Unwetter

Tornado in Hagen? Experten hatten einen anderen Verdacht

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Ein Tornado hat in Hagen großen Schaden angerichtet
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Schnell war von einem Tornado die Rede, der in Hagen für großen Schaden gesorgt hat. Dabei war das gar nicht sicher. Experten hatten einen anderen Verdacht.

Hagen - Das Dach einer Kirche wurde abgedeckt, mehrere andere Gebäude und Fahrzeuge erlitten teils große Schäden. Ein plötzlich auftretendes Wetter-Ereignis hat am Mittwoch, 29. Mai, für Verwüstung in Hagen gesorgt, wie come-on.de berichtet. Schnell war davon die Rede gewesen, dass eine Windhose durch die Innenstadt in NRW gejagt sei. Einen Tag später vermeldete unter anderem der Deutsche Wetterdienst (DWD) wesentlich zurückhaltender, dass überprüft würde, ob es sich um einen Tornado handelt. Einen weiteren Tag später hatten Experten eine ganz andere Vermutung.

Tornado in Hagen? Experten hatten einen ganz anderen Verdacht

Auf dem Portal tornadoliste.de, ein Kooperationspartner des DWD, wurde das Wettereignis in Hagen in den Tagen unmittelbar danach lediglich als Verdachtsfall eingestuft. In der Erläuterung hieß es, dass die Experten vielmehr von einem sogenannten Downburst ausgehen würden. „Mit ‚Downburst‘ bezeichnet man zu deutsch einfach Gewitterfallböen“, erläutert Thomas Sävert, Meteorologe und Gründer der Tornadoliste.

Er erklärt, was genau bei einem solchen Ereignis passiert: „Mit dem starken Niederschlag stürzt Luft hinab, die sich am Boden vor allem in Zugrichtung der Zelle ausbreitet. Das sind dann die Böen, die ebenfalls große Schäden anrichten können.“ Und zwei Tage nach dem Unwetter, das in Hagen für große Schäden gesorgt hatte, wiesen viele Daten darauf hin, dass es dort zu einem solchen Downburst gekommen war.

Dafür, dass so schnell von einem Tornado bzw. einer Windhose die Rede war, hat Sävert ebenfalls ein Erklärung. „Es kommt häufig vor, dass sich jemand von Polizei oder Feuerwehr gegenüber der Presse äußert, ohne wirklich das Ereignis einschätzen zu können“, erklärt der Experte. „In diesem Fall war es jemand von der Feuerwehr.“ Auch Felix Dietzsch vom Deutschen Wetterdienst erzählt auf Anfrage von wa.de, dass generell „Windhosen eine weitverbreitete Erklärung für kleinräumige heftige Windereignisse“ seien. In diesem Fall besonders trickreich: Laut dem DWD-Experten erzeugen Downbursts ein ähnliches Schadensbild wie Tornados.

Unsicherheit über Tornado in Hagen: Jetzt haben die Experten die Antwort

Allerdings zeigte sich in diesem Fall, dass die voreiligen Schlüsse des Feuerwehrmanns doch gar nicht so verkehrt waren. „Der Stand der Dinge hat sich in diesem Fall inzwischen deutlich geändert“, erzählt Thomas Sävert rund eine Woche nach dem Vorfall in Hagen auf Nachfrage von wa.de. Denn die weitere Auswertung der Daten hat schließlich doch viele Hinweise auf einen Tornado ergeben.

So heißt es mittlerweile auf dem Portal tornadoliste.de: „Nach Analysen der Schäden vor Ort ist von einem Tornado als Ursache auszugehen. Unterschiedliche Fallrichtungen von Bäumen und wechselnde Windrichtungen in mehreren Videos sprechen ebenfalls für einen Tornado als Ursache. Ein Video zeigt den Wirbel aus nächster Nähe, es wurde in der Straße Im Alten Holz mit Blickrichtung Südosten aufgenommen.“ Die Experten sehen es somit als gesichert an, dass es sich doch um einen Tornado gehandelt hat. „Es ist allerdings möglich, dass neben dem Tornado auch noch Böen aufgetreten sind“, fügt Thomas Sävert noch hinzu.

Wer übrigens auf einen wunderbaren Sommer hofft, muss eventuell mit einer Enttäuschung rechnen. Die Meteorologen berichten, dass ein beständiges Sommerhoch nicht in Sicht sei.

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