VonThomas Machatzkeschließen
Florian Müller (CDU) hat wie erwartet das Direktmandat im Wahlkreis 148 gewonnen. Er könnte im neuen Bundestag sogar der einzige Kandidat aus diesem Wahlkreis sein.
Der Wahlkreis 148 (Olpe/Märkischer Kreis I) zählte noch nie zu den spannenden, wenn‘s um das Direktmandat für den Bundestag ging. Zu dominant sind die Christdemokraten im Olper Raum. So war es ein erwarteter Ausgang des Wahlabends in den 13 Kommunen (Lüdenscheid, Herscheid, Schalksmühle, Halver, Meinerzhagen, Kierspe, Olpe, Drolshagen, Attendorn, Lennestadt, Kirchhundem, Wenden und Finnentrop): Florian Müller (CDU) holte das Direktmandat mit einem deutlichen Vorsprung, lag am Ende mehr als 20 Prozent vor seiner ersten Verfolgerin, der Sozialdemokratin Nezahat Baradari.
„Ich freue mich über das gute Ergebnis“, stellte der Bundestagsabgeordnete aus Drolshagen fest, „die Zahlen sind besser als beim letzten Mal. Das zeigt, dass die Arbeit der letzten Jahre honoriert wird. Natürlich hatten wir auch Rückenwind aus Berlin. Die Themensetzung war die richtige: Wirtschaft, Innere Sicherheit, Migration. Wir haben den klaren Regierungsauftrag und müssen nun sehen, dass genau diese Themen auch angegangen und umgesetzt werden. Wir brauchen einen Politikwechsel. Mit den potenziellen Koalitionspartnern müssen wir eine Atmosphäre des Vertrauens aufbauen. Wir brauchen jetzt gemeinsam eine Politik des Problemlösens und nicht des Streits. Wenn wir die Probleme lösen, werden auch die Zustimmungswerte für die populistischen Parteien wieder kleiner werden. Das ist mir ein sehr wichtiges Anliegen.“
Für Nezahat Baradari, die wie Müller in der letzten Legislaturperiode die Region in Berlin vertreten hat, war es ein bitterer Wahlabend: Zwar lag sie bei den Erststimmen deutlich über dem Resultat der Bundes-SPD und verwies auch den AfD-Kandidaten Horst Karpinsky in diesem Ranking knapp auf den dritten Platz, doch letztlich hatte sie wie erwartet keine Chance aufs Direktmandat. Da die Sozialdemokraten in NRW die Attendorner Kinderärztin auf der Landesliste nicht eben bevorzugt behandelt haben und das Ergebnis der SPD im Bund längst nicht so gut war, wie es für Baradari nötig gewesen wäre, darf sie ihre Zelte in Berlin nun abbrechen. „Schockierend! Bitter!“, nannte Baradari das Wahlergebnis, „blau-schwarz lässt grüßen. Politik ist ein undankbares Geschäft. Ich habe mich sechs Jahre lang mit großen Engagement für die Region eingesetzt. Aber es braucht nur populistisches Gerede, um den Menschen Sand in die Augen zu streuen. Populismus gewinnt.“
Florian Müller (CDU) wird seiner Favoritenrolle gerecht
Zu einer Zitterpartie, die bei Redaktionsschluss noch nicht beendet war, wurde der Abend für den dritten Bundestagsabgeordneten aus dem Wahlkreis 148, Johannes Vogel. „Ich habe im Moment überhaupt kein Gefühl. Man kann es ja nicht mehr beeinflussen“, sagte Vogel nach den ersten Hochrechnungen. „Ob wir es in den Bundestag schaffen oder nicht, das hat natürlich auch Auswirkungen auf mögliche Regierungskoalitionen“, stellte Vogel am Wahlabend gegen 20 Uhr fest und schielte auf ein Dreier-Bündnis mit CDU, SPD und FDP, der Wahlabend entwickelte sich allerdings zunächst nicht gut weiter für die FDP. „Was mich auf jeden Fall gefreut hat, ist die sehr gute Wahlbeteiligung“, sagt der FDP-Mann, „das ist ein gutes Zeichen für unsere Demokratie.“
Bei den Zweitstimmen lag der Wahlkreis 148 im Bundestrend: Die CDU siegte klar und lag deutlich über dem CDU-Ergebnis im Bund, die AfD wurde zweitstärkste Kraft, die SPD fiel mit klarem Rückstand auf Rang drei zurück. Grüne (nur einstellig), FDP (klar unter fünf Prozent), die Linke (gegen den Bundestrend) und das BSW (klar unter fünf Prozent) schnitten im Wahlkreis 148 schlechter ab als auf Bundesebene.
