NRW

Freunde brennen Whisky mit Ruhrpott-Geschmack – gelagert wird er unter einer ehemaligen Zeche

  • schließen

Die Hertener Andree Stryewski und Björn Nessmann sind Freunde seit dem Studium. Einmal nahmen sie an einer Whisky-Verkostung teil. Ein Abend, der alles änderte.

Herten – „Es war schon spät am Abend, als wir beschlossen haben, unseren eigenen Whisky herzustellen“, sagt Andree Stryewski. Wie man das so kennt. „Andere sagen nach ein paar Bier in der Kneipe: Lass doch unsere eigene Bar aufmachen. Wir waren bei einem Whisky-Tasting und haben gesagt: Lass uns doch unseren eigenen Whisky herstellen.“

Eine „Schnapsidee“ nennen Andree Stryewski und Björn Nessmann ihr Projekt heute. Doch sechs Jahre nach dem bedeutsamen Abend beim Whisky-Tasting war das erste Fass ihres „Ruhrpott-Whisky“ im Jahr 2021 abgefüllt. Heute lagern ihre Whisky-Fässer in Herten (NRW), nordöstlich von Gelsenkirchen.

Zwei Freunde aus dem Ruhrgebiet stellen ihren eigenen Whisky her

Warum der „Ruhrpott-Whisky“ heißt? Stryewski – rote, kurze Haare und Bart – sagt: „Ganz klar: Weil wir beide eine enge Verbindung zu der Region haben.“ Sein Großvater war selbst Bergmann, arbeitete auch als Grubenkontrolleur. Das habe die Familie sehr geprägt. „Die Arbeit unter Tage fasziniert mich bis heute“, sagt Stryewski. „Ich würde mich als echtes Kind des Ruhrpotts bezeichnen.“

Andree Stryewski (l.) und Björn Nessmann (r.) stellen Whisky mit Ruhrpott -Geschmack her.

Was die Whisky-Freunde am Ruhrpott so lieben

Björn Nessmann– Bart, blonde, lange Haare im Zopf – stammt ursprünglich aus Thüringen. Sein Großvater arbeitete in der DDR ebenfalls im Bergbau. Um Arbeit zu finden, kam Nessmann nach NRW und fühlte sich im Ruhrgebiet sofort wohl. Vor allem die Größe der Region und die Verbundenheit der Menschen mit dem Bergbau faszinierten ihn. „Dass Zechen unmittelbar in und um Wohngebiete liegen, ist einfach erstaunlich.“

Woraus besteht Whisky?

Whisky oder Whiskey ist eine Spirituose, die aus Getreide gebrannt bzw. destilliert wird – und zwar zwei bis drei Mal. Damit die Flüssigkeit als Whisky bezeichnet werden darf, muss sie in Amerika zwei- und in anderen Teilen der Welt drei Jahre in einem Holzfass reifen.

Und dann sind da ja auch noch die Menschen. Als „ehrlich und unvergleichlich zugänglich“, beschreibt sie Nessmann. „Nirgendwo anders kommt man so schnell in offene und ehrliche Gespräche wie hier.“ Auch die Hilfsbereitschaft untereinander sei enorm. „Selbst wenn man manche erst kurz kennt.“

Der Geschmack des Ruhrpott-Whiskys entsteht unter anderem durch das Holz der Fässer

Stryewski und Nessmann lernen sich im Studium kennen. „Wir haben uns von Anfang an gut verstanden“, sagt Nessmann. Neben ihrer Faszination fürs Ruhrgebiet teilen sie ihre Vorliebe für Whisky. Also probieren sie ihn auch regelmäßig in Tastings. Und so kam es irgendwann zu dem folgenschweren Abend, an dem ihre „Schnapsidee“ entstand.

Und wie kommt jetzt der „Ruhrpott“ in den Whisky? Wie Stryewski erklärt, kaufen die beiden zunächst den Rohbrand des Whiskys. Der lagert dann unter dem Maschinenraum der ehemaligen Zeche Schlägel und Eisen in Herten. Knapp 120 Jahre lang wurde dort Kohle gefördert und mitunter auch vor Ort verarbeitet. Der Kellerraum, wo der Whisky lagert, hat keine Fenster, die Wände sind mehr als einen Meter dick. „Die Feuchtigkeit, der Geruch, die Temperatur – all das hat Einfluss auf das Aroma“, ergänzt Nessmann.

