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Zuerst in Mülheim/Sichtigvor, aber auch in Suttrop sollen neue Feuerwehrhäuser gebaut werden. Die Stadt entschied sich jetzt für eine Standardisierung des Verfahrens. Ein Beispiel aus der Umgebung zeigt, wie die Häuser dann aussehen könnten.
Warstein – Insbesondere das neue Feuerwehrgerätehaus des Warsteiner Löschzuges im Fliegenpark wurde und wird immer wieder als „Leuchtturmprojekt“ bezeichnet. Sowohl in optischer als auch in technischer Hinsicht. Aber auch mit dem Umbau des Belecker Gerätehauses „im Bestand“ vor wenigen Jahre wurde Großes geschaffen. Die beiden Häuser sollen aber keine Messlatte sein und als Beispiele für die anstehenden Feuerwehr-Neubauten in Mülheim/Sichtigvor und Suttrop dienen.
Im vergangenen Ausschuss für Bauen und Digitales sowie im anschließenden Haupt-, Finanz- und Klimaausschuss ging es viel mehr um die Standardisierung künftiger Hochbaumaßnahmen. Das hat insbesondere zwei Gründe.
Geld und personelle Ressourcen sparen
Der erste Grund ist der offensichtlichste: Geld. Investitions- und Liquiditätskredite drohen zu explodieren, die Inanspruchnahme der allgemeinen Haushaltsrücklage ist bereits eingeplant. In Folge dessen droht eine erneute Haushaltssicherung, während im gesamten Stadtgebiet „an vielen Ecken und Enden“ gebaut wird beziehungsweise vielmehr werden muss. Stichworte sind unter anderem „Ausreichend Plätze im offenen Ganztag“ und „Brandschutzbedarfspläne“. Kurzum müssen alle zukünftigen Investitionen hinsichtlich ihrer Notwendigkeit, aber eben auch ihrer Standards hinterfragt werden. Und diese Standards sollen erstmals für künftige Feuerwehrstandorte zum Tragen kommen. „Wir sehen darin eine Chance, bei gleichen Gebäudetypen Standards zu schaffen, denn die Anforderungen sind immer die gleichen“, erläuterte Sabine Leitern, Fachbereichsleiterin Bauen und Wohnen, den Mitgliedern des Ausschusses für Bauen und Digitales: „Dabei steht es außer Frage, dass alle Normen eingehalten werden.“
Ein weitere Grund, warum die Standardisierung hilfreich wäre: Sie spart nicht nur monetäre Ressourcen, sondern auch personelle. Denn die sind im Bausektor bekanntlich ebenso stark ausgeschöpft. Die Bauprozesse würden ähnlich ablaufen, könnten daher auch ähnlich abgewickelt werden: „Das vor dem Hintergrund noch vieler Aufgaben und Herausforderungen.“ Detlev Winkler aus der CDU-Fraktion merkte an, dass man aber auch die jeweiligen Löschgruppen einbinden müsse: „Wir müssen jetzt um viel Verständnis werben.“ Standardisierung heiße aber auch Spezialisierung, so Leitner. Gleichzeitig hätte der Standard nicht gleich einen Einfluss auf die Bauweise.
Beispiele aus der Nachbarschaft
Beispiele für Standardbauweisen von Feuerwehrstandorten gebe es in der erweiterten Nachbarschaft. Beispielsweise bei der Löschgruppe Meiste der Feuerwehr Rüthen, aber auch bei der Löschgruppe Wewelsburg der Stadt Büren. Die Beispiele würden zeigen, dass die Einführung von Standards klappe: Funktional, schlicht, ohne Einschränkungen in der Nutzung gegenüber den individuellen Neubauten. Pilotprojekt der Standardisierung soll der Neubau der Löschgruppe Mülheim/Sichtigvor werden. Eine Umsetzung ohne Risiken sei dort realisierbar, ähnliches gelte später für die Löschgruppe Suttrop. Und die Erfahrungen könnten dann für zukünftige Maßnahmen helfen. „Nicht zu viel und nicht zu wenig“ sei das Motto, so Erwin Koch als Vorsitzender des Ausschusses für Bauen und Digitales abschließend.
Das Empfehlungsvotum im Ausschuss für Bauen und Digitales war ebenso eindeutig wie der Beschluss des Haupt-, Finanz- und Klimaausschusses. Während Mitglied Koch dort erklärte, dass die Standardisierung „erhebliche Ersparnisse in allen Bereichen“ schaffe und Bürgermeister Dr. Thomas Schöne sagte, dass dies „nicht mit Qualitätseinbußen verbunden“ sei, kritisierte FDP-Ausschussmitglied Gordon Eickhoff den Weg.
Es gehe auch über ein „traditionelles Architekturbüro: „Ich finde es schade, dass wir uns so in die Arme der GU (Anm.: Generalunternehmer) flüchten.“ Dem entgegnete Koch, dass es gar nicht um die Vergabe gehe, sondern darum einen „gemeinsame Weg“ zu schaffen.

