Skandal

Westfleisch: Tierquälerei-Verdacht gegen Mastbetriebe in NRW

+
Schwere Tierquälerei-Vorwürfe gegen Schweinemastbetriebe des Fleischkonzerns Westfleisch in NRW. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
  • schließen

Schwere Tierquälerei-Vorwürfe gegen Schweinemastbetriebe des Fleischkonzerns Westfleisch in NRW. Tierschützer zeigen abstoßende Bilder. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Münster - Schwere Tierquälerei-Vorwürfe in Nordrhein-Westfalen: Staatsanwaltschaften in Münster und Detmold haben Ermittlungen gegen mehrere Schweinemastbetriebe wegen möglicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz aufgenommen. Auch in Bielefeld laufen Ermittlungen. Ausgangspunkt sind Anzeigen des Deutschen Tierschutzbüros. Im Zentrum steht der Fleischkonzern Westfleisch.

UnternehmenWestfleisch
Gründung1928
SitzMünster

Westfleisch: Schwere Tierquälerei-Vorwürfe gegen Mastbetriebe in NRW

Dem Deutschen Tierschutzbüro liegen nach eigenen Angaben Videos und Fotos aus sieben Zulieferbetrieben von Westfleisch vor. In allen dokumentierten Betrieben würden Schweine gequält, teilweise auch von Mitarbeitern misshandelt, heißt es in einer Mitteilung der Tierrechtsorganisation. Sie hat die Aufnahmen unter anderem den zuständigen Kreisveterinärämtern zukommen lassen und Strafanzeigen erstattet.

Betroffen von den Vorwürfen sind laut dem Deutschen Tierschutzbüro Betriebe in den Kreisen Lippe, Höxter, Paderborn, Warendorf, Steinfurt, Borken (in NRW) sowie im Landkreis Hameln-Pyrmont (in Niedersachsen). Westfleisch ist einer der größten Fleischproduzenten in Deutschland und beliefert viele Discounter und Supermarktketten

Alle sieben genannten Betriebe seien laut Tierschutzbüro „wahllos“ herausgepickt worden - überall habe sich das „gleiche Bild“ von Missständen gezeigt. Beim Tierschutzbüro hält man die dokumentierten Verstöße nicht für Einzelfälle, sondern für eine Folge des „Systems“ von Massenhaltung und „Billigfleisch“. Der Verein zeigt auf seiner Website Auszüge aus den Videoaufnahmen. Sie waren auch Teil der ZDF-Sendung „Frontal“ über den Tierquälerei-Skandal.

Westfleisch-Zulieferer: Tierschützer veröffentlichen Bilder von Misshandlung

Die Videoaufnahmen, die im Mai 2022 entstanden sein sollen, zeigen laut dem Deutschen Tierschutzbüro in allen Mastbetrieben katastrophale Zustände und eklatante Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. In einer Mitteilung ist die Rede von Schweinen mit offenen, eitrigen Wunden, von verletzten Tieren, die nicht mehr aus eigener Kraft hochkommen, oder auch von toten und verwesenden Schweinen.

„Auf den Videobildern ist ein krankes Schwein zu sehen, das dringend separiert werden müsste. Dies ist auch aus Tierschutzgründen gesetzlich vorgeschrieben, das passiert hier aber nicht“, heißt es in einer Mitteilung der Tierschützer zu einem Stall in Beckum (Kreis Warendorf). „In diesem Stall steht Tierquälerei an der Tagesordnung“, wird Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender vom Deutschen Tierschutzbüro, zitiert.

Einen Zulieferbetrieb in Bad Pyrmont bezeichnete er als „Horrorstall“. Schweine würden beim Abtransport zum Westfleisch-Schlachthof mit Elektroschockern regelrecht misshandelt. Kein Einzelfall: Auch die Bildaufnahmen aus Westfleisch-Zulieferbetrieben in Ibbenbüren (Kreis Steinfurt), Kalletal (Kreis Lippe), Salzkotten (Kreis Paderborn), Borgentreich (Kreis Höxter) und Velen (Kreis Borken) seien schwer zu ertragen.

