VonDirk Wilmsschließen
Es war zunächst eine trockene, staubige Angelegenheit, als sich der Bauausschuss am Hacheney in Nateln traf. Vom Acker in der Nähe wehte eine von einem Traktor aufgewirbelte Staubfahne übers Land, als der Zustand des nördlich Richtung Brunnenstraße führenden Wirtschaftsweges diskutiert wurde. Später, bei der Sitzung im Ratssaal, wurde es eine eher feuchte Angelegenheit. Denn etliche Bürger aus Borgeln machten ihrem Unmut Luft, dass ihnen bisweilen das Wasser bis zum Hals steht.
Welver – Ausschussvorsitzender Udo Stehling und Bürgermeister Camillo Garzen hatten einen Weg gefunden, dem guten halben Dutzend Borgeler Bürgern Gehör zu verschaffen, indem die offizielle Sitzung unterbrochen wurde. So war es Ansgar Sperling und Jürgen Hake möglich, ihre Situation deutlich vor Augen zu führen. Letztgenannter wohnt am tiefsten Punkt des Bördedorfs, an der Diedrich-Düllmann-Straße direkt am Bahndamm. Hier laufen der Mischwasserkanal und der Schmutzwasserkanal zusammen.
„In diesem Jahr hat sich meine Rückstauklappe schon viermal geschlossen. Einmal aber war wohl Papier in die Klappe geraten. Als bei starkem Regen das Wasser dagegen drückte, ging sie auf und ich hatte die Fäkalien im Keller“, schilderte er die üblen Folgen der misslichen Situation der Kanäle in Borgeln.
Ansgar Sperling, Mitautor des Antrags, den etliche Anwohner von Blumenstraße, Asternstraße, Nelkenweg und Diedrich-Düllmann-Straße im Mai an die Gemeinde gerichtet hatten, zeigte auf, dass selbst bei einem mäßigen Landregen, wie er in der vergangenen Woche am Dienstag über Borgeln niederging, ein Rückstau in den Kanälen zu verzeichnen war: „Dann ging zuerst bei Jürgen Hake die Rückstauklappe zu, wenige Minuten später in der ganzen Nachbarschaft wie auch bei mir.“
Sanierung der 60 Jahre alten Kanäle nötig
Die Forderung der Borgelner Bürger liegt auf dem Tisch. „Wenn die Engstelle unter der Bahn beseitigt würde, wäre uns allen geholfen“, appelliert Jürgen Hake an die Verantwortlichen bei der Gemeinde. „Dass man keine hundertprozentige Sicherheit hat, vor allem bei Stark- regen, ist uns klar. Dafür haben wir ja die Rückstauklappen. Doch reicht der Kanal schon bei normalem Regen nicht aus“, legt er den Finger die Wunde.
In der Tat sollen am südlichen Ende des Stichwegs der Diedrich-Düllmann-Straße ein größeres Rohr und ein Kanal im Halbschalenprofil unter der Bahn hindurchgeführt werden in Richtung Pumpstation, die südlich der Bahn nahe des Soestbachs ist. Die Voraussetzungen sind mit Grundstückskäufen und Tauschgeschäften geschaffen worden. Eine Umsetzung des Projekts ist bislang erst für die Zeit nach Abschluss des Abwasserbeseitigungskonzepts vorgesehen. Das wäre im Jahr 2026, wie Bauamtsleiterin Katrin Hofma durchblicken ließ.
Frank Jeschke, Ratsherr von Welver 21 aus Borgeln, sprang den Anwohnern bei, brachte ein Regenrückhaltebecken im tiefer gelegenen Bereich ins Gespräch. „Wir müssen die Bürger schützen, sie sind genug gebeutelt worden“, so seine Forderung. Dabei gestand er ein, dass es so dicke Rohre gar nicht gebe, die bei einem Starkregenereignis reichen.
Michael Peters von der Bauverwaltung sieht dringenden Handlungsbedarf: „Das ist unstrittig. Jürgen Hake ist genau am Punkt, wo es richtig knallt.“ Er erläuterte, dass die Sanierung der zum Teil 60 Jahre alten Kanäle in Borgeln nach Bemessungsgrundlagen erfolgen würde, die auf den Daten vom Deutschen Wetterdienst beruhen. Darin ist von einem Modellregen die Rede. Auf dieser Basis sollen die Rohre dimensioniert werden. Für Starkregen seien sie aber eben nicht ausgelegt.
Eine Untersuchung der alten Kanäle hatte nach seinen Angaben schon 2014 ergeben, dass es schadhafte Stellen im Untergrund gibt. Darauf deuten Ansgar Sperling zufolge Verwerfungen in einigen Bereichen der betroffenen Straßen hin. Zudem machte er darauf aufmerksam, dass die zunehmende Verdichtung des Untergrunds durch viele Baumaßnahmen auch zu Problemen beim Regenwasser führe.
Das alles veranlasst ihn und seine Mitstreiter, darauf zu drängen, dass die Sanierung der Kanäle in Borgeln zeitnah erfolgt; auf jeden Fall vor weiteren Baumaßnahmen an der Jahnstraße und vor dem Anschluss der Schmutzwasser-Kanäle aus Berwicke und Stocklarn im Rahmen des ABK.
Problem: „Wir haben den Tisch voll“, verweist Michael Peters vom Bauamt auf die vielen Projekte, die durch den Stau der vergangenen Jahre, beinahe Jahrzehnte, bei vielen Projekten entstanden ist. Gleichwohl beschloss der Ausschuss einstimmig, dass die Verwaltung prüfen solle, ob ein Vorziehen der Maßnahme in Borgeln verwirklicht werden kann. „Wenn wir mehr Gas geben sollen, brauchen wir mehr Personal“, warf Bürgermeister Camillo Garzen ein. Vor 2024 könne in Borgeln aber in keinem Fall gehandelt werden.
