VonRaphael Balkeschließen
Rund 20 Prozent weniger Umsatz macht das SecondHand-Kaufhaus Stöberei im Sommer normalerweise. Nicht aber aktuell. Die Umsätze bleiben gleich, von einer Sommerflaute keine Spur. Doch die Gründe für den Einkauf sind häufig aus der Not geboren.
Bönen – Im Sommer fällt der Umsatz des Bönener Secondhand-Kaufhauses Stöberei normalerweise. Saisonkleidung, Sommerferien, es kommen weniger Kunden. Nicht aber in diesem Jahr. Ein Anlass zur Freude? Keineswegs. Denn die Gründe für den besseren Umsatz sind Krieg und Verzweiflung.
Zwischen Mai und Juni herrschte in den vergangenen Jahren Flaute am Standort Bönen. „Es kommen momentan mehr Leute als sonst“, erklärt Standort-Leiterin Heike Nicolai. Das belegen auch die Zahlen. Der Umsatz sinke in den Sommermonaten meist um zehn bis 20 Prozent, so DasDies-Geschäftsführer Maciej Kozlowski. Auch im Januar und Februar sei meist weniger Betrieb. „Aktuell bleibt der Umsatz aber stabil“, erklärt er.
Keine Verständigungsprobleme
Grund dafür ist unter anderem der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Viele Menschen fliehen vor dem Krieg, vor Bomben, vor dem Tod. Auch nach Bönen. „Es kommen auch viele ukrainische Geflüchtete zu uns“, sagt Nicolai.
Die Mitarbeitenden stellen sich auf die neuen Kunden ein. So spricht ein Mitarbeiter der Filiale russisch, kann sich mit den Geflüchteten verständigen und für die Kollegen und Kolleginnen übersetzen. „Das ist dem Ukrainischen sehr ähnlich“, so Nicolai. Viele der Menschen seien froh, dass sie in der Stöberei einkaufen können, sagt Nicolai.
Zu Beginn des Kriegs Russlands gegen die Ukraine habe die Stöberei auch Sachspenden für die Betroffenen vor Ort gesammelt. „Die Menschen haben sehr viel gespendet unter anderem Kleidung, Decken und Hygieneartikel“, sagt Damian Markowski, Betriebsleiter der Logistik. Freiwillige brachten die Ladung dann zur ukrainischen Grenze. In Kamen und Lünen stattet die DasDies GmbH als Betreiber der Stöberei die Küchen, Wohn- und Schlafzimmer einiger Wohnungen für ukrainische Geflüchtete mit Möbeln aus.
Ein weiterer Grund für den ungewöhnlichen Anlauf in der Stöberei: Inflation. Die Preise steigen, doch das Einkommen bleibt gleich. Plötzlich bekommt man für das gleiche Geld viel weniger Gut. „Wir merken das. Viele Menschen bedienen sich hier, um noch etwas zu sparen“, so der 52-jährige Geschäftsführer Kozlowski.
Spendenaufruf
In Zusammenarbeit mit der humanitären Hilfe der Awo bittet die Stöberei, dass Kinderfahrräder gespendet werden. Diese gibt die Awo an geflüchtete Kinder aus der Ukraine weiter. Die Räder können in der Stöberei Bönen, Bahnhofstraße 107, abgegeben werden.

