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Die Polizei will in Hamm strenger gegen das verbotene Überholen von Radfahrern mit zu geringem Abstand durch Autofahrer vorgehen.
Hamm – Die Polizei will entschiedener gegen Autofahrer vorgehen, die Radfahrer zu dicht überholen. Seit 2020 gilt hier ein Mindestabstand von 1,5 Metern. Polizeipräsident Thomas Kubera und seine Beamten stellten ein in Hamm entwickeltes System vor, mit dem Überholabstände sicher gemessen werden können.
Die Idee kommt von Polizeikommissar Alexej Herget. Der hat eine Schablone entworfen, mit der sich Markierungsstreifen per Sprühkreide auf die Straße zeichnen lassen. Und anhand dieser Markierungen können die Beamten dann erkennen, ob ein Auto einem Radler zu nah kommt oder nicht.
Strenge Schutzregeln für Radfahrer seit 2020
Seit April 2020 gelten besondere Schutzregeln für Rad-, Pedelc- und E-Scooter-Fahrer, sagte Herget. Innerorts müssten Autofahrer beim Überholen mindestens 1,5 Meter Abstand halten, außerorts 2 Meter. Das Bußgeld betrage 30 Euro, bei Verkehrsgefährdung 80 Euro, bei einem Unfall 100 Euro.
Auf schmalen Straßen ist die Abstandsregel einfach zu überprüfen: Reicht die Fahrbahnbreite nicht, um sicher zu überholen, gilt ein generelles Überholverbot – auch ohne entsprechendes Verkehrsschild. Ein Beispiel ist laut Polizei die Widumstraße.
Faktisches Überholverbot auf schmalen Straßen
Schwieriger ist die Beweisführung bei „normalen“ Straßen. Deshalb packen Herget und seien Kollegen eine Schablone aus Lastwagenplane aus, legen sie auf die Fahrbahn und sprühen Markierungen auf den Asphalt. Anhand der Kreidestreifen lasse sich der Abstand zum Fahrrad beweissicher bestimmen, so der Beamte.
Um alles rechtssicher zu machen, wird bei Kontrollen zusätzlich fotografiert. Da die Markierungen einfach aufzubringen sind und beim nächsten Regen wieder weggespült werden, sieht sich die Polizei in der Lage solche Kontrollinstrumente flexibel einzusetzen. Eine Liste mit möglichen Punkten haben die Beamten nach eigenem Bekunden schon, regelmäßige Kontrollen sind geplant.
Bußgeld von 30 bis 100 Euro
Auftakt war am Freitag am Herringer Markt. Der erste Fahrer, der herausgewunken wurde, war sich seiner Schuld durchaus bewusst. Ihm sei der Abstand beim Überholen schon knapp vorgekommen, zitieren die Beamten den jungen Mann. Das Bußgeld habe er dann bereitwillig gezahlt.
Um auf die Gefahr durch das enge Überholen aufmerksam zu machen, werden in Hamm 30 Polizeifahrzeuge mit Warnaufklebern versehen. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat sie zur Verfügung gestellt. Der ADFC-Vorsitzende Rainer Wilkes und Polizeipräsident Thomas Kubera freuten sich über die Zusammenarbeit. Pelkums Bezirksbürgermeister Axel Püttner, der auch Vorsitzender des Polizeibeirates ist, will sich dafür einsetzen, dass auch städtische Fahrzeuge mit den Aufklebern ausgestattet werden.
Unfälle wegen zu geringem Abstand
Die Polizei hat drei Beispiele für die Gefahr: Einen 39-Jährigen, der auf dem Nordenstiftweg in eine Baustelle gedrängt wurde, eine 19-Jährige, die in Pelkum vom Lkw touchiert wurde, einen 15-Jährigen, der in Ostwennemar das Gleichgewicht verlor. Alle drei verletzten sich.