- VonJessie Kristenschließen
Die Skilift-Betreiber im Sauerland verbuchen eine schwierige Saison 2023/24. Trotz aller Bemühungen bleiben die Ergebnisse unter dem Durchschnitt der letzten 20 Jahre, wie die Wintersport-Arena Sauerland mitteilt - und das Ende der Saison könnte bereits erreicht sein.
Winterberg/Hochsauerland – Leere Pisten, die bereits in sattem Grün erstrahlen, lassen die Gedanken an Wintersport in immer weitere Ferne rücken. Lediglich das dritte Januarwochenende mit viel Schnee und einigen Sonnenstunden scheint im Gedächtnis der Verantwortlichen in den Skigebieten geblieben – nicht ausreichend für eine positive Saisonbilanz, wie die Wintersport-Arena in dieser Woche mitteilt.
Hat Wintersport noch Zukunft? Skilift-Betreiber im Sauerland ziehen ernüchternde Bilanz
Im Saisonverlauf hätten sich die Betreiber der Pisten im Sauerland mit reichlich Beschneiung und ein paar frostigen Tagen über Wasser gehalten. So habe man zwar eine durchgehende Saison anbieten können, die sich in den meisten Skigebieten jedoch auf unterdurchschnittlichem Niveau bewege.
Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt die Wintersport-Arena kurz vor dem Saisonende, wie Pressesprecherin Susanne Schulten erklärt: „Dass eine Hauptsaison ausfällt, kommt häufig vor. Dass aber Weihnachtsferien wie auch Krokusferien nur ein kleines Grundangebot vorweisen konnten, ist außergewöhnlich. Dies lag nicht allein an den milden Temperaturen, sondern vor allen Dingen an starken Niederschlägen und Wind. Was den Wäldern und der gesamten Natur gutgetan hat, schadet den Schneedecken auf den Pisten sehr.“
Die Bilanz an den Skipisten
Gestartet ist die Skisaison am 29. November – und zwar auf Basis von Naturschnee im Skigebiet Hohe Bracht bei Lennestadt. Bereits zwei Tage später legte das Skiliftkarussell Winterberg mit zunächst drei Liften nach.
Dank frostiger Temperaturen und ergiebiger Schneeproduktion nahm der Betrieb am zweiten Adventswochenende an Fahrt auf: Kurz vor Weihnachten liefen 33 Ski- und Rodellifte, der vorläufige Höhepunkt der Saison war erreicht. „Das für das Mittelgebirge so typische ‘Weihnachtstauwetter’ reduzierte das Angebot jedoch kontinuierlich‘“, so Susanne Schulten.
Die zweite Januarwoche habe dann die ersehnte Kälte für eine erneute Grundbeschneiung gebracht. Aus dem bis auf sechs Lifte zusammengeschrumpften Angebot wurden innerhalb von vier Tagen 63. „Das umfangreichste Angebot stand dann am dritten Januarwochenende mit 93 Liften bereit. Mit Schnee bis in die Tieflagen waren der 20. und 21. Januar eines am stärksten besuchten Wochenenden der vergangenen Jahre. Über die 18 in der Wintersport-Arena Sauerland gemeldeten Skigebiete hinaus waren an diesem sonnigen und schneereichen Wochenende weitere kleine Skigebiete bis in die mittleren Lagen hinein geöffnet.“
Dank technischer Beschneiung sei zwar ein durchgehender Saisonbetrieb möglich gewesen, bis Ostern werde die Saisondauer auf 123 Tage steigen. „Dies sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Betriebstage der allermeisten Lifte deutlich geringer sind. So melden beschneite Skigebiete in Hochlagen 40 bis 70 Tage, Skigebiete mit wenig oder ohne Beschneiung in mittleren Lagen 5 bis 10 Tage. Diese Werte liegen unter dem Durchschnitt der zurückliegenden 20 Jahre“, so das Fazit der Wintersport-Arena. Zum Vergleich: Um ein beschneites Skigebiet wirtschaftlich betreiben zu können, lege der „Masterplan“ einen Wert von rund 80 Tagen im Durchschnitt zugrunde.
Auf maximal 20 Saisontage brachten es die auf Naturschnee angewiesenen Langlaufgebiete. Lediglich das beschneite Skilanglaufzentrum Westfeld brachte es auf 34 Tage. Der letzte Saisontag dort war der 21. Februar.
Das Wetter als entscheidender Faktor
Vier Monate voller Höhen und Tiefen liegen hinter den Skigebieten der Region. Der Monat Februar war laut Wetterportal Sauerland der mildeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, der Gesamtwinter allerdings „nur“ der viertmildeste der zurückliegenden 20 Jahre.
Zwei kalte und schneereiche Phasen von jeweils zwei Wochen hätten für einen gewissen Ausgleich gesorgt, stellenweise strenger Frost habe die Schneeproduktion möglich gemacht. Milde Temperaturen, vor allem aber Niederschlag und Wind, hätten der Schneedecke jedoch zumeist den Kampf angesagt und das kurzzeitige Winterwetter rasch wieder abgelöst – „sehr zum Leidwesen der Wintersportler und Liftbetreiber“, heißt es vonseiten der Wintersport-Arena. „Über die beiden Winterphasen hinaus war es ein milder bis sehr milder Winter. So verliefen die Weihnachtsferien und auch der Februar überwiegend frei von Frost und Naturschnee.“
Investition in Millionenhöhe
Trotz eines aus Sicht der Betreiber schwierigen Winters konnte das Skikarussell Altastenberg, in welches vorab rund 4 Millionen Euro investiert wurden, vergleichsweise lange öffnen. Der 21. Februar war der letzte Betriebstag. „Wintersport hat Zukunft“ hieß es im November noch seitens der Betreiber – die auch weiterhin zu ihrem Statement stehen. „Daran ändern die zurückliegenden vier Monate nichts. Es gibt gute und schlechte Winter. Auch in Zeiten des Klimawandels ist das so, auch wenn die Durchschnittstemperaturen langsam steigen. Solange es kalte Phasen gibt, kann Schnee produziert werden, mit denen milde Phasen überbrückt werden können. Das ist das Prinzip der technischen Beschneiung“, erklärt die Pressesprecherin der Wintersport-Arena.
Ausblick
Dieses Wochenende könnte das letzte der Saison mit einem vernetzten Liftangebot von Remmeswiese bis Sürenberg im Skiliftkarussell Winterberg sein – so die aktuelle Prognose. Derzeit sind noch fünf Lifte in der Wintersport-Arena Sauerland geöffnet. Zumindest die Lifte am Poppenberg sollen bis Ostern, wenn möglich bis Ende der Ferien, laufen.
Informationen im Internet: www.wintersport-arena.de
Rubriklistenbild: © jessie kristen


