfurt – Mehr als 600 Tage ist der Angriff Russlands auf die Ukraine her, schon länger trifft sich in Drensteinfurt die Mahnwache für den Frieden. Jeden Sonntag um 12 Uhr stehen die Mitglieder der „Seebrücke“ zusammen mit Geflüchteten und Interessierten vor der Alten Post. Gemeinsam beten sie, singen, schweigen, trauern oder machen Musik.
Obwohl lange Zeit das Leid der Menschen in der Ukraine im Vordergrund stand, solidarisieren sich die Teilnehmer der Mahnwache auch mit den Menschen in weiteren Terror- und Kriegsgebieten wie im Iran, Palästina und Israel.
Ukrainer überreichen Urkunde an Bürgermeister Grawunder
Am vergangenen Sonntag gab es im Rahmen der Mahnwache eine Besonderheit. Als Zeichen der Dankbarkeit und Wertschätzung für die große Unterstützung der Menschen in der Ukraine, aber auch der Soldaten an der Front durch Geld- und Sachspenden, haben die Ukrainer aus ihrem Land Urkunden für die Mitglieder der Seebrücke und für Bürgermeister Carsten Grawunder, als Stellvertreter für alle Drensteinfurter Unterstützer, mitgebracht.
Um den Rahmen etwas feierlicher zu machen, war die ukrainische Violinistin Iya Chetvertak gekommen, die mit einigen Stücken auf der Geige – unter anderem ein ukrainisches Musikstück und die Melodie aus „Schindlers Liste“ von John Williams – viele ihrer Landsleute zu Tränen rührte.
In einem Gebet bat Birgit Laubrock um Frieden für die Welt. „Wir alle glauben an den einen Gott, ob er sich Allah, Gott oder Elohim nennt“, erinnerte sie eindringlich.
Bürgermeister Carsten Grawunder zeigte sich geschockt über die aktuellen kriegerischen Konflikte. „Es ist fruchtbar zu sehen, was ein Menschenleben für einige wert ist“, sagte er. Statt zu kämpfen, sollten die Länder sich vielmehr darum sorgen, den Planeten zu bewahren. Auch wenn es verständlich sei, sich nach einem Angriff zu wehren, sollte doch eine gewaltfreie Lösung bei kleinen und großen Konflikten Priorität haben, so Grawunder.
Grawunder lobt die große Solidarität
Erfreut zeigte er sich über die große Solidarität der Seebrücke, aber auch der Geflüchteten. Aus den Beziehungen seien Freundschaften entstanden. Dann versprach der Bürgermeister: „Ich bete jeden Tag, dass der Krieg in der Ukraine zu Ende geht. Seien Sie sich unserer Freundschaft und Solidarität über den Krieg hinaus gewiss.“
Vira Golowtschenko berichtete von den neuen Projekten, bei denen ihre Landsleute auf Unterstützung aus Deutschland angewiesen sind. So werden in den nächsten Tagen Pakete mit haltbaren Lebensmitteln, Medikamenten und warmer Unterwäsche und Socken verschickt. Um weitere Projekte wie die Anschaffung einer rund 4 000 Euro teuren Drohne und ein neues Auto für den Transport von Flüchtlingen aus gefährdeten Gebieten zu realisieren, sammeln die aus der Ukraine Geflüchteten weiterhin Spendengelder. „Wir sind aber auch für warme Unterwäsche und Socken dankbar“, erklärt Golowtschenko. Weiter nutze man jede Gelegenheit, Spendengelder zu sammeln. So sind die Frauen der Ukraine-Hilfe auf jedem Fest, zuletzt beim „Moonlight Shopping“, mit einem Stand vertreten, um Selbstgemachtes wie Marmelade, Gebäck oder Dekoartikel zu verkaufen. mew
Info
Wer die Ukraine-Hilfe unterstützen möchte, kann dem Verein „Ukraine in Not Münster“ IBAN: DE22 3701 0050 0997 8715 09 unter dem Verwendungszweck „Drensteinfurt“ Geld spenden.
