Güterverkehr

Was taugt der Elektro-Lkw?: Werler Unternehmen zieht Bilanz

+
Von außen sieht das Elektro-Fahrzeug aus, wie jeder Diesel-Lkw. Die Unterschiede bei der Handhabung sind jedoch enorm, berichtet Torsten Kulle, Geschäftsleiter des Werler Unternehmens „Kulle Logistik“.
  • schließen

Beim Speditionsunternehmen Kulle in Werl sind zwei Elektro-Lkw im Einsatz. Trotz hoher Anschaffungskosten und logistischer Herausforderungen zeigt sich die Firma zufrieden.

Werl – Das Fahrgefühl oben im Führerhaus ist ganz erstaunlich: Keine Vibrationen und kein Geratter durch einen Dieselmotor, stattdessen gleiten die Reifen fast geräuschlos über die Straße. Denn der Lastwagen fährt mit Elektroantrieb. Er hat keinen Treibstoff-Tank an Bord, sondern sechs Batterien.

Werler Unternehmen zieht Bilanz: Was taugt der Elektro-Lkw?

„Er ist einfach so viel leiser als der Diesel. Für viele Fahrer ist das eine große Entlastung“, sagt Geschäftsführer Torsten Kulle, während er das Lenkrad des E-Lkws einschlägt und auf den Hof des Speditionsunternehmens fährt. Bereits im Juni 2023 hat das Werler Unternehmen „Kulle Logistik GmbH & Co. KG“ zwei elektronisch betriebene Lastwagen angeschafft – beide zu 80 Prozent durch Fördermittel des Bundes bezuschusst.

Die für das Unternehmen entstandenen Mehrkosten seien trotzdem immens gewesen, erzählt Kulle und ergänzt: „Ohne die Förderung hätten wir uns die beiden Fahrzeuge nicht gekauft.“ Denn noch kosten handelsübliche Elektro-Lkw mit über 300 000 Euro in der Anschaffung deutlich mehr als ein Diesel-Lkw, den es ab 100 000 Euro gibt.

Geschäftsführer Kulle zeigt sich von den Fahrzeugen begeistert

Trotzdem zeigt sich der Spediteur mit den beiden Elektro-Lkw sichtlich zufrieden: „Es funktioniert sehr gut. Die Fahrzeuge laufen ordentlich und stabil.“ Einen durch den Elektroantrieb bedingten, größeren Fahrzeugausfall habe es in den vergangenen 14 Monaten nicht gegeben.

Problematischer ist hingegen der logistische Mehraufwand. Denn die beiden Fahrzeuge kommen vor allem bei Kurzstrecken in der Region zum Einsatz. Der Grund: Die Elektro-Lkw schaffen mit einer Batterie-Ladung derzeit zwischen 300 und 350 Kilometer, ohne dass während der Fahrt eine zusätzliche Ladezeit eingeplant werden muss. Deshalb können ausschließlich Fahrten innerhalb des 150-Kilometer-Radius geplant werden.

Keine Mautpflicht bei Elektro-Lkw – Mehr Sicherheit durch Politik gefordert

Stattdessen nutzt das Unternehmen die elfstündige Schichtpause der Fahrer, um die Batterie an der eigenen Ladesäule wieder mit Strom zu versorgen und so längere Fahrausfälle des E-Lkw zu vermeiden. „So sind wir nicht auf externe Ladesäulen angewiesen – die es auch nicht überall gibt – sondern können bei uns vor Ort laden“, erklärt Kulle. Die dafür erforderliche Ladestation mit einer Leistung von 200 Kilowatt pro Stunde inklusive Speicher hat das Unternehmen erst vor wenigen Monaten installiert, während die benötigte Energie von den hauseigenen Photovoltaik-Anlagen stammt.

Kritik übt der Spediteur hingegen an der fehlenden Planungssicherheit aufgrund von politischen Entscheidungen: Zwar sind derzeit Elektro-Lkw von der Maut befreit, diese Regelung soll jedoch am 31. Dezember 2025 auslaufen. Die Maut-Befreiung würde jedoch – gerade im Vergleich zur Gebühr beim Diesel-Lkw – für erhebliche Kosteneinsparungen sorgen, so Kulle.

Finanzielles Risiko deutlich höher als beim Diesel

„Das finanzielle Risiko ist beim E-Lkw bereits deutlich höher als bei einem Diesel-Lkw“, betont der Geschäftsführer. Gerade wegen der hohen Anschaffungskosten sowie des Logistikaufwandes bei E-Lkw sei deshalb eine Ersparnis wie zum Beispiel bei der Maut besonders entscheidend. „Ich benötige verlässliche Rahmenbedingungen, damit ich mit Elektro-Lkw planen kann“, findet Kulle, denn überzeugt von den Fahrzeugen ist er allemal. Wenn alles klappt, will er sich bald bereits einen dritten Elektro-Lkw anschaffen.

Auf den Raststätten sieht es hingegen nicht so rosig aus: Bundesweit hat der ADAC Raststätten getestet, Haarstrang Süd hat dabei allerdings nicht überzeugt. Doch die Werler sind in guter Gesellschaft.

Kommentare