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Die Zahl der Ladendiebstähle in Hamm ist dramatisch gestiegen. Zwar ist die Beute oft klein, doch die Auswirkungen sind groß. Und die Täter werden immer jünger.
Hamm – Der NRW-weite Anstieg der Ladendiebstähle um fast 25 Prozent ist schon hoch, ein Plus von die 40,85 Prozent in Hamm wirken aber fast schon wie ein Wolkenkratzer. 643 Fälle mehr als noch in 2022 weist die Kriminalstatistik für das Jahr 2023 aus. 2 217 sind es insgesamt. Das bedeutet den absoluten Höchstwert in zehn Jahren und erstmals eine Zahl jenseits der 2000er-Marke. Ladendiebstähle sind eine entscheidende Größe in Hamm, die das Straftatenaufkommen 2023 insgesamt nach oben getrieben haben (18.853 Fälle/+13,92 Prozent).
Die im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei (Hauptbahnhof) abgeschlossenen Fälle haben sich mehr als verdoppelt: 435 Fälle mehr, +135,09 Prozent.
Ladendiebstahl
Bevorzugte Tatorte sind laut Polizei Geschäfte im Hauptbahnhof, im Allee-Center sowie an der Weststraße und am Westring. Die ermittelte Schadenssumme beträgt 163.183 Euro. In rund 50 Prozent der Fälle liege der Beutewert unter 15 Euro, sagte Kriminaloberrätin Mareike Mentrup bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik. In vielen Fällen spiele Drogenabhängigkeit und Beschaffungskriminalität eine Rolle. Die Hemmschwelle sei offensichtlich gesunken, Straftaten in diesem Bereich zu begehen. Möglicherweise kämen aufgrund verstärkter Sicherheitsmaßnahmen auch deutlich mehr Fälle zur Anzeige (Kontrolldelikt).
Taschendiebstahl
Zwar haben die Fallzahlen 2023 gegenüber dem Vorjahr um 35 (+10,87 Prozent) auf 357 zugenommen, der Zehn-Jahres-Trend ist aber rückläufig (8,23 Prozent weniger als 2014). Höchststände von 2015/16 und 2020 sind weit unterschritten. Die Polizei führt den abnehmenden Trend unter anderem auf wirkungsvolle Präventionsarbeit zurück. Die Aufklärungsquote ist mit 6,44 Prozent gering, weil vielfach der Verlust einer Geldbörse oder eines Handys erst viel später bemerkt wird.
Raub im öffentlichen Raum
Delikte, die gefühlt oft Unsicherheit erzeugen: Raubdelikte im öffentlichen Raum sind im Zehn-Jahres-Trend aber eher rückläufig. Von 70 auf 80 Fälle stieg die Zahl, vier Mal wurde 2023 eine Handtasche geraubt, 2022 waren es zwei Fälle. Die Ermittlungen zeigten, dass sich in der Öffentlichkeit eher selten Fälle ereigneten, bei denen sich die Beteiligten nicht kannten, sagte Mentrup. 56,58 Prozent der Fälle wurden aufgeklärt (+9,52 Prozent).
Straßenkriminalität
Die Mehrzahl der Delikte in Hamm findet nicht in der Öffentlichkeit statt. Die Fallzahlen im Bereich der Straßenkriminalität (neben Taschendiebstahl und Raub auch Sachbeschädigung, Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung, sexuelle Belästigung und exhibitionistische Handlungen) haben geringfügig um 185 (+4,55 Prozent) auf 4254 zugenommen (NRW: +2,81 Prozent).
Kinder, Jugendliche, Heranwachsende
2023 wurden 2 157 Straftaten von Kindern (bis 14 Jahre; 347 Taten/+80), Jugendlichen (bis 18 Jahre; 1 012 Taten/–210) und Heranwachsenden (bis 21 Jahre; 926 Taten/+104) begangen. Das sind zusammen 26 Taten weniger als 2022. Allerdings wurden in allen Altersgruppen zusammen 253 mehr Tatverdächtige als im Vorjahr ermittelt. Insgesamt waren es 1574 (Mehrzahl männlich). Häufiger wurden Taten in Gruppen begangen. Zusammen etwa die Hälfte der Taten entfallen auf Diebstahlsdelikte (642) und Körperverletzungen (438).
Auf den reinen Tatort Schule entfallen für alle Altersgruppen zusammen 116 Taten mit 140 Tatverdächtigen (2022: 89/+30,34 Prozent). 64 Taten (81 Verdächtige) gehörten zum Bereich der Rohheitsdelikte (unter anderem Körperverletzung und Raub, zum Beispiel Geld „abzocken“).
Fünf Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurden festgestellt, zwei Mal die Verbreitung pornografischer Inhalte. Der Großteil der Delikte dieser Art ereigne sich nicht im schulischen Umfeld, sagte Mentrup. Die Verbreitung von Inhalten in sozialen Netzwerken erfolge zumeist in der Freizeit. 54 Fälle unter 21-Jähriger insgesamt bearbeitete die Polizei wegen der Verbreitung kinderpornografischer Inhalte, zudem 46 Sexualdelikte.
Ziel polizeilicher Bemühungen sei nicht in erster Linie Bestrafung, sondern Prävention und das Angebot von Alternativen, beispielsweise im Rahmen des Landesprogramms „Kurve kriegen“.
Betäubungsmittel
Die festgestellten Konsum- und Handelsdelikte mit Rauschgift haben insgesamt von 735 auf 835 zugenommen. Handelsdelikte 2023 sind davon 131. Die gestiegene Zahl führt die Polizei auf verstärkte Kontrollen zurück. Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz sind ein Kontrolldelikt. Ziel sei es immer, an die Hintermänner zu kommen, sagte Polizeipräsident Thomas Kubera.
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