VonDaniel Schröderschließen
Markus R. soll der Warsteiner Serienbrandstifter sein. Seit Freitag steht er vor Gericht.
Warstein/Arnsberg – Seit Freitag muss sich der mutmaßliche Warsteiner Serienbrandstifter vor der 4. Großen Strafkammer des Landgerichts Arnsberg verantworten. Zum Prozessauftakt waren einige Feuerwehrleute gekommen, um dem in die Augen zu schauen, der zahlreiche Warsteiner und auch die Kräfte der Feuerwehr zum Teil in große Gefahr gebracht haben soll.
Es war 8.37 Uhr am Freitagmorgen, als das mutmaßliche Brandstiftungs-Phantom der nördlichen Hauptstraße für die Öffentlichkeit ein Gesicht bekam. Mit gefesselten Händen betrat Markus R. den großen Saal des Landgerichts und war sichtlich überrascht, dass ihm nicht nur Staatsanwalt Ümit Görgün gegenüber saß, sondern, dass ihn auch einige uniformierte Feuerwehrleute nicht aus dem Blick nahmen. Laut Anklage soll Markus R. zwischen August 2022 und April 2023 sieben Brände im Bereich der nördlichen Hauptstraße gelegt haben. Vor Gericht kam heraus: Er selbst wohnte bis zu seinem Untersuchungshaft-bedingten „Umzug“ in die JVA Hamm genau in diesem Bereich – seine Wohnung lag von allen Tatorten jeweils nur wenige hundert Meter entfernt.
Brandstiftungen in Warstein: In der Nacht auf den 26. April wurde es besonders gefährlich
Staatsanwalt Görgün wirft Markus R. vor, drei leerstehende Gebäude – darunter das ehemalige Kino – sowie zwei Fahrzeuge und zwei bewohnte Häuser angezündet zu haben. Acht Menschen wurden beim letzten Brand der angsteinflößenden Feuerserie in der Nacht vom 25. auf den 26. April verletzt. Görgün in der Anklage: „Gegen 22.45 Uhr drang er durch die nicht abgeschlossene Haustür in das Haus an der Hauptstraße 61 ein, welches durch mehrere Personen bewohnt wurde. Er entzündete in einer Abstellkammer mehrere Textilien und Bettlaken, um das Haus niederzubrennen. Das Feuer griff auf die Treppe und den gesamten Erdgeschossbereich über, sodass wesentliche Bestandteile des Gebäudes in Brand gerieten, durch den starken Rußbeschlag sind die Wohnungen unbewohnbar. Acht Personen, darunter drei Kinder, erlitten Rauchvergiftungen.“
Bäckermeister Bernd Schulte war aus der Backstube durch die Flammen in sein Haus geeilt, um seine Familie zu retten. Mehrere Personen waren jedoch vom Rauch gefangen, schrien an Fenstern im dritten Obergeschoss um ihr Leben. „Nur durch das zeitige und beherzte Eingreifen der Feuerwehrleute konnten diese Personen gerettet werden“, unterstrich Görgün.
Ein ähnliches Tatmuster warf er Markus R. für den Wohnhausbrand vom 10. November vor: Nachdem er kurz nach Mitternacht erst einen Transporter vor dem Solidarkaufhaus abgefackelt habe, soll R. Mobiliar und Unrat in einem Abstellraum unter der Treppe im Wohnhaus an der Hauptstraße 43 angezündet haben, „um das Haus dem Feuer auszusetzen und niederzubrennen“, so Görgün. Auch bei diesem Brand griffen die Flammen auf das Gebäude über, die Feuerwehr rettete einen Mann und seine Tochter aus ihrer verrauchten Wohnung.
Mutmaßlicher Brandstifter vor Gericht: Ein kaum wahrnehmbares Nicken
Markus R. verfolgte die Anklageverlesung mit gesenktem Kopf, den Blick auf die Akten gerichtet. Mehrmals nickte der 43-jährige Angeklagte kaum wahrnehmbar, während Görgün die aus staatsanwaltlicher Sicht feststehenden Fakten verkündete. Bei den sieben Bränden soll Markus R. Schäden von mehr als einer halben Million Euro verursacht und sich der schweren Brandstiftung schuldig gemacht haben. Richter Petja Pagel merkte jedoch an: „Nach der Aktenlage kommt für den Tatvorwurf vom 25. April auch besonders schwere Brandstiftung mit vorsätzlicher Körperverletzung in Betracht. Für den 10. November 2022 könnte aus Sicht der Kammer zudem versuchte besonders schwere Brandstiftung in Betracht kommen.“
Im Strafmaß könnte das „einen ordentlichen Schwung nach oben“ bedeuten. Für die besonders schwere Brandstiftung, die voraussetzt, dass ein Mensch in Todesgefahr gebracht wurde, sieht das Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren vor. Markus R. ließ über seinen Soester Verteidiger Philipp Allhoff erklären, dass er nach aktuellem Stand keinerlei Angaben machen werde. Staatsanwalt Görgün unterstrich, dass die Festnahme des 43-Jährigen überhaupt erst „durch die herausragende Ermittlungsarbeit der Polizei“ möglich gewesen sei. Wie genau die Ermittler dem mutmaßlichen Serienbrandstifter auf die Schliche gekommen seien wollen, soll in der kommenden Woche Teil der Beweisaufnahme werden.
Donat Ahle, Leiter der Feuerwehr Warstein, der den ersten Prozesstag als Zuschauer verfolgt hatte, erklärte nach dem Verhandlungsbeginn, dass die Anklageverlesung einige Bilder in seinem Kopf geweckt hätten, die ihm eine Gänsehaut verpasst hätten. Er erhoffe sich von der Hauptverhandlung Antworten auf drängende Fragen: „Warum macht jemand sowas? Warum bringt jemand Menschen in eine solche Gefahr – und zwar nicht nur die unmittelbar Betroffenen, sondern auch Feuerwehrleute. Gerade bei dem letzten Brand am 25. April haben meine Leute für die Menschenrettung Kopf und Kragen riskiert.“ Die Verhandlung wird am Montag, 23. Oktober, ab 8.30 Uhr fortgesetzt.




