VonHannah Deckeschließen
Schnee in NRW an Weihnachten – das gab es schon länger nicht mehr. 2023 könnte es aber erneut so weit sein, sagen Wetter-Experten. Die Ausgangslage sei „sehr gut“.
Hamm - „Schneeflöckchen, Weißröckchen, wann kommst du geschneit?“ Diese Fragen stellen sich die Menschen, wenn sie an Heiligabend unterm Weihnachtsbaum sitzen. Weiße Weihnachten sind für viele ein Traum, der aber leider auch seit Jahren einer bleibt. In Nordrhein-Westfalen hat es zuletzt im Jahr 2010 an den Feiertagen im Dezember geschneit. Oft bewegen sich die Temperaturen an Weihnachten nicht einmal nahe dem Gefrierpunkt. Doch wird sich das im Jahr 2023 ändern? Erste Prognosen machen Hoffnung.
Wetter-Experte: Weiße Weihnachten 2023 war selten so wahrscheinlich
Natürlich sind die aktuellen Vorhersagen zum Wetter an Weihnachten noch lange nicht aussagekräftig. Doch ein Blick von Meteorologe Paul Heger von wetter.de auf die Langfristmodelle ist spannend – und macht Hoffnung. Der Wetter-Experte sagt: „Weiße Weihnachten 2023 ist so wahrscheinlich wie selten.“
Doch wie kommt Heger zu diesem Schluss, waren die Winter-Prognosen für 2023/2024 bislang doch eher ernüchternd? Auch der knackige Winter-Einbruch in NRW mit Schnee, Frost und Glätte dürfte kein Indikator sein. Im November 2022 gab es ebenfalls erste Schneefälle, an zwei Tagen fielen die Temperaturen auf -5 bis -10 Grad ab. Es folgte trotzdem ein milder Winter. Schnee an Weihnachten? Fehlanzeige.
Laut Paul Heger ist die Ausgangslage in diesem Jahr besser, genauer gesagt „sehr gut“. „Seit Mitte Oktober herrscht in Skandinavien Winter. So schnell werden Schnee und Frost hier nicht weichen – auch nicht mit ein paar milderen Tage. Dreht die Strömung immer wieder auf Nord, hat der Winter bei uns eine Chance. Außerdem sehen wir auch in diesem Jahr eine große Beständigkeit der Wetterlagen über Wochen hinweg.“
Weiße Weihnachten 2023 in NRW? „Eine Winddrehung – und leise rieselt der Schnee“
Damit könne das schneereiche Wetter, das jetzt erst in Fahrt komme, „theoretisch bis Weihnachten durchhalten“. Zudem sei spannend, dass der Monatstrend von wetter.de in seinen Berechnungen ebenfalls wieder kälter geworden sei. „Deutlich kälter sogar“, so Heger. „Und Schnee wäre auch drin, leider aber auch ein Weihnachtstauwetter. Wobei ein paar wenige Tage mit Plusgraden nicht gleich jede Schneedecke dahinrafft.“ Käme Regen und Wind dazu, gehe das Tauen aber deutlich schneller.
Auch der Meteorologe betont, dass „tagesgenaue Berechnungen über solch einen Zeitraum nur als Tendenz zu verstehen“ seien. Aber: „In Skandinavien scheint der Winter mit unterdurchschnittlichen Temperaturen durchzuhalten. Damit wären wir wieder bei der guten Ausgangslage: Eine Winddrehung – und leise rieselt der Schnee zum Fest.“
Im Jahr 2010 war das letzt weiße Weihnachten in NRW
Dass es an Weihnachten in NRW schneit, ist in der Vergangenheit selten vorgekommen – deutlich seltener zumindest als etwa in München oder Stuttgart. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) veröffentlichte im Jahr 2021 eine „statistische Wahrheit“: Demnach sei in den vergangenen Jahren in allen Regionen in Deutschland die Wahrscheinlich auf weiße Weihnachten gesunken. So lag etwa die Wahrscheinlichkeit für Köln in der Referenzperiode 1961 bis 1990 noch bei 10 Prozent, während sie in der aktuellen Referenzperiode 1991 bis 2020 nur noch bei 3,3 Prozent lag. In München sank die Wahrscheinlich von 33,3 Prozent auf 13,8 Prozent.
Wichtig: Ist die Rede von „Schnee in NRW“ oder eher „kein Schnee in NRW“, muss dies nicht flächendeckend für alle Regionen im Bundesland gelten. Gerade im Rheinland ist es oft deutlich wärmer als etwa im Sauer- und Siegerland.
So zeigt eine Übersicht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), dass es im Zeitraum von 1950 bis 2021 in Winterberg insgesamt 15 Mal weiße Weihnachten gab, etwa genauso häufig hatte es zumindest einmal an den Feiertagen geschneit. In Hamm konnten sich die Menschen in den vergangenen 70 Jahren lediglich über sechs schneereiche Weihnachtstage freuen, in Köln über gerade einmal vier.
Glätte ist übrigens nicht gleich Glätte. Meteorologen unterscheiden zwischen Glatteis und Eisglätte. Besonders tückisch ist Blitzeis, dann helfen auch Winterreifen kaum noch.
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