Westfleisch: Konzern reagiert auf schockierende Videos

Die Unternehmensgruppe Westfleisch hat sich schockiert über Bilder von kranken und verletzten Schweinen gezeigt und mehrere Maßnahmen angekündigt. „Die Aufnahmen machen auch uns betroffen“, heißt es in einer Stellungnahme auf der Internet-Seite von Westfleisch. Man nehme die Vorwürfe gegen die einzelnen Tierhalter sehr ernst und gehen ihnen „mit aller Entschiedenheit“ nach.

„Bis zur endgültigen Klärung aller Vorwürfe behalten wir uns sanktionierende Maßnahmen bis hin zur Kündigung der Lieferverträge vor“, betonte das Unternehmen in Münster. Grundsätzlich würden Zulieferbetriebe regelmäßig überprüft. Wer die Qualitätskriterien nicht erfülle, scheide als Zulieferer aus. „Transportunfähige und schlachtunfähige Tiere wurden und werden in Westfleisch-Betrieben definitiv nicht zur Schlachtung angenommen.“

Für Westfleisch stehen nun nach eigenen Angaben vor allem drei Schritte im Fokus: „Erstens kontrollieren wir aktuell jeden betroffenen Betrieb und führen dabei ein umfangreiches Sonder-Monitoring durch.“ Zweitens sollten kurzfristig alle Lieferbetriebe besichtigt werden, dabei werde der Status quo genau dokumentiert. Das sei auch wichtig, damit die „generell hervorragende Arbeit unserer über 3.000 Vertragspartner nicht in Misskredit“ gerate. Zudem werde Westfleisch sein Kontrollnetz erweitern.

Derweil könnten die Preise für Fleischware bei Fleischereien in NRW bald schon deutlich ansteigen. Daran sind nicht nur die explodierenden Energiepreise Schuld, berichtet RUHR24.

