- VonTorsten Haarmannschließen
Die Befürchtung geistert seit Jahren durch Uentrop: Mit dem Neubau der Lippebrücken droht ein Verkehrschaos. Ein neuer Autobahnanschluss könnte die Rettung sein. Eine kühne Idee, aber nicht abwegig, wie sich zeigt.
Hamm – Eine neue Anschlussstelle für eine Autobahn baut man nicht mal eben. Und doch scheint in Hamm kein Weg an einer südlichen Zu- und Abfahrt am Gewerbegebiet Uentrop vorbeizuführen. Sonst droht ein Verkehrschaos. Ein neuer Anschluss an der Autobahn 2 und noch dazu in kurzer Zeit? Ein kühnes Vorhaben. Stadt und Uentroper Lokalpolitiker sind dennoch entschlossen.
In voraussichtlich drei Jahren werden die maroden Lippebrücken in Uentrop ersetzt. Um die Bauzeit zu verkürzen, ist eine Vollsperrung unumgänglich – und das bis zu drei Jahre auf der Verkehrsader zwischen Autobahnanschluss Uentrop in Lippetal und Gewerbegebiet Uentrop.
„Wir haben 10 .000 Fahrzeuge auf der Zollstraße, etwa 1.800 Lkw am Tag, die wir alle irgendwie woanders herleiten müssen“, sagte die städtische Straßenplanerin Catrin Schultenkamp. Sie stellte der Bezirksvertretung Uentrop am Donnerstag den Stand der Planung vor.
Neue Lippenbrücken in Uentrop
Das „Irgendwie“ zeigt das Problem. Es mangelt an brauchbaren Umleitungsstrecken. Die nächste Brücke, Haarener Weg, ist „nicht schwerlasttauglich“, die Fährstraße durch den Kurpark „technisch machbar, aber gewünscht?“ Bleibt die Münsterstraße, die aber schon heute stark belastet ist und letztlich eine Umleitung von 23 Kilometern bedeuten würde. In Richtung Osten über Lippetal und die teils engen Straßen um Vellinghausen wären es rund 15 Kilometer. „Wir können nichts schönreden, es wird eine Belastung“, sagte Schultenkamp.
Das Schreckensszenario der Umleitung geistert seit langem durch Uentrop und das Gewerbegebiet. Die FDP nennt den neuen Autobahnanschluss seit mehr als einem Jahr „alternativlos“. Die Brückenplaner der Stadt sind in der Zwischenzeit tätig geworden.
Neue Brücken in Uentrop: Neuer Autobahnanschluss
Vergleichsweise einfach könnte der Anschluss in Fahrtrichtung Oberhausen entstehen. Die städtischen Planer verwendeten dafür die Zu- und Abfahrt des Rastplatzes Im Großen Klei. Die Erschließung könnte von der Frielinghauser Straße abzweigen. Sie würde allerdings geschützte Biotope und Feuchtwiesen durchkreuzen. Das hielt die städtischen Mitarbeiter nicht davon ab, die Grobplanung bei der Bundesbehörde vorzulegen.
Ihr Antrag sei zwar von der zuständigen Verkehrsanordnungsbehörde negativ beschieden worden, aber die Stadt gebe nicht auf. „Wir legen Widerspruch ein“, sagte Parkner, Sachgebietsleiter Brückenbau. „Wir wollen als Stadt weitergehen. Wir werden das mit allen Möglichkeiten versuchen.“ Die gleichen Signale kamen parteiübergreifend aus der Bezirksvertretung.
Neue Brücken in Uentrop:
Ein Autobahnschluss in Fahrtrichtung Hannover wäre noch schwieriger, auch wenn es bereits eine Feuerwehrzufahrt gibt. Dennoch soll auch diese Option geprüft werden.
FDP-Bezirksvertreter Wilhelm Walther hob die große Bedeutung eines neuen Anschlusses mit Blick auch für das geplante Industriegebiet Westfalen in Lippetal hervor, an dem die Stadt Hamm beteiligt ist. Eine südliche Anbindung brächte der Anschlussstelle in Lippetal die erforderliche Entlastung.
Ungeklärt ist, wer einen neuen Autobahnanschluss bezahlen wird. Eigentlich ist der Bund zuständig. Auch eine nur dreijährige Planungszeit bedeutet eine Herausforderung.