1952 bis heute

Malerischer Park im Wandel der Zeit: Historische Bilder enthüllen Dortmunder Geheimnis

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1952 gab es in Dortmund weder Westfalenpark noch Florianturm. Allerdings zeigen historische Luftbildaufnahmen den „Vorläufer“. Eine Architekturhistorikerin klärt auf.

Dortmund – „Der Florianturm ist eines der Wahrzeichen der Stadt Dortmund neben dem BVB-Stadion“, sagt Dr. Alexandra Apfelbaum im Gespräch mit wa.de. Die Kunst- und Architekturhistorikerin aus Dortmund (NRW) lehrt an der dortigen Fachhochschule (FH) Architektur und gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn es um den Westfalenpark geht. Nicht nur dessen Geschichte ist imposant.

Historische Bilder vom Westfalenpark offenbaren Dortmunder Geheimnis

Nach dem Krieg ist dieser Park entstanden: Die Bundesgartenschau (BUGA) 1959 markierte einen Wendepunkt. Die Dortmunderinnen und Dortmunder bekamen durch sie eine einmalige Parkanlage. Zahlreiche neue Attraktionen wie eine Kleinbahn und die Seilbahn und auch der Florianturm wurden geschaffen: Der Westfalenpark, wie wir ihn heute kennen, war geboren. Ein historisches Luftbild von 1952 zeigt: Früher sah es dort ganz anders aus.

„Das Gelände des heutigen Westfalenparks bestand größtenteils aus einem Acker und Wiesenflächen, auch eine Kleingartenanlage gab es. Wirklich weichen musste dafür aber nichts“, sagt Apfelbaum, die selbst schon ein Buch über den Park veröffentlicht hat. Was viele nicht wissen: Noch heute erinnert ein altes Denkmal an die Ursprünge des Westfalenparks.

Kaiser-Wilhelm-Hain als Vorläufer des Westfalenparks in Dortmund

Der Kaiser-Wilhelm-Hain existierte bereits im 19. Jahrhundert. Die Bürger damals hatten sich eine innerstädtische Naherholungsstätte gewünscht. Auf dem besagten Luftbild aus dem Jahr 1952 ist er noch deutlich zu erkennen. Wer genau hinschaut, entdeckt ein kleines Dortmunder Geheimnis: ein vergessenes Denkmal. „Das gibt es auch heute noch, es ist aber meistens von Bäumen und Büschen versteckt“, sagt Apfelbaum.

Westfalenpark im Wandel der Zeit: Historische Bilder zeigen krasse Veränderung

Der Westfalenpark in Dortmund im Jahr 1952  von oben – Fernsehturm und Park gibt es noch gar nicht.
Der Westfalenpark in Dortmund im Jahr 1952 – Fernsehturm und Park gibt es noch gar nicht. © Hansa Luftbild AG, Landesarchiv NRW, RW 0230
Der Westfalenpark in Dortmund mit Fernsehturm im Jahr 1976 von oben.
Der Westfalenpark in Dortmund mit Fernsehturm im Jahr 1976 von oben. © TIM-online/Geobasis NRW
Der Westfalenpark in Dortmund im Jahr 1983 von oben.
Der Westfalenpark in Dortmund im Jahr 1983 von oben. © TIM-online/Geobasis NRW
Der Westfalenpark 1989 in Dortmund von oben.
Der Westfalenpark 1989 in Dortmund von oben. © TIM-online/Geobasis NRW
Dortmund von oben: Der Westfalenpark im Jahr 1996.
Dortmund von oben: Der Westfalenpark im Jahr 1996. © TIM-online/Geobasis NRW
Dortmund im Jahr 2001: Der Westfalenpark von oben.
Dortmund im Jahr 2001: Der Westfalenpark von oben. © TIM-online/Geobasis NRW
Im Jahr 2006: Der Westfalenpark in Dortmund von oben.
Im Jahr 2006: Der Westfalenpark in Dortmund von oben. © TIM-online/Geobasis NRW
Der Westfalenpark in Dortmund im Jahr 2009 von oben.
Der Westfalenpark in Dortmund im Jahr 2009 von oben. © TIM-online/Geobasis NRW
Im Jahr 2012: Der Westfalenpark in Dortmund von oben.
Im Jahr 2012: Der Westfalenpark in Dortmund von oben. © TIM-online/Geobasis NRW
Dortmund im Jahr 2015: Der Westfalenpark von oben.
Dortmund im Jahr 2015: Der Westfalenpark von oben. © TIM-online/Geobasis NRW
Dortmund im Jahr 2018: Der Westfalenpark von oben.
Dortmund im Jahr 2018: Der Westfalenpark von oben. © TIM-online/Geobasis NRW
Der Westfalenpark in Dortmund im Jahr 2021 von oben. Links ist auch das BVB-Stadion zu sehen.
Der Westfalenpark in Dortmund im Jahr 2021 von oben. Links ist auch das BVB-Stadion zu sehen. © TIM-online/Geobasis NRW