Rote Liste: 10 Tierarten sind in Deutschland bedroht

Auch wenn es für so manchen Hobbygärtner komisch klingt: Die Gartenspitzmaus (lebt am liebsten in der Nähe von menschlicher Siedlungen) wird in Deutschland in der Roten Liste als gefährdet geführt.
Auch wenn es für so manchen Hobbygärtner komisch klingt: Die Gartenspitzmaus (lebt am liebsten in der Nähe von menschlichen Siedlungen) wird in Deutschland in der Roten Liste als gefährdet geführt. (Symbolbild) © blickwinkel/Imago
Das Birkhuhn steht sowohl in Deutschland, als auch in Bayern auf der Rote Liste und ist fast überall verschwunden. Nur in der Rhön gibt es noch ein paar Exemplare. Förster und Naturschützer haben mit Wacholdersträuchen und Heidelbeeren kleine Biotope geschaffen.
Das Birkhuhn steht sowohl in Deutschland, als auch in Bayern auf der Rote Liste und ist fast überall verschwunden. Nur in der Rhön gibt es noch ein paar Exemplare. Förster und Naturschützer haben mit Wacholdersträuchern und Heidelbeeren kleine Biotope geschaffen. (Symbolbild) © Nature Picture Library/Imago
Libellen sind nicht nur wunderschöne Insekten, sie leisten uns Menschen auch tolle Dienste, indem sie Mücken oder Bremsen fern halten. Doch die Helm Azurjungfer Libelle ist vom Aussterben bedroht und gehört geschützt.
Libellen sind nicht nur wunderschöne Insekten, sie sind auch recht nützlich und leisten uns Menschen gute Dienste, indem sie Mücken oder Bremsen fern halten. Doch die Helm Azurjungfer Libelle ist vor allem durch den Verlust ihres Lebensraums vom Aussterben bedroht und gehört geschützt. (Symbolbild) © GFC Collection/Imago
Fliege ist gleich Fliege? Von wegen. Laut Bfn zählt die Steinfliege zu 46,4 Prozent zu den bestandsgefährdeten Arten.
Fliege ist gleich Fliege? Von wegen. Laut Bfn zählt die Steinfliege zu 46,4 Prozent zu den bestandsgefährdeten Arten.  © blickwinkel/Imago
Eine Fledermaus mag für manchen unheimlich wirken. Jedoch sind Fledermäuse extrem nützliche, unglaublich faszinierende und streng geschützte Tiere.
Eine Fledermaus mag für manchen unheimlich wirken. Auch weil darauf hingewiesen wird, dass die Insektenfresser Tollwut übertragen können. Jedoch sind Fledermäuse extrem nützliche, unglaublich faszinierende und streng geschützte Tiere. Die winzigen Geschöpfe benötigen unseren Schutz – auch die Mopsfledermaus. (Symbolbild) © Steffen Schellhorn/Imago
Für die meisten Autofahrer ein Ärgernis. Trotzdem: Der Iltis zählt zur Familie der Marder und wird in der Roten Riste als gefährdet eingestuft. Grund dafür sind intensive Landnutzung und ein Verlust des Lebensraums.
Für die meisten Autofahrer ein Ärgernis. Trotzdem: Der Iltis zählt zur Familie der Marder und wird in der Roten Riste als gefährdet eingestuft. Grund dafür sind intensive Landnutzung und ein Verlust des Lebensraums. (Symbolbild) © blickwinkel/Imago
Man glaub es kaum, aber gefährdet ist auch der Feldhase.
Man glaub es kaum, aber gefährdet ist auch der Feldhase. Neben natürlicher Feinde, hat auch der Mensch damit zu tun. (Symbolbild) © imagebroker/Imago
Kreuzotter (Vipera berus), Höllenotter, Bayern, Deutschland, Europa *** Adder Vipera berus , Hell adder, Bavaria, German
So manchen Hobby-Gärtner erschreckt eine Schlange, die sich genüsslich in der Sonne badet. Meistens handelt es sich dabei um die ungefährliche Ringelnatter. Doch auch wenn die Kreuzotter zu den giftigen Schlangen zählt – steht sie auf der Rote Liste der stark gefährdeten Reptilien-Arten. (Symbolbild) © imagebroker/Imago
europäische sumpfschildkröte, emys orbicularis, schildkröte,schildkröten, sumpfschildkröte, sumpfschildkröten, wasserschildkröte
Unter den Reptilien gilt die Europäische Sumpfschildkröte als vom Aussterben bedroht. (Symbolbild) © Shotshop/Imago
Der Feldhamster taucht in der Roten Liste als vom Aussterben bedroht auf und zählt zu einer der am stärksten, bedrohten Säugetierarten Deutschlands. Ein Grund: Die stetige Intensivierung der Landwirtschaft.
Die Nagetiere kennt man eigentlich nur noch aus dem Kinderzimmer, wo sie liebevoll umsorgt und gepflegt werden. Doch was ist mit dem Feldhamster? Er taucht in der Roten Liste als vom Aussterben bedroht auf und zählt zu einer der am stärksten, bedrohten Säugetierarten Deutschlands. Ein Grund: Die stetige Intensivierung der Landwirtschaft. (Symbolbild) © blickwinkel/Imago

Erst vor einem Jahr gab es schwere Ekel-Vorwürfe im Tierquälerei-Skandal in Werne (Kreis Unna). Auch der Fleischkonzern Tönnies steht im Visier von Tierschützern. Zuletzt ging es um Separatorenfleisch in Wurst. Westfleisch steht nicht zum ersten MaI im Zentrum einer Tierquälerei-Debatte. 2017 wurden durch Recherchen eklatante Verstöße in der Tierhaltung dokumentiert. Westfleisch verfolgt ambitionierte Ziele am Standort in Hamm. In den kommenden Jahren soll Schritt für Schritt einer der modernsten Schlacht- und Zerlegebetriebe Europas entstehen.

Kommentare