VonMichaela Dziwischschließen
Die Stadtwerke Werl und die Firma Neuhaus präsentieren ihre Freiflächen-Solaranlagen an der Bergstraßer Weg in Werl. Seit April sind sie am Netz.
Werl – Auf einer Fläche groß wie sieben Fußballfelder produzieren seit April zwei Freiflächenphotovoltaikanlagen am Bergstraßer Weg „grünen“ Sonnenstrom. Jetzt stellten die beiden Betreiber – die Neuhaus Lighting Group und die Stadtwerke Werl – das Projekt vor.
„Ich bin Fan von PV-Anlagen und habe auch schon seit 2007 auf allen meinen Dächern Anlagen: Zuhause und auch auf den Hochregalhallen auf 30 000 Quadratmetern. Inzwischen sind 20 unserer 30 Firmenfahrzeuge E-Autos, und wir haben auch einige E-Bikes“, erklärt Firmen-Chef Ralf Neuhaus. Mit diesen Anlagen erzeugte die Firma bereits vor Errichtung des Solarfeldes auf dem 24 000 Quadratmeter großen Grundstücks achtmal mehr Strom, als sie vor Ort verbraucht. 2022 kaufte die Neuhaus Lighting Group das als Industriefläche im Bebauungsplan ausgewiesene Grundstück von der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Werl (GWS).
„Topografisch schwierige“ Fläche genutzt
„Die Flächen sind topografisch schwierig. Wenn man hier eine Lagerhalle hinbauen wollte, wäre das sehr teuer und langwierig, die Fläche zu ebnen“, erklärte Bürgermeister Torben Höbrink in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Werl, die die benachbarte Fläche kauften und ebenfalls eine Freiflächen-PV-Anlage errichtet haben.
„Es war ein Vorteil, dass die Fläche bereits im alten Bebauungsplan als Industriefläche ausgewiesen war, so haben wir jetzt die beste Nutzung und wenig Versiegelung“, so der Bürgermeister. Zudem habe man bei der gemeinsamen Erschließung benachbarter Flächen Synergieeffekte genutzt und so Geld gespart. Somit sei eine Anlage „aus einem Guss“ entstanden.
Strom für 1600 Haushalte
Die Leistung des entstandenen Solarparks von Neuhaus beträgt 3 870 Kilowatt-Piek. Damit können jährlich rund 3,1 Millionen Kilowattstunden erzeugt werden, was einem Jahresverbrauch von mehr als 1 000 Werler Haushalten entspricht. Zusammen mit der benachbarten Fläche der Stadtwerke Werl ließen sich theoretisch jährlich etwa 1 600 Haushalte in Werl mit Strom versorgen.
Stefan Seele, Geschäftsführer der Stadtwerke Werl, ergänzte: „Es kommen noch zwei Handwerksbetriebe auf die jetzt noch freien Flächen. Das geht auch sehr gut, denn das passt zur ruhigen Lage.“ Aufgrund von neuen Vorschriften wäre heute eine Ansiedelung eines Industriebetriebs nicht mehr möglich gewesen.
Wirtschaftliche Schattenseite
„Bei gutem Wetter wird die Anlage am Mittag abgeschaltet, trotz der Ost-West-Ausrichtung, das ist eine Katastrophe“, ärgert sich Ralf Neuhaus. Der Grund dafür, dass Solaranlagen abgeschaltet werden im Sommer oder bei zu gutem Wetter, ist der inzwischen starke Ausbau von Solarkraft. Die hohe Anzahl solcher Projekte sorgt inzwischen für sogenannte „Negativstunden“, besonders in der Mittagszeit, wenn die Sonne eigentlich am meisten Ertrag bringt.
Es wird schlicht zu viel Strom erzeugt, sodass er nicht mehr abgenommen werden kann, deshalb wird die Anlage dann für einige Zeit abgeschaltet. Es gibt keine Ausfallvergütung für den Betreiber, stattdessen kann es im schlimmsten Fall sogar sein, dass er Geld für die Stromabnahme zahlen muss. Soweit sei es aber bisher in Werl nicht gekommen. Torben Höbrink ergänzt, dass beide Solarfelder aber wirtschaftlich seien. Es sei sicher eine Momentaufnahme, aber eben auch nicht gut für Planungssicherheit und Investitionen.