Aus diesem Hain heraus wuchs der Westfalenpark stetig heran. Seit dem 30. April 1959 wacht der Fernsehturm „Florian“ über das Areal. „Baugeschichtlich reiht er sich in eine Riege von Fernsehtürmen, die in diesem Zeitraum entstanden sind“, sagt Apfelbaum. Mondlandung und Technik-Euphorie der 1950er- und 60er-Jahre würde er widerspiegeln. „Ganz typisch für diese Jahrzehnte“, sagt die Architekturhistorikerin.

Um dessen Namensfindung ranken sich übrigens so manche Legenden. Zum Teil sollen die Ideen lustige Auswüchse angenommen haben. „Emscherspargel“, „Dortmunder Zeigefinger“ oder „Kumpel Anton“ kursierten laut Zeitzeugen ebenso wie „Hopfenstange“ oder „Langer Lulatsch“, erklärt die Stadt Dortmund. Am Ende fiel die Wahl aber auf „Florian“ – dem Schutzpatron der Gärtner und Bierbrauer.

Florianturm im Westfalenpark ist Teil Dortmunder Stadtgeschichte

Dennoch wird der Fernsehturm auch mit einem tragischen Ereignis in Verbindung gebracht. Bei einem Unfall am 20. Juli 2003 war ein 31-jähriger Mann aus Mommenheim bei Mainz vor den Augen seiner Freunde ums Leben gekommen. Bei dem Sprung vom Fernsehturm war ein Bungee-Seil unmittelbar an den Füßen des Mannes gerissen. Die Sprungvorrichtung wurde später daher auch wieder abgebaut. Aktuell ist der „Florian“ nur noch als Technik-Konstrukt und Aussichtspunkt in Betrieb. Historische Meilensteine und Umbauten des „Florian“ hat die Stadt Dortmund zusammengefasst:

  • 30. April 1959: Eröffnung des Florianturms
  • 1982: Auswechslung der Antenne mit einer neuen Höhe von 211,36 Metern
  • 1998-1999: Umfassende Renovierung des Turms, einschließlich neuer Fassade und Inneneinrichtung
  • 1999: Anlässlich des 40. Geburtstags des Turms und des Westfalenparks, zierte eine riesige Krawatte den Turmschaft, was einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde 2001 einbrachte.
  • 2004: Erneute Auswechslung der Antenne im Zuge der Digitalisierung des Fernsehens: Neue Turmhöhe von 208,56 Metern
  • 2009: Feier des 50-jährigen Jubiläums mit einem spektakulären Lichterfest und Feuerwerk
  • 2011/2012: Umfangreiche Sanierungsarbeiten an den Aufzügen und ein neuer Außenanstrich.

Und so ist der Turm auch längst nicht mehr aus der Dortmunder Skyline wegzudenken. Für die Architektur-Expertin ist das auch gut so. „Ich finde das mit der Illumination ganz schön. Und seien wir doch ehrlich: Er ist auch einfach ein Super-Treffpunkt, wenn man mal seine Freunde auf dem Trödelmarkt oder beim Juicy-Beats-Festival und anderen Veranstaltungen im Westfalenpark verliert“, sagt sie und lacht.

Nur eines stört Apfelbaum: „Der Park bleibt noch zu oft hinter seinen Möglichkeiten zurück.“ So wie der Westfalenpark den Wandel der Zeit gemeistert hat, wird er aber auch das überstehen. Weitere Veränderungen, wie beispielsweise an den Wasserbecken, sind da sicherlich nicht ausgeschlossen. Dass diese möglich sind, stellen die historischen Luftbilder schließlich eindrucksvoll unter Beweis.

Rubriklistenbild: © Hansa Luftbild AG, Landesarchiv NRW, RW 0230

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