„Whisky“ oder „Whiskey“?

Ob das Getränk mit „y“ oder „ey“ am Ende geschrieben wird, hängt von der Herkunft der Spirituose ab. Die Endung mit „ey“ ist vor allem in den USA und Irland geläufig. In Schottland und anderen Ländern endet sie mit „y“. Dabei gibt es natürlich auch Unterschiede in der Herstellung.

Die Jungs vom Ruhrpott-Whisky haben sich für diese Schreibweise entschieden, weil sie in Deutschland geläufig ist. Zudem entspreche das Destillat mehr einem schottischen als einem irischen Whisky – es ist etwas rauer und nicht dreifach destilliert.

„Der Ruhrpott ist nicht sauber und das muss man auch schmecken“

Während der Zeit der Lagerung entwickelt sich der Geschmack. Drei Jahre müssen die Fässer mindestens ruhen, erst dann darf man deren Inhalt auch als „Whisky“ bezeichnen. Genug Zeit also, dass die Ruhrpott-typische Umgebung das Aroma des Whiskys beeinflusst. In Herten, wo die Whisky-Fässer lagern, gibt es auch ein altes Schloss, das ebenfalls wirkt, als käme es aus einer anderen Zeit.

Der Ruhrpott-Whisky lagert in einer ehemaligen Zeche in Herten.

Und noch etwas ist wichtig, damit der Whisky auch nach Ruhrpott schmeckt: Das Holz der Fässer, in denen er gelagert wird. „Wir wollten auch hier besonders lokal bleiben“, sagt Nessmann. Deswegen haben sich die beiden unter anderem für Eichenholz aus der Pfalz entschieden. Das ist mehr als 200 Jahre alt.

Aber sie nutzen auch Fässer, in denen früher schon einmal andere Whisky-Sorten gelagert wurden. So etwa schottischer Whisky mit einem besonderen Raucharoma. Das gehört dazu, sagen die beiden. „Der Ruhrpott ist nicht sauber und das muss man auch schmecken“, erklärt Stryewski. 

Eine besondere Whisky-Sorte öffnen die beiden Freunde erst im Jahr 2041

Ob sie ihr Produkt auch selbst oft probieren? „Weniger, als man glauben könnte“, sagt Nessmann. Klar, der erste Schluck vom eigenen Whisky sei schon ziemlich gut gewesen. Aber es gehe auch viel Zeit für die Organisation drauf. „Wir machen das beide neben dem Beruf“, sagt Stryewski, der in der Unternehmensentwicklung arbeitet. „Und das nimmt schon viel Zeit in Anspruch.“

Der Ruhrpott-Whisky lagert in einem Kellerraum der Zeche Schlägel und Eisen in Herten.

Da wäre etwa die Sache mit den Steuern und die Organisation der Tastings, die sie anbieten. Verdienen tun die beiden Freunde nichts daran. „Alles, was wir einnehmen, stecken wir wieder in das Projekt“, sagt Nessmann, IT-Projektmanager. Bis der Whisky fertig ist, verkaufen die beiden Freunde „Anteilscheine“ an den Fässern. Wenn ein Fass geöffnet wird, kriegt man mit einem Anteilschein über 0,7 Liter eben genau eine Flasche mit dieser Menge.

Auf ein ganz besonderes Fass des Ruhrpott-Whiskys kann man allerdings lange warten. Bis 2041, um genau zu sein. Dann ist Stryewskis kleiner Sohn nämlich 18 Jahre alt. Ihm gefalle die Vorstellung, den dann mit ihm zusammen zu trinken, sagt der 32-Jährige. „Der Romantiker in mir wünscht sich natürlich, dass wir beide zusammensitzen und den tollen Whisky dann gemeinsam genießen.“ In vielen Fällen könnten sich 18-Jährige aber noch nicht so an dem Getränk erfreuen. „Aber ich hoffe auf jeden Fall, dass er sich freut.“ (ebu)

Rubriklistenbild: © Ruhrpott Whisky

Kommentare