VonDominik Maaßschließen
Die Werler haben im vergangenen Jahr erneut weniger Energie verbraucht. Das gilt laut den Stadtwerken sowohl für Strom, als auch für Gas. Dies hat auch Auswirkungen auf die Jahresverbrauchabrechnungen: Insgesamt überweisen die Stadtwerke Werl etwa 700 000 Euro an ihre Kunden zurück.
Werl – Die Höhe der Rückzahlungsansprüche bewege sich dabei wieder auf einem „normalen“ Niveau, wie Norman Petersson, bei den Stadtwerken Leiter für Vertrieb und Finanzen, mitteilt.
Grundsätzlich neigten die Kunden eher dazu, einen höheren Abschlag zu zahlen und ihre Abschläge im Jahresverlauf anzuheben, um größere Nachzahlungen auf einen Schlag zu vermeiden. Und auch die Stadtwerke überprüften systematisch die Abschläge. Im Jahr 2022 hatte es aufgrund der Unsicherheit im Energiesektor nach dem Angriff auf die Ukraine, den entsprechenden Spar-Anstrengungen, staatlichen Förderungen und deutlichen Abschlagserhöhungen sogar Rückzahlungsansprüche von rund 4,9 Millionen Euro gegeben.
Abrechnungspanne schnell ausgebügelt
Einige hundert Stadtwerke-Kunden bekamen ihre Jahresverbrauchsabrechnung gleich zweimal. Grund dafür war laut Norman Petersson, Leiter Vertrieb und Finanzen bei den Stadtwerken, eine Panne bei der Berechnung der Netzentgelte für die Stromversorgung. Das Problem sei das plötzliche Ausbleiben der 5,5 Milliarden Euro hohen Subvention für 2024 von Seiten der Bundesregierung gewesen. Die Stadtwerke Werl hätten den Anteil in der Stromkostenabrechnung zum Jahreswechsel entsprechend plötzlich von 5 auf 7 Cent erhöhen müssen. „Da haben wir keine Handhabe, das ist für uns ja nur ein durchlaufender Posten.“ Bei der parallel erfolgenden Zusammenstellung der Abrechnungen für 2023 sei dann im System zum Teil schon das erhöhte Netzentgelt eingeflossen, obwohl für 2023 noch das alte hätte berücksichtigt werden müssen. Bei einem Durchschnittsverbrauch von 3500 Kilowattstunden im Jahr mache der Unterschied etwa 70 Euro aus, erläutert Petersson. Weil schon kurz darauf die ersten Beschwerden von Kunden bei den Stadtwerken eingetroffen seien, sei der Fehler schnell aufgefallen. Der Schaden habe sich so in Grenzen gehalten. „Trotzdem ist das sehr ärgerlich“, räumt Petersson ein. „Wir haben den Kunden sofort eine Rechnungskorrektur und einen erklärenden Einleger zugeschickt.“ Die Stornierung erfolge automatisch, die Kunden müssten nichts weiter tun.
Dass die Stadtwerke insgesamt rund 700.000 Euro zurückzahlen, heißt nicht, dass davon alle gleichermaßen profitieren. Je nach individuellem Verbrauch fallen die Rückzahlungen unterschiedlich hoch aus oder können auch Nachzahlungen notwendig sein.
Die Beträge werden mit dem ersten Abschlag für 2024 direkt verrechnet. Bleibt dann noch etwas übrig, wird das Geld überwiesen.
Strom
„Sowohl unsere Kunden als auch fremd belieferte Kunden haben im Vergleich zum Vorjahr weniger Strom verbraucht“, so Petersson. Gerade „Heizstrom“ habe stark abgenommen. Dies könne zum Teil auf die mildere Witterung zurückzuführen sein.
So sei die Zahl der „Heiztage“ im Vergleich zum Jahr 2022 um 1,5 Prozent zurückgegangen. Insgesamt sank der Stromverbrauch von 54,9 Gigawattstunden (GWh) im Jahr 2022 auf 51,1 GWh im Jahr 2023 (minus 7 Prozent). Beim Heizstrom ist der Rückgang mit 10 Prozent (4,2 auf 3,8 GWh) noch etwas deutlicher. 2021 hatte der Jahresverbrauch noch einmal um 2,8 GWh höher gelegen.
Neben dem Witterungseffekt sei aber auch festzustellen, dass die Kunden weiterhin Energie einsparen, etwa durch den Einsatz verbrauchsärmerer Geräte.
Gas
Beim Gas sank der Jahresverbrauch von 152,4 GWh im Jahr 2022 auf 146 GWh im Jahr 2023 (minus 4 Prozent). Rechne man den Witterungseffekt heraus, bleibe immer noch eine Einsparung von rund 2,5 Prozent. „Das ist klar dem Verbrauchsverhalten zuzuschreiben“, sagt Petersson.
Die Kunden drehten die Heizungen etwas runter oder setzten gleich auf neue Anlagen oder Energieträger. „Die gute Botschaft lautet: Die Werler gehen weiter sorgsam mit der Energie um.“ Die Kunden reagierten damit sicher auf die weiterhin hohen Energiekosten.
Petersson geht aber auch davon aus, dass die kontinuierlichen Energiespar-Kampagnen des Hauses Wirkung zeigen. An den großen Einsparerfolg des Vorjahres reichen die aktuellen Zahlen nicht heran. Im Vergleich zu 2021 hatten die Werler 2022 rund 37 GWh gespart, das waren etwa 20 Prozent. Witterungsbereinigt gingen die Stadtwerke damals von 7 Prozent Einsparungen durchs Verbrauchsverhalten aus.
Wasser
Beim Wasserverbrauch gibt es laut Stadtwerken keine nennenswerten Veränderungen. Mit rund 1,2 Millionen Kubikmeter sei der Verbrauch 2023 unauffällig gewesen. Die Werler haben also offenbar weder besonders oft ihren Garten gewässert, noch ihre Pools befüllt. Zu beachten sei dabei aber auch, dass die Stadtwerke nur im Stadtkern für die Wasserversorgung zuständig seien, sagt Petersson.
Kundenentwicklung
Aktuell haben die Stadtwerke rund 15 000 Stromkunden und 6000 Gaskunden. Über die vergangenen Jahre hinweg verzeichnete der heimische Versorger ein „leichtes, stetiges Wachstum“, sagt Petersson. Im Vergleich zum Zeitraum vor der Energiekrise hätten die Stadtwerke sogar erheblich an Kunden gewonnen.
Nachdem sich der Markt wieder etwas stabilisiert hat, hätten aber auch wieder einige Kunden den Stadtwerken den Rücken gekehrt, was Petersson schade findet. Schließlich sollte man als Kunde nicht aus dem Blick verlieren, dass bei einem kommunalen Unternehmen ein größerer Anteil Wertschöpfung tatsächlich der eigenen Stadt zugutekommt.
